Bad Kissingen
Gericht

Hat der Steuerberater ein Erbe veruntreut?

Ein Testamentsvollstrecker aus dem Landkreis Bad Kissingen soll 450 000 Euro in eigene Tasche gesteckt haben
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Viele Jahre betreibt Waldemar F. (Name geändert) seine Steuerberatungskanzlei im Landkreis Bad Kissingen. Nun rücken die wohl schwersten Tage seiner Karriere näher. Am 8. Juni muss er sich wegen Untreue vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Mutmaßlicher Schaden: 450 000 Euro.
Wie Gerichtssprecher Thomas Fenner auf Nachfrage mitteilt, wirft die Staatsanwaltschaft Waldemar F.
vor, Geld aus einem Erbe veruntreut haben, das ihm als Testamentsvollstrecker anvertraut worden war. Er soll die 450 000 Euro auf eigene Konten umgeleitet beziehungsweise bar abgehoben haben.


Überhöhte Rechnungen

Begonnen hätten die Transaktionen im Februar 2013; die letzte erfolgte laut Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft im September 2014. Außerdem soll Waldemar F. für seine Tätigkeit als Testamentsvollstrecker überhöhte Rechnungen gestellt haben. Laut Staatsanwaltschaft bezieht sich das auf den Zeitraum Ende 2012 und 2013.


Drei Verhandlungstage angesetzt

Eine erwiesener Fall "normaler" Veruntreuung kann minimal mit einer Geldstrafe und maximal mit Freiheitsentzug bis zu fünf Jahren geahndet werden. Zu einem möglichen Urteil und dem Strafmaß will der Gerichtssprecher allerdings "keine Prognose abgeben". Eine Transaktion von Waldemar F. könnte sogar einen Fall schwerer Untreue darstellen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er einmal 150 000 Euro vereinnahmt haben. Wird das als schwerer Fall von Untreue gewertet, und so könnte das Strafmaß im Falle einer Verurteilung zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsentzug liegen.Wie und aus welchen Motiven heraus die Veruntreuung zustande kann, kann Thomas Fenner aus den Akten und tabellarischen Aufstellungen nicht ersehen. Das wird im Gerichtssaal zu klären sein. Für den Prozess beim Schweinfurter Landgericht sind ab 8. Juni drei Verhandlungstage angesetzt.
Laut Paragraf 2197 ff des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) kann der Erblasser, also der Verstorbene, vor seinem Tod einen oder mehrere Testamentsvollstrecker zur Verwaltung seines Erbes bestimmen. Er kann die Auswahl auch einem Dritten überlassen. Dafür ist eine beglaubigte Erklärung vor dem Nachlassgericht notwendig.


Volljährig muss man sein

Hat der Erblasser in seinem Testament das Nachlassgericht ersucht, den Vollstrecker zu ernennen, so kann es das tun. Als Testamentsvollstrecker müssen nicht zwangsläufig Rechtsanwälte fungieren. Jeder Volljährige kann diese Aufgabe übertragen bekommen. Die Person sollte aber "geeignet" sein, also jünger als der Erblasser, gesund, geschäftlich erfahren und möglichst ohne eigene Interessen am Erbe. Meistens fungieren als Testamentsvollstrecker Familienmitglieder und enge Freunde.
In Paragraf 2203 BGB steht: "Der Testamentsvollstrecker hat die letztwilligen Verfügungen des Erblassers zur Ausführung zu bringen."
Er hat für die Zeit der Vollstreckung das alleinige Verwaltungsrecht, kann Gegenstände aus dem Nachlass verkaufen und Verbindlichkeiten eingehen, sofern das zur ordnungsgemäßen Verwaltung des Erbes nötig wird. Daran bereichern darf er sich nicht. Eine angemessene Vergütung für seine Tätigkeit darf er sehr wohl verlangen. Vorrangig soll der Vererbende sie in seinem letzten Willen festlegen. Fehlt diese Anordnung, werden Tabellen herangezogen, wonach sich das Honorar prozentual am Bruttowert des Nachlasses orientiert.
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