Bad Kissingen
Sanierung

Terrassenbad-Debatte sorgt für Wirbel

Der Finanzausschuss erwägt aus Kostengründen, das Aktionsbecken stillzulegen. Der Vorschlag sorgt für eine kontroverse Diskussion. (Mit Pro & Contra)
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Für den Betrieb des Terrassenschwimmbades rechnet die Kämmerei nächstes Jahr mit einem Defizit von 720 000 Euro.  Foto: Benedikt Borst/Archiv
Für den Betrieb des Terrassenschwimmbades rechnet die Kämmerei nächstes Jahr mit einem Defizit von 720 000 Euro. Foto: Benedikt Borst/Archiv
An der anstehenden Freibadsanierung scheiden sich die Geister. Streitpunkt ist die Frage, ob es das Aktionsbecken im Bad Kissinger Terrassenschwimmbad braucht oder nicht. Der Finanzausschuss hatte während der Haushaltsdebatte vorige Woche die Sanierung des Aktionsbeckens in Frage gestellt. Das Becken solle aufgelassen und der Bereich zu einer Liegefläche umgestaltet werden. Der Verzicht würde der Stadt im ersten Sanierungsabschnitt 320 000 Euro einsparen. Die Kosten für Nichtschwimmer- und Kinderplanschbecken würden dann bei rund 2,27 anstelle von 2,59 Millionen Euro liegen.

Nicht nur im Stadtrat wird das Thema kontrovers diskutiert, sondern auch von Lesern auf der Facebook-Seite der Saale-Zeitung (siehe unten). Die Kritiker bemängeln, dass das Terrassenbad ohne Aktionsbecken an Attraktivität verliert. Immer wieder vorgebracht wird außerdem die Generalsanierung des Rosengartens mit Springbrunnen für rund drei Millionen Euro, wobei rund 1,5 Millionen vom Freistaat gefördert wurden. Grundtenor: Für Touristen und Gäste investiert die Stadt viel Geld, während sie an der Infrastruktur für die eigenen Bürger spart. "Die Kinder und Jugendlichen werden in Bad Kissingen immer vergessen", schreibt beispielsweise Gerald A.

Der Sparvorschlag findet allerdings auch Befürworter. Eine Leserin teilt die Ansicht, dass das Aktionsbecken von Besuchern schlecht angenommen wird. Für den Verzicht werden die rückläufigen Besucherzahlen und das hohe Defizit der Freibades angeführt (für 2017 plant die Kämmerei mit einem Minus von 720 000 Euro).
Laut Stadt lässt sich schwer beziffern, wie hoch die Einsparungen durch die entfallenden Betriebskosten sind. Das Aktionsbecken wird vom Nichtschwimmerbecken gespeist, weshalb keine gesonderten Zahlen vorliegen. Maik Schmeller vom Gebäudemanagement schätzt, dass die Energie- und Heizkosten für den Bereich jährlich zwischen 3000 und 3500 Euro liegen.


Reaktionen auf der Facebook-Seite der Saale-Zeitung zur Diskussion um die Freibadsanierung

"Marcell H." : " Einen Springbrunnen für 3 Millionen Euro sanieren und modernisieren und dann beim Schwimmbad sparen. So wird Bad Kissingen noch mehr Kunden an das Schwimmbad in Bad Neustadt verlieren."

"Lajos L. M." : "Ja, na, das ist doch klar. Alles, was das Angebot unserer Kinder und der Jugend angeht hier in Bad Kissingen, ist entbehrlich. Vielleicht sollte man noch ein paar tausend oder gleich Millionen von Euros in den Rosengarten stecken oder was sonst noch ach so wichtig ist! Oder noch besser, man macht aus dem Freibad ein Seniorenbad mit einem großen Schild: "Planschen und Spaß haben verboten"."

"Gerald A." : "Ich schließe mich den beiden oben genannten Kommentaren zu 100 Prozent an. Die Kinder und Jugendlichen werden immer vergessen. Schon traurig. Man sollte mehr in Freizeitgestaltungen für Jugendliche und Kinder in Kissingen investieren,oder besteht Kissingen nur aus Bürgern ab 60? Sehr schade."

