Maßbach
Sanierung

Maßbacher Ritualien überregional bedeutsam

Das Landesamt für Denkmalpflege ist von der Synagoge in Maßbach sehr angetan.
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Einen Blick auf die Maßbacher Synagoge kann man von der Wirthsgasse aus erhaschen,. Foto: Isolde Krapf
Einen Blick auf die Maßbacher Synagoge kann man von der Wirthsgasse aus erhaschen,. Foto: Isolde Krapf
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Dass im Ort eine Synagoge stand, wissen viele Maßbacher. Aber dass es das Haus noch gibt, ist nicht jedem bekannt, vermutet Bürgermeister Matthias Klement. Das könnte sich bald ändern, denn das frühere jüdische Gotteshaus rückt immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Die Kommune möchte das Gebäude sanieren. Doch der Weg dorthin ist weit. Der Besuch zweier Experten vom Landesamt für Denkmalpflege lässt jedoch hoffen.

"Wir sind dabei zu erkunden, was möglich ist", sagt Klement über den einstigen Sakralbau, der heute unscheinbar in zweiter Reihe zur Poppenlaurer Straße steht. Denn der Grundriss des einstigen Massivbaus mit Fachwerkgiebeln ist nur an der Ostseite nachvollziehbar, die übrigen Außenwände sind durch jüngere Anbauten verstellt. Gebietsreferent Christian Schmidt und Hans-Christof Haas, der Querschnittsreferent für Jüdisches Kulturgut vom Landesamt für Denkmalpflege, waren jedenfalls unlängst bei ihrem Besuch in Maßbach begeistert und machten klar, dass man die Bausubstanz näher untersuchen muss, sagt Klement. Denn wer weiß, vielleicht tauchen hinter den modernen Anstrichen der Wände oder unter den Bodenbelägen historische Putze, Gemälde oder Fassungen auf?


Statik des Hauses prüfen

An der Dachkonstruktion stellten die Fachleute größere Schäden fest. Wichtig sei auch, die Statik des Hauses zu prüfen, sagt der Bürgermeister. "Wir müssen also zunächst eine Bestandsaufnahme machen und die Ergebnisse ans Landesamt weitergeben. Parallel dazu sollten wir mögliche Fördertöpfe anzapfen." Die Fachleute des Landesamts hätten eine Art Empfehlung abgegeben und Fördermittel für die Sanierung der Synagoge in Aussicht gestellt, sagt Stadtplanerin Christiane Wichmann (Schweinfurt), die die Kommune generell bei der Altortsanierung begleitet. Allerdings will die Behörde dann auch ein Nutzungskonzept sehen, sagt sie. Doch bevor man solche Pläne weiterverfolgt, müssen Voruntersuchungen getätigt werden, so Wichmann weiter. Erst dann könne man genau planen und Kosten richtig einschätzen. Die Architektin ist gerade dabei, diese Maßnahmen vorzubereiten. Dann gehen die Vorschläge ans Landesamt. Schließlich muss auch der Gemeinderat sein Plazet zu den Voruntersuchungen geben, sagt Klement. Bis dahin hofft er, mit dem Erwerb des Gebäudes schon weiter zu sein, denn die Kommune will das Haus von Privat kaufen.


Typische Landsynagoge

Bei dem Gebäude handelt es sich um eine typische Landsynagoge aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Überlieferung nach soll es ein Neubau sein, der damals anstelle des abgebrannten Vorgängerbaus errichtet wurde. In der Bayerischen Denkmalliste ist das Maßbacher Anwesen beschrieben als "eingeschossiger massiver Halbwalmdachbau, entstanden um 1750, 1865 renoviert, 1938 beschädigt und 1941 umgebaut".

Die Referenten Schmidt und Haas stellten bei ihrer Begehung des Gebäudes fest, dass von der ursprünglichen Synagoge noch die Umfassungsmauern, das Dachwerk mit einem Tonnengewölbe und der Treppenaufgang zur Frauenempore erhalten sind. Interessant fanden sie zudem, dass das Misrachfenster aus der Zeit um 1900 am Ostgiebel erhalten ist - allerdings nicht als runde, sondern als hochrechteckige Öffnung. Darunter war wohl in einem Erker, der heute nicht mehr besteht, der Toraschrein untergebracht. Zur Erklärung: An der Ostwand in Richtung Jerusalem (Misrach), in einem speziellen Schrein, wird die Tora-Rolle, ein hebräischer Text der fünf Bücher Mose, aufbewahrt. Als überregional bedeutend bewerteten Schmidt und Haas, dass wichtige Ritualien des jüdischen Glaubens, wie die Torarolle, ein Schofarhorn und die Rimonim (Schmuck an der Torarolle) in Maßbach erhalten geblieben sind. Zudem gibt es eine Geniza, das ist ein Behältnis, in dem nicht mehr lesbare heilige Schriften verschlossen aufbewahrt wurden. Isolde Krapf
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