Oerlenbach
Einblicke

Klöppelkunst und Schnellporträts

Kunsthandwerker und Künstler des Oberen Werntals öffneten ihre Ateliers und Werkstätten. Im Mittelpunkt stand Oberwerrn.
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Schmetterling aus Spitze: Lore Elflein-Gerstner beherrscht das Klöppeln.  Foto: Uwe Eichler
Schmetterling aus Spitze: Lore Elflein-Gerstner beherrscht das Klöppeln. Foto: Uwe Eichler
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Die Scheune ist gut gefüllt: Es herrscht großer Andrang beim "Tag des offenen Ateliers" im Oberen Werntal, zu dem auch die Gemeinde Oerlenbach gehört. In diesem Jahr ist die Oberwerrner Festscheune der Mittelpunkt des zweitägigen Künstlerspektakels.
Dazu kommen ein paar Außenstellen, etwa das Atelier "Kunst am Buchweg", wo die Malschüler von Theo Bieber (1937-2014) zeigen, was sie vom Gründer in Sachen Perspektive und Landschaftsmalerei gelernt haben. Nebenan brennt Hanne Walz Keramikrosen, in Maibach gibt es eine Gemeinschaftsausstellung im Sportheim und Bewirtung in "Rudolfs Heuboden" auf dem Bauernhof Göbel. Der gelernte Raumausstatter Wolfgang Kohlhepp zeigt am Bonland unter anderem seinen liebevoll gepflegten japanischen Bonsaigarten.
Die kurzen Wege im "Künstlerdorf Oberwerrn" kommen beim Publikum gut an. Die Künstler und Kunsthandwerker freuen sich über "gute Gespräche". Man kennt sich, egal ob nun Herbert Götz Fotogemälde am Computer kreiert, die Heimatforscherin Gisela Bartenstein-Eschner Bücher für den guten Zweck verkauft, der Zeuzlebener Künstler Axel Weisenberger Schnellporträts zeichnet, Elisabeth Müller Holzpretiosen drechselt oder die junge Kunst der malenden Montessorischülerin Tabea Krause die Blicke auf sich zieht.


Frisch vom Erzeuger

Überhaupt darf sehr viel zugeschaut werden, wenn Kunst "aus der Region für die Region" entsteht, frisch vom Erzeuger. So beim Brebersdorfer Maler Manfred Sperber, der vor der Scheune seine Horizontlinien akkurat in Kunstharz zieht. Claudia Cebulla vom Geldersheimer Gadenverein malt Blumen, beeindruckt vom Besuch der "Gärten von Lochow" beim oberfränkischen Helmbrechts, benannt nach der Gartengestalterin Constance von Lochow.
Manchmal ist die Kunstschau der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal sogar ein wenig politisch. "Die Welt ist verrückt geworden", sagt Karin Lorenz, die nebenan auf dem Hof des Anwesens Fries ausstellt. So zumindest würde sie ihr Gemälde an der Hauswand interpretieren, eine Art Apokalypse in düsteren Farben.


Junger Wilder

Kirchenkunst wäre trotzdem nichts für die Niederwerrnerin: Sie male ihre jeweilige Stimmung, mal dunkel, mal hell - aktuell sind die Bilder wieder bunter. Ein Bike fährt ins Abendrot, am Eingang zum Hof. Ein dickes blaues Huhn brütet scheinbar etwas aus, und der Blick aufs Meer lässt Fernweh entstehen.
Einer der "jungen Wilden" ist der gebürtige Pole Tomasz Ciastko, der aus der schlesischen Pilgerhochburg Tschenstochau in den fränkischen Passionsspielort Sömmersdorf gewechselt ist. Sein Wunsch nach einer eigenen Künstlergruppe scheint in Erfüllung zu gehen, die ersten Mitstreiter hat er in Oberwerrn gefunden. Seine bemalten Holz- und Leuchtobjekte hat er gut sichtbar auf der Bühne drapiert. Darunter ein ganzer Wald aus Kreuzen: wohl auch eine Auseinandersetzung mit den Themen Kirche, Religion, Autorität, die Ciastko mit Blick auf seine alte Heimat Polen kritisch sieht. Die Balken stammen aus einem abgerissenen Sömmersdorfer Fachwerkhaus.
Ein seltenes Hobby hat die Schweinfurterin Lore Elflein-Gerstner: Durch einen Kurs kam sie zum Klöppeln. "Im Grunde ist es wie Weben, nur ohne Maschine", sagt die Volkshochschuldozentin, "man braucht sehr viel Gefühl". Gardinen, Tischdecken, Barock- und Kirchengewänder, Spitzenhäubchen, Tücher: Früher war das feingeklöppelte Tuch in guten Stuben allgegenwärtig.


Hochfiligranes

Elflein-Gerstner zeigt, wie so ein Spitzen-Produkt entsteht: Auf einem Klöppelkissen wird das Garn per Hand miteinander verdreht und gekreuzt, gemäß einem Musterbild, wobei die Fäden von spindelähnlichen Holzklöppeln abgespult werden. Dabei entstehen hochfiligrane Muster und Formen: Schmetterlinge, Vögel, Kreuze, Ornamente, teilweise in Seide. Die edle Handwerkstechnik kostet entsprechend Zeit und Geld.
An die historische Kunst der Kartographie erinnert das Werk von Monika Tinkl: Die Niederwerrner Kinderbuchautorin malt Landkarten der Region um Schweinfurt im "3D-Effekt", mit Dörfern, Höfen, Mühlen, Hügeln, Wäldern, Bächen und dem Main, wobei besondere Sehenswürdigkeiten extra eingezeichnet werden.


Burgställe entdecken

Ihre Landkarten sehen ein bisschen aus wie die schmucken Grundbesitzkarten des Adels, nur dass hier zusätzlich der PC zum Einsatz kommt - und die Schätze Mainfrankens heutzutage allen gehören. Wenn man sie denn findet, wofür eine Karte hilfreich ist. Zu entdecken gäbe es etwa die "Burgställe" der Gegend, Überreste der alten Festen, von denen oft weniger überdauert hat als eine Ruine, wie der Turmstumpf der Wiesenburg von Niederwerrn. Oder Öttershausen, ein wildromantisches, halbverfallenes, verwunschenes, gut verstecktes Schlossgut bei Stammheim, das mitten in den schottischen Highlands aufzuragen scheint.
Alt und Neu trifft auch im Garten des Obbachers Thomas Baum aufeinander. Hier werden verschiedene Metallobjekte als Gartendekoration zeigt. Der letzte Schrei ist Rostkunst. Die in Obbach ausgestellten Objekte reicht vom roten Trompetenengel über korrodierte Lichtsäulen bis hin zur rostrot-getigerten Katze. Mit der Vanitas, der ästhetisch ansprechenden Vergänglichkeit, ist es dabei aber so eine Sache, denn so vergänglich sind moderne Bleche gar nicht mehr. Also hilft Baum chemisch mit Industriebeize nach: "Das Metall natürlich rosten zu lassen, würde viele Jahre dauern." Uwe Eichler


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