Bad Kissingen
Aufbrecher

Jugendangebote in Bad Kissingen: Besser als der Ruf?

Laut einer repräsentativen Umfrage ist nahezu jeder Dritte in Bad Kissingen mit den Angeboten für Kinder und Jugendliche nicht zufrieden. "Wir sind besser aufgestellt, als das oftmals wahrgenommen wird", hält die Stadtjugendarbeit dagegen.
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Christina Miller und ihre beiden Töchter Nora und Ella genießen den Aktivspielplatz. Foto: Archiv/Peter Rauch
Christina Miller und ihre beiden Töchter Nora und Ella genießen den Aktivspielplatz. Foto: Archiv/Peter Rauch
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Bad Kissingen ist die Stadt der Alten. Das ist nichts Neues, das sagt der Blick auf die Statistik schon seit langem. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei rund 50 Jahren und damit 6,5 Jahre über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch ist es für Kinder, Jugendliche und deren Familien hier sehr lebenswert, findet David Rybak. Es ist viel geboten. Dass die junge Bevölkerung nicht zu kurz kommt, ist sein Beruf. Rybak ist der städtische Jugend-, Familien- und Sozialreferent. "Wir sind besser aufgestellt, als das oftmals wahrgenommen wird", sagt er.

Freizeit in den Ferien

Bis auf an Weihnachten deckt die Stadtjugendarbeit alle Schulferien mit Freizeitangeboten ab. Von den Spielewochen an Fasching über die Zelttheaterwochen an Pfingsten bis zum sechswöchigen Ferienspass mit Ferienpass im Sommer. Die Angebote richten sich an alle Altersgruppen vom Grundschüler bis zum Auszubildenden. Die Jüngsten werden natürlich auch berücksichtigt. "Wir haben auf allen Veranstaltungen einen Kleinkindbereich", sagt Rybak.

Reichweite und Vielfalt

Er wirft einen Blick in die Statistik: 1262 Kinder hatten sich letztes Jahr bei der Stadt für annähernd 100 Aktionen während der Sommerferien angemeldet. 4500 nutzten das Jugend- und Kulturzentrum, 1900 besuchten den Aktivspielplatz. Allein die Zelttheaterwoche erreicht mittlerweile deutlich mehr als 10 000 Gäste. "Es gibt Familien aus Hamburg oder München, die wegen der Zelttheaterwoche nach Bad Kissingen kommen", sagt Rybak. Andere Freizeitangebote wie Wildpark Klaushof, Freibad, Eishalle und Stadtstrand nicht mit eingerechnet. Dazu kommt noch die breit aufgestellte Jugendarbeit in den Vereinen.

Rybaks Sicht der Dinge wird nicht von jedem geteilt. Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Stadt und Landkreis Bad Kissingen in Zusammenarbeit mit der Saale-Zeitung waren neun Prozent der Befragten aus der Stadt und zehn Prozent der Befragten aus dem restlichen Landkreis der Meinung, dass die Jugendförderung verbesserungswürdig ist. Angebote für Kinder und Jugendliche, beziehungsweise für Familien wurden als mittelmäßig bewertet.

Laut der Umfrage sind mehr Menschen mit den Angeboten für Kinder und Jugendliche unzufrieden, als zufrieden (siehe Grafik). Nahezu jeder Dritte in der Stadt Bad Kissingen bezeichnet das Gebotene als eher oder sehr schlecht, im Umland ist die Zufriedenheit geringfügig besser. Die Angebote für junge Menschen werden interessanterweise insbesondere von Senioren besser bewertet.

Im Gegensatz dazu wird der Landkreis als deutlich familienfreundlicher empfunden. 40 Prozent der Befragten aus dem Umland und 29 Prozent aus der Stadt finden die Angebote für Familien als eher und sehr gut. Die Unzufriedenheit ist im Vergleich zu den Angeboten für Kinder und Jugendliche gerade einmal halb so groß.
Zwischen der in der Umfrage geäußerten Wahrnehmung und der Vielfalt der Angebote " klafft ein Graben", findet Jugendreferent Rybak. Wenn die Jugendarbeit etwa in den Schulen Verbesserungsvorschlägen abfragt, gebe es wenig Rücklauf. Rybak sieht das als Zeichen, dass es um die Angebote insgesamt nicht so schlecht bestellt ist.

Kulturprogramm für Ältere

Eine Erklärung für die unzufriedene Wahrnehmung könnte sein, dass die Angebote für jüngere Menschen in der Masse der Veranstaltungen für ältere Zielgruppen untergehen. Das Staatsbad Bad Kissingen listet dieses Jahr im Kulturprogramm mehr als 1000 Veranstaltungen, darunter 700 Kurkonzerte. Das Programm richtet sich "verstärkt an Gäste mittleren Alters" und an "Stammgäste im Seniorenalter", sagt Pressesprecherin Sandra Schmelz. Mit diesen touristischen Zielgruppen verdient Bad Kissingen sein Geld. Familienbezogene Veranstaltungen werden punktuell angeboten, etwa der Familientag im Rahmen der Summertime und das Familientheater während des Kissinger Winterzaubers.

Auch im Staatsbad Bad Brückenau zählen junge Familien nicht unbedingt zum Hauptklientel. "Es ist schwierig, allen gerecht zu werden", meint Kurdirektorin Andrea Schallenkammer. Man bemühe sich jünger zu werden, ohne das ältere Traditionspublikum zu verlieren. Sie ist der Meinung, dass sich die Ruhe und Natur der Umgebung und junge Gäste nicht ausschließen. Das Staatsbad sei bei jüngeren Familien an Weihnachten und Ostern als Urlaubsort beliebt. Außerdem gebe es Häuser die mit Wellness und Spa ein sehr junges Publikum ansprechen. "Da kommen viele junge Pärchen", sagt sie.




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