Poppenhausen
Auslandspraktikum

Kindern eine Chance geben

Lisa Wirth aus Poppenhausen unterrichtet Deutsch in Namibia.
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Während es hierzulande geradewegs auf den Winter zugeht, würde sich Lisa Wirth über ein bisschen Abkühlung freuen. Die 23-jährige Lehramtsstudentin aus Poppenhausen befindet sich derzeit für ein Praktikum an einer Schule in Otjiwarongo, einer 28 000-Einwohner-Stadt in Namibia. Dort herrschen jetzt über 30 Grad, jeden Tag scheint unerbittlich die Sonne.

"Immerhin sind in den letzten Tagen sechs Millimeter Niederschlag gefallen", beschreibt Wirth ein seltenes Ereignis per E-Mail an die Redaktion. Bis Weihnachten wird die angehende Lehrerin die afrikanische Hitze noch ertragen müssen. So lange gibt sie Deutschunterricht an einer Schule, die mit dem hiesigen Gymnasium vergleichbar ist. Doch seien die Gegensätze zu Deutschland gewaltig, schreibt Wirth.

"Es gibt fast nur Frontalunterricht, und es existiert eine ausgeprägte Hierarchie zwischen Schülern und Lehrern", erzählt die 23-Jährige. So fielen auch die Strafen bei Fehlverhalten deutlich härter aus: "Die Schüler bieten mir sogar an, sie zu schlagen, statt sie ein Gedicht auswendig lernen zu lassen." Auch auf das äußere Erscheinungsbild werde penibel geachtet - Schuhe haben sauber zu sein, Hemden in die Hose gesteckt, Bluse und Haarschnitt müssen sitzen.

Der größte Unterschied zu Deutschland sei aber, dass die Kinder nach Leistung in die Klassen eingeteilt werden und kaum selbstständig seien. So bräuchten sie immer die Anweisungen des Lehrers. Aufgefallen ist Wirth auch ein weit verbreiteter Rassismus - zwischen Farbigen und Weißen, aber auch unter den dunkelhäutigen Kindern wegen unterschiedlicher Stammeszugehörigkeit.

Dennoch gefällt der Poppenhäuserin die Arbeit an der Schule. Sie habe bereits viele interessante Erfahrungen als Lehrerin gemacht, schreibt sie. Wirth studiert im vierten Semester Hauptschul- und Mittelschullehramt in Bamberg. Im Laufe ihres Studiums kamen ihr Zweifel, ob sie diesen Weg weitergehen oder doch etwas völlig Neues anfangen soll. Da flatterte ein Brief ins Haus mit dem Angebot, ein halbes Jahr in Namibia Praktikum zu machen. Wirth ergriff die Gelegenheit und flog Ende Juli in das afrikanische Land.

"Zu Beginn war es sehr schwer für mich, mit den Schulstandards vor Ort klarzukommen, genauso wie mit der Mentalität", schreibt die 23-Jährige. Mittlerweile jedoch genieße sie ihre Zeit in Namibia und komme mit den Schülern gut zurecht. Der Job sei zwar fordernd, doch "man wächst hier definitiv mit seinen Aufgaben".
Die junge Frau hat sich für ihre Zeit in Afrika Ziele gesetzt: "Ich möchte den Menschen hier zeigen, dass man ohne Vorurteile mit allen Menschen umgehen kann - egal welche Hautfarbe sie haben oder welchem Stamm sie angehören." Weiterhin will sie Interesse für die deutsche Sprache wecken.


Es fehlt eigentlich an allem

Dabei geht Wirth sehr engagiert vor. In Namibia seien Schulen nur mit Tafel und Kreide ausgestattet. Darüber hinausgehende Unterrichtsmaterialien müssen Lehrer selbst besorgen. So kaufte die junge Frau Leinwände und Stifte und brachte so den Kindern das Thema Graffitimalerei nahe, das sonst nur durch Texte vermittelt werden würde. Auch bleibt Wirth nach Unterrichtsschluss noch in der Schule, um Nachhilfe in deutscher Grammatik zu geben. "Ich möchte, dass alle nächstes Jahr einen guten Abschluss schreiben."

In der Schule mangelt es an Heften, Stiften, Papier - eigentlich an allem. Manche Regionen seien so arm, dass ausländische Helfer Ernährungsprogramme an den Schulen finanzieren, damit die Kinder wenigstens einmal in der Woche etwas zu essen bekommen. Der jungen Frau ist erst durch die Armut in Afrika der Alltagsluxus zu Hause bewusst geworden. "Wir haben es wirklich gut und sollten uns sehr glücklich schätzen", schreibt sie. Damit die Kinder an ihrer afrikanischen Schule eine Chance für die Zukunft haben, will Wirth die Bildungsmöglichkeiten vor Ort verbessern. Dazu hat sie ein Spendenkonto eingerichtet.

Spendenkonto: Betreff "Namibia-Lisa", BIC: BYLADEM1KSW, IBAN: DE 93 7935 0101 0021 4622 96
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