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Bürgerinitiative gegen den Nationalpark Rhön

Land- und Forstwirte, Waldbesitzer und Sägewerksunternehmer sind dabei, eine Bürgerinitiative zu gründen.
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Erwin Kruczek, Reinhard Landgraf, Wolfram Vorndran, Edgar Thomas und Rolf Herdt unterstützen die Idee für eine Bürgerinitiative.  Foto: Arkadius Guzy
Erwin Kruczek, Reinhard Landgraf, Wolfram Vorndran, Edgar Thomas und Rolf Herdt unterstützen die Idee für eine Bürgerinitiative. Foto: Arkadius Guzy
Der Widerstand gegen einen Nationalpark in der Rhön verfestigt sich. Eine Bürgerinitiative (BI) "Gemeinsam stark - unsere Rhön" formiert sich. Nach einem ersten Treffen von Land- und Forstwirten, Unternehmern, Waldbesitzern und Jägern stellte der Unterstützerkreis seine Absichten bei einem Pressegespräch vor.

Auf Initiative von Edgar Thomas, Kreisobmann des Bauernverbands Bad Kissingen, hatten sich Ende April mehr als 40 Interessenten eingefunden. Aus der lockeren Runde Gleichgesinnter soll sich in zwei bis drei Wochen ein Verein bilden. Die Vorarbeiten an Satzung, Struktur und Zusammensetzung laufen bereits, wie Erwin Kruczek erklärte.

Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Hohenroth und frühere forstliche Berater der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld ist vorläufig Sprecher der Bürgerinitiative. "Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass wird einen Nationalpark Rhön für keine gute Idee halten", sagte er. Die BI wolle jedoch keinen Krawall machen, wie es bei einem solchen Thema häufig der Fall sei. Sie wolle die Bürger sachlich informieren. "Denn die Informationen lassen zu wünschen übrig", betonte Kruczek. "Wir müssen eine Plattform schaffen, über die Bürger Informationen erhalten."

Nach Ansicht der BI verkauft das bayerische Umweltministerium die Nationalpark-Idee viel zu positiv. Dem hielten Kruczek und Thomas sowie Wolfram Vorndran, Geschäftsführer der Philipp Vorndran Holzwerke in Oberleichtersbach, Schwarzwildberater Reinhard Landgraf und Schäfer Rolf Herdt beim Pressegespräch ihre Sicht entgegen.

Sie alle sehen die Rhön als gänzlich ungeeignet für einen Nationalpark, da der Naturraum unzusammenhängend und zerschnitten wäre. Zwar gebe es in der Rhön 50 Prozent Laubwald, aber darunter sei nur 30 Prozent Buche. Kruczek folgerte daraus: "Bei der Rhön geht es gar nicht mehr um das ursprüngliche Schutzziel." Vielmehr müsse die Rhön jetzt einfach für den Nationalpark herhalten, weil es im Steigerwald und im Spessart nicht gelinge.

Die BI unterlegte ihre Ablehnung mit Zahlen. So würden zum Beispiel laut Kruczek 60 000 bis 70 000 Festmeter Holz jährlich fehlen, wenn der Wald aus der Bewirtschaftung herausfiele. "Dabei steuern wir schon jetzt auf eine Deckungslücke beim Holzbedarf zu", meinte der BI-Sprecher.

So äußerte sich Vorndran besorgt über die Zukunft der holzverarbeitenden Unternehmen in der Region. Sein Betrieb beziehe mindestens 30 Prozent des Holzes aus den betroffenen Wäldern. Die kurzen Transportwege waren für Vorndran dabei nur eines der Argument für die Nutzung der heimischen Wälder.

Diese würden schließlich auch nachhaltig bewirtschaftet und gut gepflegt. Und der Wirtschaftswald biete mehr Arten einen Lebensraum.

Den unzusammenhängenden, zerschnittenen Naturraum mit vielen Außengrenzen als Folge sah Reinhard Landgraf als problematisch für die Jagd und die Kontrolle der Wildpopulation. Denn es müssten viele angrenzende Flächen einbezogen werden. Die BI spricht sich gegen ein Wildtiermanagement aus. Sie fordert, dass die Regulierung der Jagd in den Händen der bisher Verantwortlichen bleibt.

Ein ganz spezielles Tier macht Rolf Herdt Sorgen: der Wolf. Dieser hätte in einem Nationalpark genügend Rückzugsräume. Das wäre dann das "Ende der Schafhaltung" in der Rhön, die eigentlich "ein Schafsland" sei.
Die Landwirtschaft sorgt sich ebenfalls um die Kulturlandschaft, wie Thomas erklärte. Er befürchtete zudem, dass zur Abrundung des Nationalparkgebiets Flächen aufgekauft werden würden.

Die BI will Gespräche mit den Bürgermeistern, den Landräten der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld und den Abgeordneten suchen. Kruczek meinte: "Es ist eine Debatte, die uns aufgezwungen wird."

Einen Termin für die Vereinsgründung selbst gibt es noch nicht. Die Unterstützer der BI wissen aber, das die Zeit drängt - und dass das Interesse groß ist. Der BI-Sprecher schätzte das Potenzial an Unterstützern, die der Verein gewinnen könnte, auf rund 1000 Personen. Daher war für ihn der Gedanke auch nicht abwegig, die Gründungsversammlung eventuell in der neuen Stadthalle in Bad Neustadt stattfinden zu lassen.
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