Laden...
Bad Kissingen
Marketing

Kreis Bad Kissingen stellt Standortkampagne vor

Mit neuer Homepage, großflächigen Plakaten, Kino- und Radiospots sagt die Rhön den Metropolen den Kampf um junge Familien und Fachkräfte an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Landrat Thomas Bold (CSU) in einem Dienstfahrzeug des Landratsamts, das bereits mit Werbung der neuen Standortkampagne bedruckt ist. Foto: Benedikt Borst
Landrat Thomas Bold (CSU) in einem Dienstfahrzeug des Landratsamts, das bereits mit Werbung der neuen Standortkampagne bedruckt ist. Foto: Benedikt Borst
+9 Bilder
Eine weiße Plane schützt das Auto vor den neugierigen Blicken der Gäste. Die Motive, die ab sofort auf dem Lack zu sehen sind, werden erst später am Abend gelüftet. "Ich hoffe, Sie sind neugierig." Sven Schröter von der Würzburger Werbeagentur Gerryland begrüßt die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die zur Präsentation der neuen Standortkampagne des Landkreises erschienen sind. Von den Kreisräten nichtöffentlich beschlossen, hatten bislang außer von Mitarbeitern der Werbeagentur nur ein paar Verantwortliche am Landratsamt eine Vorstellung davon, was sich hinter dem Marketingkonzept verbirgt. Alles Top-Secret, die Erwartungshaltung der Gäste vorab war entsprechend groß.

Der Landkreis präsentiert seine Stärken und wirbt um Fachkräfte, um junge Familien sowie um Unternehmen, die sich hier niederlassen sollen. Motto: Lieber hier, als dort. Besser auf dem Land, als in der Metropole. Schließlich ist die Region Teil des Biosphärenreservats Rhön, hat ein Qualitätssiegel als Bildungsregion, liegt zentral in Deutschland mit guter Verkehrsanbindung und hat vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten vorzuweisen. Dazu kommen eine gute medizinische Versorgung sowie ein umfangreiches Kultur- und Freizeitangebot. "Hier kann man besser leben, als in vielen Ballungsräumen", sagt Landrat Thomas Bold (CSU). Die Lebensqualität in der Region sei hoch, gerade im Gegensatz zu überhitzten Ballungsräumen.


Kampagne geht bis Ende 2017

Die Werbeprofis von Gerryland wurden im März mit der Standortkampagne beauftragt. "Die Kampagne geht sehr stark über Emotionen", sagt Sven Schröter. Sie solle sich von anderen abheben und Sehnsüchte wecken. Inhaltlich knüpft sie an das neue Logo des Landkreises mit dem Slogan "Hier gehts besser" an. Großflächige Werbeplakate sollen ab Ende nächster Woche in Bad Kissingen und umgebenden Landkreisen angebracht werden. "Leben, besser", "Arbeit, besser", und "Standort, besser", ist darauf zu lesen. Bad Kissingen, so die weitere Botschaft, sei "stark im Herzen Deutschlands".

Bis Ende nächsten Jahres läuft die Kampagne. Sie soll Menschen ansprechen, die die Nase vom Stadtleben voll haben. "Wenn ein Mensch darüber nachdenkt, brauche ich die Metropole unbedingt, sind wir da", sagt Gerryland-Artdirektor Harald Müller.

Herz der Werbeaktion ist die neue Homepage www.bad-kissingen.land. Jedes Werbemittel verweist auf sie, vom Plakat über den Flyer bis zur Radiowerbung. "Auf den großen Anzeigen kann man keine Antworten finden", erklärt Sven Schröter. Das soll das Portal übernehmen. Besucher können sich dort mit wenigen Klicks tagesaktuelle Informationen besorgen zu Jobangeboten, freien Wohnungen, Kindergartenplätzen, Ärzten und Apotheken, Kultureinrichtungen und Gaststätten. Ziel ist, ein schnelles Zurechtfinden im Landkreis zu ermöglichen.

Ab Dezember sollen sechs Spots in Kinos zunächst im Umkreis von 60 Kilometern gezeigt werden, in denen hiesige Unternehmer wie Ulrike Lange (Weingut Schloß Saaleck), Timo Albert (Takata Plastec GmbH) und Harald Barlage (Parksanatorium Bad Bocklet) Werbung für den Landkreis als Wirtschaftsstandort machen. "Wir gehen erst in angrenzende Regionen, nach dem ersten Quartal 2017 gehen wir in Ballungsräume", erklärt Sven Schröter. Unter anderem nach München und ins Rhein-Main-Gebiet.

Dort wird es einen einminütigen Imagefilm zu sehen geben, der düstere Szenen aus der Großstadt vorführt. Dazu die Frage: "Wo ist das Leben hin, das sie sich so gewünscht haben?" Und die sinngemäße Antwort: Es ist noch da. Sie müssen es nur finden. Am besten in Bad Kissingen.


Positive Reaktionen der Gäste

Die Reaktionen der Gäste auf die Kampagne und insbesondere auf die Werbefilme fielen überwiegend gut aus. "Ich bin positiv überrascht. Es ist angebracht, unsere Stärken zu präsentieren. Wir stehen im Wettbewerb mit vielen Kommunen", kommentierte die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar die Präsentation. Die parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) schloss sich an. "Mir hat es gut gefallen." - "Es ist sehr modern, frisch und man erwartet es nicht", lobte Matthias Klement (CSU), Kreisrat und Bürgermeister von Maßbach. Sein Kollege Armin Warmuth (CSU) aus Hammelburg sieht das ähnlich: "Es ist eine innovative Werbekampagne, die mich abholt."


Kampf gegen allgemeinen Trend

Ein Kommentar
In der Rhön ist der demografische Wandel spürbar. Die Region verliert seit Jahren kontinuierlich Einwohner. Insbesondere Handwerks- und Baubetriebe, Hotels und Gastronomen leiden unter dem Fachkräftemangel. Kann da die Standortkampagne des Landkreises etwas ausrichten? Ich denke zwar auch, dass es die Zielgruppe gibt, also Menschen, die keine Lust mehr haben auf teure Mieten und ewige Verkehrsstaus in der Großstadt. Ich denke auch, dass der eine oder andere deshalb aufs Land ziehen will. Aber das ist eine vergleichsweise kleine Gruppe. Der Trend in Richtung Stadt ist größer, wie das seit Jahren ungebrochene Bevölkerungswachstum von Ballungszentren beweist. Bad Kissingen muss sogar damit rechnen, in den nächsten Jahren deutlich Einwohner an Schweinfurt zu verlieren. Dort steht in den ehemaligen US-Barracks eine gewaltige Fläche mit günstigem Wohnraum zur Verfügung. Von daher ist es bedeutsam, dass der Landkreis gegensteuert. Eine durchdachte Imagekampagne ist da ein wichtiger Schritt, reicht allein aber nicht aus. ÖPNV, Verkehrsinfrastruktur, Leerstände, Nahversorgung, Konversion, Fachkräftemangel. Politik und Wirtschaftsförderung wird es so schnell nicht langweilig.
Verwandte Artikel