Schweinfurt
Gericht

Betrunken einen Schläger beauftragt

Ein Angeworbener erpresst umgehend den Auftraggeber.
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Symbolfoto: FT
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Raue Sitten in der Rhön: Ein 25-Jähriger - schon recht betrunken - klagt in der Kneipe, dass ihm ein Bekannter schon vor längerer Zeit das nagelneue Auto zu Schrott gefahren habe und ihn auf dem Schaden von 27 000 Euro sitzenlasse.


Mal etwas Druck machen

Ein Mittrinker sagt, er kenne einen, der dem Zahlungssäumigen mal etwas Druck machen könnte.
Der Mann (39) - gerade ohnehin in Geldnot - fährt auch gleich herbei und verspricht, gegen 600 Euro den Schuldner zu verprügeln: 300 Euro als Vorkasse, die andere Hälfte nach Vollzug.

Tags drauf taucht der 39-Jährige auf dem Hof und fordert die 300 Euro Anzahlung. Der "Auftraggeber" will dem Schuldner als Nachdruck für seine berechtigte Forderung jetzt doch keine Ohrfeige mehr verpassen lassen - aber der 37-Jährige besteht darauf. Die Frage ist vor Gericht, mit welchen konkreten Drohungen?

Bei der Polizei hatte der 25-Jährige im Juni letzten Jahres, kurz nach dem Vorfall, noch ausgesagt, dass ihn der 39-Jährige bedroht habe, mit Bemerkungen wie, er sei im Kosovo-Krieg gewesen, habe einige Leute umgebracht und könne auch seine Familie umbringen. Der junge Mann besorgt das Geld und gibt es dem Angeklagten. Vor Gericht kann sich der Erpresste nicht mehr an die genauen Äußerungen erinnern.

Tags drauf fordert der Angeklagte die zweiten 300 Euro, obwohl er den "Auftrag" noch gar nicht ausgeführt hatte - plus 150 Euro extra als "Entschädigungsausfall", was immer das sein mag. Er habe damals jeden Cent brauchen können, sagt der Angeklagte und dass es "scheiße" sei, was er gemacht habe. Es kommt später zu einem Telefonat, bei dem der offenbar verängstigte 25-Jährige das Telefon seinem Vater übergibt und in dem der Angeklagte sagt, er wolle den Auftrag unbedingt ausführen und wisse, wo deren Scheune steht. Der 61-Jährige versteht das als Drohung, dass der 39-Jährige das Anwesen abfackeln könnte - und beginnt heftig zu feilschen.


Zeitgleich Polizei gerufen

Zeitgleich wird die Brückenauer Polizei gerufen. Ein Streifenbeamter telefoniert sogar mit dem mutmaßlichen Erpresser. Vor Gericht schätzt er die Drohungen des Angeklagten als nicht ernst gemeint ein.

Die Staatsanwältin sieht ihre Anklage der räuberischen Erpressung als im Wesentlichen bestätigt an. Sie plädiert angesichts vieler Vorstrafen auf zwei Jahre und vier Monate Haft. Der Verteidiger meint, für die einfache Erpressung seien maximal sechs Monate auf Bewährung angemessen. So sieht das auch das Gericht: Eine vollendete und eine versuchte Erpressung sieht der Vorsitzende als erwiesen an.


Neun Monate auf Bewährung

Das Urteil: Neun Monate auf Bewährung. Sein Fazit: Man könnte das Ganze zusammenfassen unter "Avanti Dilettanti - einer besoffen, der andere geldgierig".

Das Erpressungsopfer habe den Ausgangspunkt gesetzt mit der Anstiftung zu einer Straftat. Anspruch auf Zahlung des Geldes als Lohn fürs Verprügeln eines Mannes, habe der Angeklagte dennoch nicht gehabt.
Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich. Der Angeklagte verzichtet noch im Gericht darauf. Stefan Sauer

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