Reith
Konzert

Jazz mit einer besonderen Note - Helge Schneider in Reith

Helge Schneider machte mit seiner "Back to the roots-Tour" Station auf der Pioanobühne in Reith.
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Nach einer Pause trat Helge Schneider wieder eine Tournee an, zu deren Auftritten auch die ausverkaufte Pianobühne gehörte.  Foto: Winfried Ehling
Nach einer Pause trat Helge Schneider wieder eine Tournee an, zu deren Auftritten auch die ausverkaufte Pianobühne gehörte. Foto: Winfried Ehling
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"Helge ante portas" war kein Schreckensruf, sondern eher ein Freudenschrei in der Pianobühne. Natürlich kann nur Helge Schneider gemeint sein, Musiker, Entertainer, Regisseur, Schriftsteller, Kabarettist - und was noch alles - mit enormem Bekanntheitsgrad, der von Funk und Fernsehen verwöhnt wird.

Dem Besitzer der Pianobühne, Peter Kleinhenz, gelang es, den Allrounder nach einem Jahr Pause "aus dem Dschungel" zu holen, in dem sich der Künstler - wenn auch nur an der nebligen Ruhr - nach eigenem Bekunden befand. Direkt aus dem Urwald "in eine der schönsten Städte", nämlich nach Oberthulba gekommen, füllte der Nordrhein-Westfale die Pianobühne aus dem Stand bis auf den letzten Platz - und das an einem Mittwoch.


Nur ein paar Witze nebenher

"Oh Helge, wie siehst du so wunderlich aus", mag sich so mancher Besucher gedacht haben, als er den Typen auf der Bühne sah, der kürzlich "die 60" überschritten hatte. Da gab es nur noch eine entfernte Verwandtschaft mit dem rot-blonden, jugendlichen Spring-ins-Feld, den das Plakat am Eingang zeigte. Macht nichts, jeder wird älter. Ob er dann eine weißen Kinnbart, eine getönte Brille und die Haarmatte von einst noch trägt, sei ihm überlassen. Wichtig ist, was der Mann und seine Kumpane, Drummer Willi Ketzer und Bassist Kai Struwe, rüberbringen.

Und das war einiges, zum Beispiel ein satter Jazzsound, quick und soft, den der Pianist mit Verve und Herzblut spielt. Cole Porter, Benny Goodman und George Gershwin gehören zu den bevorzugten Komponisten. Gelegentliche musikalische Anhängsel an diese Werke, wie die "Kalinka", gehören zum Stil von Helge, der selbst über solches lacht.

Nebenher ein paar Witzchen, unter anderem über das Buch seines Mitstreiters, des souverän wirkenden Willi Ketzer, "Im Grab gibt es keine Steckdose". "Ä bissele Schmäh gehört dazu", meint ein Zuhörer, der die hervorragend gespielten Piano-Stücke am liebsten die ganze Nacht hören würde.

"Back to the roots", so der Titel seiner jüngsten Tournee, verleitet natürlich auch zu Erinnerungen an die ersten Jazzkonzerte, die Schneider Backstage miterlebte. Leider habe man ihn damals nicht auf die Bühne gebeten, bedauerte er. Zwischen den Jazz vom Feinsten mischt sich manchmal eine Ballade, "unheimlich langweilig, aber schön", räumt der Künstler ein. Der Graubart hat natürlich auch seine Eigenheiten. Vor dem Konzert probierte er den Flügel aus, dessen Spiel ihm allerdings "keinen Spaß machte".


Ein extra Flügel

Die gesamte Belegschaft durfte antreten, um aus dem üppigen Fundus der Pianobühne ein passendes Instrument auf die Bühne zu bringen, das statt "nur" 2,10 Meter satte 2,80 Meter aufwies.

Der Applaus ist dem Trio bei jedem intonierten Stück sicher - und bei jeder Bemerkung von Helge Schneider, auch wenn sie manchmal "voll daneben liegt".


Erfolgreich reanimiert

Die "Reanimierung" des Ruhr-Pott-Menschen kann nach einem Jahr Pause als überaus gelungen gesehen werden. Wäre ja auch verwunderlich wenn sich der "Katzenklo"-Erfinder mit gerade mal 60 Jahren in den Ruhestand begäbe. Dann wäre er nicht Helge Schneider.


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