Bad Kissingen
Standort

LGL wächst in Unterfranken

Bis Jahresende soll die Außenstelle in Bad Kissingen auf 15 Mitarbeiter ausgebaut werden, für 2021 ist der Umzug in Kurhausbad und Neumann-Flügel geplant.
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Caroline Bauer ist im November von einer Bad Kissinger Reha-Klinik ans Institut für Kurortmedizin gewechselt. Foto: Ralf Ruppert
Caroline Bauer ist im November von einer Bad Kissinger Reha-Klinik ans Institut für Kurortmedizin gewechselt. Foto: Ralf Ruppert
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Caroline Bauer aus Reiterswiesen trat am 15. November ihre Stelle als Teamassistentin am Institut für Kurortmedizin an. "Ich habe die Stellenausschreibung in der Zeitung gelesen und gedacht, dass das eine Super-Gelegenheit ist", erzählt die gelernte Arzthelferin. Zehn Jahre lang war sie vorher in einer Bad Kissinger Reha-Klinik beschäftigt, bildete sich in den Bereichen Qualitäts- und Patientenmanagement fort. Jetzt ist sie gespannt wie es mit dem Aufbau des Instituts und der Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg weitergeht.


Von Sportmedizin bis Verwaltung

Caroline Bauer gehört zu den bislang sieben Mitarbeitern der LGL-Außenstelle in der Münchner Straße. "Wir haben hier sehr großzügig angemietet", sagt LGL-Präsident Andreas Zapf mit Blick auf die komplette Etage. 15 Büro-Arbeitsplätze stehen dort zur Verfügung, vermutlich bis zum Jahresende sollen sie nach und nach besetzt werden. Entstehen werden vor allem hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Verwaltung, in Sportmedizin und Gesundheitsökonomie.
Finanzminister Markus Söder hatte im Rahmen der Heimatstrategie angekündigt, dass ein "Haus für Gesundheitsmanagement" mit 100 qualifizierten Arbeitsplätzen nach Bad Kissingen kommt, das dem LGL unterstellt ist. "Alles, was nicht mit dem Labor zu tun hat, können wir nach und nach aufbauen", beschreibt Zapf den Plan.


Mehrere Einzel-Institute

Nach Bad Kissingen sollen Abteilungen aus mehreren Landesinstituten kommen: Neu im Landesinstitut Gesundheit ist unter dem Kürzel "GE9" das Institut für Kurortmedizin entstanden (siehe Titelseite). Zudem soll der größte Teil des Bayerischen Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung (GE7) und ein Teil der Bayerischen Gesundheitsagentur (GE8) nach Bad Kissingen umziehen. "Das Institut für Kurortmedizin passt wunderbar hierher", betont Zapf. Bei einem Klausurtag der Abteilungsleiter habe sich die LGL-Spitze Bad Kissingen bereits angeschaut. Dabei gab es auch eine Führung durch das künftige Domizil in Kurhausbad und Neumann-Flügel: "Das wird eine der schönsten Dienststellen werden, die wir haben", ist Zapf bereits jetzt begeistert.


Krebsregister für ganz Bayern

Bad Kissingen ist für die LGL der siebte Standort (siehe Info-Kasten). Und ein achter sei sogar schon für Unterfranken geplant: Die Staatsregierung plane den Aufbau eines bayerischen Krebsregisters, das dem LGL unterstellt ist. Bereits im Konzept zur Behördenverlagerung aus dem Jahr 2015 sind 16 Stellen für eine "Technische Krebsregisterdaten- und Servicestelle des Krebsregisters Bayern" in Gemünden vorgesehen.
Die Fertigstellung von Kurhausbad und Neumann-Flügel ist für Frühjahr 2021 vorgesehen. Dann würden auf einen Schlag große Laboreinheiten aus Erlangen und Oberschleißheim verlagert. Neue Stellen in den kommenden Jahren würden schon unter der Bedingung besetzt, dass die Mitarbeiter dann mit nach Bad Kissingen umziehen müssen. Das betreffe vor allem die Abteilungen LH4 (Grundsatzfragen zu Lebensmitteln, Novel Food, kosmetische Mittel, Tabakerzeugnisse), RK5 (Elemente in Lebensmitteln und Wasser, Wasserchemie und Mineralwasser, Blutalkohol) sowie RK6 (Bedarfsgegenstände und stoffliche Marktüberwachung).
Ab 2021 werden voraussichtlich in Bad Kissingen sämtliche Blutproben der Polizei aus ganz Bayern auf Alkohol untersucht. Wie die Punkte in Flensburg verwaltet werden, kommt der Promille-Wert also dann aus Bad Kissingen. Genaue Vorgaben, was verlagert wird, habe die Staatsregierung nicht gemacht. Allerdings liege nahe, dass kleinere Einheiten als Ganzes umziehen. Vereinfacht werde die Umstrukturierung, weil das LGL insgesamt neue Aufgaben bekommt: "So wie es jetzt aussieht, wird das LGL von rund 1100 auf 1300 Mitarbeiter wachsen", schätzt Präsident Zapf.


Spielzeug bis Kosmetika

Außer denen, die in Zukunft unter dieser Voraussetzung eingestellt werden, werde aber kein LGL-Mitarbeiter zum Umzug gezwungen: "Nach Bad Kissingen kommen Mitarbeiter, die sich freiwillig melden, oder wir stellen neu ein", sagt Zapf. Entwarnung gibt der Präsident für die bestehenden Labore in der Region: "Wir stehen in keiner Konkurrenz mit privaten Laboren", stellt er klar. Es sei klar geregelt, dass nur zum Beispiel Blutproben aus Justizvollzugsanstalten am LGL untersucht werden dürfen. Schwerpunkt des neuen Labors, für das der Neumann-Flügel komplett entkernt wird, sei aber der Verbraucherschutz, also zum Beispiel die Überwachung von Spielzeug, Kosmetika oder Bedarfsgegenständen. Auch einige Lebensmittelkontrolleure für Nordbayern würden in Bad Kissingen angesiedelt.

Entstehung Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurde am 1. Januar 2002 gegründet, um eine wissenschaftliche Grundlage für Gesundheits- und Verbraucherpolitik zu schaffen. Das LGL ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/ Produktsicherheit. Dazu wurden Aufgaben aus folgenden Bereichen zusammengefasst: Die Landesuntersuchungsämter für das Gesundheitswesen Nord- und Südbayern, Teile der Landwirtschaftsverwaltung, das Landesamt für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik sowie die Akademien für das öffentliche Gesundheitswesen und für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin.

Zuständigkeit Das LGL ist gleich drei bayerischen Ministerien unterstellt: dem für Umwelt und Verbraucherschutz, dem für Gesundheit und Pflege und dem Ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.

Größe Das LGL hat rund 1100 Mitarbeiter, verteilt auf sieben Standorte: Oberschleißheim, Erlangen, München, Würzburg, Nürnberg, Schwabach und seit kurzem auch Bad Kissingen.

Gliederung Das LGL unterhält mehrere Landesinstitute, etwa für Lebensmittel und kosmetische Mittel oder für Rückstände und Kontaminanten, Getränke, Bedarfsgegenstände. Die Labore der Landesinstitute am LGL untersuchen jedes Jahr mehr als 80 000 Proben.

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