Bad Kissingen
Demonstration

H&M-Mitarbeiter machen in Bad Kissingen Rabatz

270 Betriebsräte des Textilunternehmens tagen in Bad Kissingen. Sie nutzen den laufenden Tarifstreit im Einzelhandel für einen Protestzug durch die Innenstadt. Sie wollen damit auf die Arbeitsbedingungen in der Branche aufmerksam machen.
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Betriebsräte des Textilunternehmens H&M demonstrierten am Donnerstag für einen gerechteren Lohn im Einzelhandel. Foto: Benedikt Borst
Betriebsräte des Textilunternehmens H&M demonstrierten am Donnerstag für einen gerechteren Lohn im Einzelhandel. Foto: Benedikt Borst
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Bis Freitag tagen 270 Betriebsräte des Textilriesen H&M im Hotel Sonnenhügel. Am Donnerstag haben sie in der Bad Kissinger Fußgängerzone für eine gerechtere Bezahlung, gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und drohende Altersarmut demonstriert. Der harte Preiskampf der Branche um billige Angebote geht zu Lasten der Mitarbeiter, kritisiert Europabetriebsrat Paolo Poggianella.
"Der Wettkampf wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen", ruft er. Poggianella fordert auch andere Beschäftigte im Einzelhandel auf, sich zu solidarisieren und für ihre Rechte auf die Straße zu gehen.

Hintergrund für den Protestzug durch die Fußgängerzone ist der aktuelle Tarifstreit im Einzelhandel. "Wir wollen eine ordentliche Tariferhöhung", sagt Ulrich Dalibor, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei Verdi. Die Gewerkschaft fordert 5,4 Prozent mehr Gehalt, also etwa einen Euro mehr in der Stunde. Die Arbeitgeber hingegen hätten zunächst eine Erhöhung von 22 Cent in der Stunde vorgeschlagen. Verdi lehnt das Angebot ab. "Peanuts", urteilt Dalibor. Dass es in Bad Kissingen keine H&M-Filiale gibt, war für die Demonstranten nebensächlich. "Uns geht es darum, der Öffentlichkeit klar zu machen, wie die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel sind", erklärt der Gewerkschafter. Betroffen sind vor allem Frauen.

Dalibor nennt ein Beispiel: Eine 53-jährige Frau die in 13 Jahren in den Ruhestand gehe und ihr Berufsleben lang ohne Unterbrechung in einem tarifgebundenen Unternehmen gearbeitet habe, bekomme etwas weniger als 1000 Euro Rente im Monat. Selbst diese Summe sei für viele Frauen in unerreichbarer Ferne, weil sie oft in Teilzeit arbeiten und längere Erwerbspausen haben, zum Beispiel wenn sie Kinder kriegen und sich um Angehörige kümmern. "In der aktuellen Situation wird die Branche auf die Altersarmut zugehen", warnt Dalibor.
 
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