"Antje W." : "Da soll wohl am falschen Ende gespart werden."

"Denny H." : "Der Springbrunnen gehört dann wohl zu den Pflichtaufgaben der Kommunen?"

"Helena M." : "Hauptsache so einen Springbrunnen, den keiner braucht! Aber für die Jugend oder die Kinder allgemein etwas sanieren, da wird ewig diskutiert. Traurig! Vielleicht Mal woanders einsparen und nicht am Freibad! Was gibt es denn in Kissingen für junge Leute? Kaum noch was!"

"Conny D.": "Das Problem ist, dass kaum noch jemand ins Schwimmbad geht. Wo waren die Familien bei 30 Grad? Habe ein Foto gemacht von leeren Becken. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn irgendwann die Bäder zu machen. Und dieses Aktionsbecken wurde schon vor 15 Jahren nicht richtig genutzt und jetzt erst recht nicht. Ich fände es toll, wenn dort eine Spielfläche für die Kinder entstehen würde, denn der Spielbereich, der vorhanden ist, ist ein Witz. Das ersparte Geld könnte man auch dafür verwenden, die vorhandenen und ordentlich sanierten Becken wieder um ein bis zwei Grad wärmer zu machen."

"Denise K." : "Wahnsinn, wie viele Leute hier kommentieren, die gar keine Ahnung haben. Warum geht denn kaum einer ins Freibad? Wo sind denn Motzer im Sommer? Und bitte wie viele Millionen hat der Freistaat bei der Sanierung des Brunnens bezahlt?!"

"Tina Z." : "Alle sind sie wieder am meckern, aber im Sommer geht keiner rein. Wer soll die Kosten tragen? In Hammelburg wurde damals auch ein Becken weg gemacht. Ist zwar schade für die Schwimmer gewesen, aber es wurden dadurch einfach die laufenden Kosten gespart. Und es wurde eine wunderschöne Anlage für die Kleinen errichtet."

"Oliver D. F." : "Tja, wenn man wie früher bis 20 Uhr offen gelassen hätte, würden vielleicht auch nach der Arbeit noch paar Berufstätige unter der Woche die Gunst noch nutzen. Aber um 19 Uhr dicht machen und sich dann wundern, ist wieder typisch deutsch!"



Pro: Für attraktives Terrassenbad

von Benedikt Borst
W as spart die Stadt, wenn sie auf das Aktionsbecken verzichtet? Klar, 320 000 Euro Investitionen. Und was ist mit den Betriebskosten? Sinkt das Defizit, nur weil es das kleine Becken nicht mehr gibt? Jahr für Jahr fährt das Freibad riesige Verluste ein. Das liegt nicht nur an den Betriebskosten, sondern auch daran, dass weniger Besucher kommen. Um wieder mehr Gäste anzulocken, darf an einer der schönsten Anlagen Deutschlands nicht gespart werden. Im Gegenteil: Es braucht Investitionen für Neues oben drauf. Lässt der Haushalt das nicht zu, sollte wenigstens der Bestand erhalten bleiben.


Contra: Irgendwo muss gespart werden

von Ralf Ruppert
Klotzen statt kleckern. So lautet die Devise beim Bad Kissinger Terrassenbad. Aber muss es wirklich immer die große Lösung sein? Stirbt der Charme der Anlage, wenn eines von fünf Becken wegfällt? Natürlich nicht! Welches Freibad weit und breit hat schon so viel Wasserfläche? Weitläufige Liegewiesen, Weizen-Turm, Sehen und Gesehen-Werden: Wer im Sommer ins Freibad geht, macht das nicht von einem Aktionsbecken abhängig. Da lässt sich - jetzt einmalig sowie auf Dauer bei Pflege und Unterhalt - jede Menge Geld sparen, ohne dass ein Besucher weniger kommt!
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