Garitz
Interview

Fasching in Franken: Dann klatschen, wenn man will

Florian Keßler, Stadtrat und Karnevalist aus Garitz, kennt die Fastnacht in Franken aus allen Winkeln: Als Zuschauer im Saal. am Fernseher und als Elferrat.
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Florian Keßler (rechts) hat den Veitshöchheimer Faschingskult schon im Publikum, als Elferrat und daheim am Fernseher erlebt.  Foto: Silvia Gralla
Florian Keßler (rechts) hat den Veitshöchheimer Faschingskult schon im Publikum, als Elferrat und daheim am Fernseher erlebt. Foto: Silvia Gralla
In Köln brauchen sie drei für ein karnevalistisches Dreigestirn. In Kissingen reicht dafür Florian Keßler. Der Karnevalist aus dem Königreich Garitz kennt die Fastnacht in Franken aus drei Blickwinkeln. Als Garitzer ist er zudem der geborene Experte für die Frage, welcher der inzwischen elf Veitshöchheimer Gesänge von Michl Müller der beste ist.

Sie haben die Fastnacht in Franken bereits aus drei Perspektiven erlebt: Am Fernsehschirm, als Elferrat auf der Bühne in Veitshöchheim und jetzt als Teil des Saalpublikums bei der Generalprobe. Was sind die Unterschiede?
Florian Keßler Am entspanntesten ist es auf der Couch. Die Stimmung kriegt man als Zuschauer vor Ort besser mit. Als Elferrat ist die Kamera auf einen gerichtet, da ist man natürlich angespannt. Da kommt es dann schon mal zu einem Texthänger, wie bei der Generalprobe. Als Gast kann man außerdem klatschen, wenn man will. Als Elferrat muss man immer klatschen.

Als Elferrat sind Sie ja auch Teil der Inszenierung.
Genau, die Elferräte mussten sich jetzt einmal das Konterfei von einer bestimmten Person vors Gesicht halten und waren so Teil der Inszenierung. Zum Schluss muss der Elferrat auch die Konfettikanone betätigen. Bei der Generalprobe habe ich mich übrigens sehr gefreut, dass mich Künstler als ehemaligen Elferrat angesprochen haben, 'Schön dass Du da bist', obwohl ich ja inzwischen nicht mehr Teil der Aktion bin.

Wie oft saßen Sie als Elferrat auf der Bühne?
Von 2010 bis 2015 also sechsmal.

Wie kamen Sie zu der Ehre?
Früher war es so: Jeder Aktive durfte einen Elferrat aus seinem Verein mitbringen. Das waren bei uns vom BTC 2007 Christian Rüth und 2009 Benedikt Rüth. Dazwischen war keiner von uns. 2010 hatte im Verein keiner Zeit und da haben sie eben mich gefragt. Im Jahr darauf hieß es dann, Du warst letztes Jahr schon dabei, deshalb gehst Du jetzt wieder hin. Und so ging das sechs Jahre lang.

Und warum gehören Sie bei der Fastnacht in Franken jetzt wieder zu den Normalsterblichen?
Letztes Jahr hat das Fastnachtspräsidium beschlossen, dass man als Elferrat im Fastnachtskomitee aktiv sein und einen Posten im Verband haben muss.

Was empfanden Sie jetzt bei der Jubiläumssitzung als Höhepunkte?
Ich fand, es war eine sehr gelungene Veranstaltung. Es wurde zwar 20 Minuten überzogen, aber das stört das Publikum ja nicht. Ein Höhepunkt war für mich der Wortakrobat Oliver Tissot. Bei dem muss man wirklich genau zuhören. Da war's auch ganz still im Saal. Er stammt aus dem evangelischen Nürnberg und ist im Lutherjahr im Lutherkostüm aufgetreten. Sehr positiv überrascht hat mich Matthias Walz aus Karlstadt. Der sang sehr treffende Lieder, zum Beispiel über den gegelten Generalsekretär. Sein Komplettpaket finde ich sehr gelungen. Sehr positiv war natürlich auch, dass ich den Michl Müller nach vielen Auftritten mal wieder von vorne gesehen habe.

Über Michl Müller müssen wir gesondert reden. Was sagt der Garitzer Florian Keßler über den Auftritt des Dreggsaggs aus Garitz?
Die Rede kannte ich schon, die habe ich beim BTC schon zweimal gehört. Aber es war eben das erste Mal seit Jahren, dass ich die Mimik und Gestik bei ihm mitbekam. Das ist wichtig bei ihm. Denn er spielt sehr gerne mit seinem Gesicht. Als Elferrat in Garitz habe ich ihn immer nur von hinten gesehen und als Elferrat in Veitshöchheim nur von der Seite.

Wie ordnen Sie Michl Müllers aktuelles Lied in die Top Ten seiner Veitshöchheimer Gesänge ein?
Meine drei Favoriten sind Heringsdösle, Fleischereifachverkäuferin und Sex ist nicht alles, das ja Seehofer so gefallen hat. Das neue, Rock'n Rhöner, ist ein stimmungsvolles Lied. Er hat in der Generalprobe Standing Ovations dafür bekommen. Mitgesungen hat das Publikum vorher aber nicht so.

Und sonst?
Die Parodis hatten ihren letzten Auftritt und sind mit tosendem Applaus verabschiedet worden. Also den Applaus gab's nicht für den Abschied, sondern für ihre Leistungen. Emotional war bei der Generalprobe, dass der Aufnahmeleiter in den Ruhestand verabschiedet wurde. Und Sie als Oberpfälzer werden das bestätigen, die Oberpfälzer waren wieder Spitze. In diesem Sinne: Tümpel Durst und Helau!

Das Gespräch führte Siegfried Farkas.
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