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Hammelburg
Buch

Geschichtsbuch zum Hammelburger Stadtjubiläum

Zum Hammelburger Jubiläum gibt ein Sammelband einen Überblick über die vergangenen 200 Jahre. Das Autorenteam hat überraschende Erkenntnisse gewonnen.
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Die Autoren freuen sich auf das Erscheinen ihres Buchs. Foto: Jochen Vogler
Die Autoren freuen sich auf das Erscheinen ihres Buchs. Foto: Jochen Vogler
Muss die Ehrenbürgerschaft von Dr. Ewald in einem neuen Licht gesehen werden? Karl-Heinz Maul will nicht zu viel verraten, er sagt nur: "Die Ehrenbürgerschaft beruht auf Selbstangaben."

Karl-Heinz Maul dagegen hat sich die Quellenlage über den Mediziner, der 1898 nach Amerika auswanderte und nach dem eine Straße in der Stadt benannt ist, angeschaut. Zu welchem Schluss er kommt, kann jeder im Buch "Hammelburg - Stadt mit Geschichte.
Ein Streifzug durch zwei Jahrhunderte" nachlesen.

Der Band beleuchtet die vergangenen 200 Jahre Stadtgeschichte. Die Autoren, Christiane Schmid, Hanns-Helmut Schnebel, Dieter Vogler, Elfriede Dickert, Ilse Stein, Franz-Josef Schneider, Reinhard Beichel, Sam Van Clemen, Karl-Heinz Maul, Cornelia Mence, Roland Hofmann, Jens Martin, Franz Heil, Friedrich Schäfer und Friedbert Heckmann, greifen in ihren Beiträgen einzelne Themen auf. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Weinbau, dem Vereinswesen oder der Zeit des Nationalsozialismus.

Franz-Josef Schneider und Reinhard Beichel zum Beispiel listen in ihrem Artikel die Gastwirtschaften auf, die es im Laufe der Vergangenheit in der Stadt gab. Auf fast 80 kommen sie dabei. Franz-Josef Schneider führt aus: "Wir versuchten auch herauszufinden, wo die Gastwirtschaften genau standen. Das ist nicht ganz einfach, weil sich nach dem Stadtbrand von 1854 die Hausnummern änderten."

Der Band will bewusst keine Chronik sein, sondern ein Geschichtsbuch "von Bürgern für Bürger". "Jeder hat aus Liebe zur Heimat daran mitgearbeitet", sagt Friedrich Schäfer. Dennoch erfüllen alle Beiträge einen wissenschaftlichen Mindeststandard, was den Umgang mit Quellen angeht.

Die Idee zu dem Buch entstand bereits vor drei Jahren. "Wir wussten, dass das Jubiläum kommt und wir was machen müssen", erklärt Elfriede Böck vom Kulturamt. Doch der eigentliche Auslöser war die Erkenntnis, dass es Quellen gibt, die noch keiner kennt, wie Christiane Schmid ergänzt. Per Aufruf wurden Autoren gesucht. Das Team traf sich dann immer wieder, um die Themen, die Recherchearbeit und später die fertigen Texte zu besprechen. Christiane Schmid war der Motor, meint Böck.

Jeder, der über die Hammelburger Geschichte forscht, begegnet einem großen Problem: Der Stadtbrand von 1854 zerstörte ältere Dokumente. Und was später nach Würzburg ausgelagert wurde, ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Daher beschränkt sich das Buch auf das 19. und 20. Jahrhundert. Es ist auch eine Zeitspanne, zu der Leser einen Bezug aufbauen können, wie Jens Martin meint.

Er hat sich mit dem Stadtbrand befasst. "Das wurde noch nie umfassend gemacht, was mich erstaunte", sagt Jens Martin. Er fand im Stadtarchiv eine Ansicht der Viehmarkt-Kirche, deren Überbleibsel das Feuer endgültig zerstörte. "Das Stadtarchiv sollte man nicht unterschätzen. Das ist eines der Ergebnisse unserer Arbeit." Die Geschichtsinteressierten nutzten außerdem das Staatsarchiv in Würzburg und alte Zeitungen.

Allen Themen konnten die Autoren nicht nachgehen. Ihre Artikel regen zu weiteren Überlegungen an. "Was wäre aus Hammelburg geworden, wenn es in den 1950er Jahren tatsächlich zu der angedachten Industrieansiedlung gekommen wäre?", nennt Jens Martin eine unbeantwortete Frage. Stoff genug für einen zweiten Band. Den können sich die Autoren irgendwann mal durchaus vorstellen.

Jetzt warten sie erst einmal auf das Erscheinen ihres fast 330 Seiten starken Werks. Die 300 Exemplare der Auflage sind bereits gedruckt und liegen beim Buchbinder. Am Donnerstag, 7. April, wird das Buch um 19 Uhr in der Stadtbibliothek offiziell vorgestellt. Schon allein der Einband wird es zu einem auffälligen Werk machen.