Hammelburg
Immobilien

Bahnhof ist in neuen Händen

Eigentümer Armin Jobst könnte sich ein Brennereimuseum vorstellen, fühlt sich aber von den Behörden ausgebremst.
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Das Gebäude von 1940 steht unter Denkmalschutz.
Das Gebäude von 1940 steht unter Denkmalschutz.
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Bei Armin Jobst herrscht zu Stoßzeiten Leben in der Bude - besser gesagt in der Halle. Was die wenigsten wissen: Jobst hat vor über einem Jahr den Bahnhof gekauft. Weil in der Halle der Kiosk eingemietet ist, lässt er sie zu den Ladenöffnungszeiten für Bahnreisende offen. Kaum jemand ahnt beim Warten auf den Zug, wer eigentlich sein Gastgeber ist.
Beim Umschauen in der Halle mit den Ausmaßen eines Tanzsaales ist zu erahnen, dass wenig bleibt, wie es seit
Jahrzehnten war. Die hintere Tür zu den Gleisen ist abgeschlossen, die Wände sind frisch gestrichen, Bahnsymbole nicht mehr vorhanden. Nur zwei massive Bänke erinnern noch an die bisherige Funktion des Raumes.
"15 Jahre war ich dran", berichtet Jobst von seinen Bemühungen um das Gebäude. So lange ging das Gebäude durch die Hände verschiedener Immobilienfonds. Über den Kaufpreis möchte sich Jobst nicht äußern. "Es war günstig, aber nicht geschenkt", schmunzelt er. Zwischenzeitlich war der Komplex samt 2000 Quadratmetern Grundfläche und Parkplätzen vor dem Haus für 180 000 Euro in einem Immobilienportal aufgetaucht.


Viele Ideen

Ein Preis für den Erwerb ist schon mal der Publikumsverkehr auf dem Grundstück. Ihn sieht Jobst mit gemischten Gefühlen. Da wird winters in der Wartehalle schon mal die Heizung voll aufgedreht. Es bleibt nicht wenig Müll liegen. Gute Gründe hat es, dass die beiden Toiletten längst privat sind. Da dürfen nur noch Kiosk- und Stellwerk-Bedienstete drauf.
Auf jeden Fall sind die Tage der Wartesaal-Öffnung gezählt. Jobst will den Zugang zum Kiosk abtrennen. Auf der anderen Seite der Halle möchte sich seine Frau Petra in einem Atelier für Strickliesel-Kunst entfalten.


Überlegungen für ein Museum

"Ideen habe ich genug", sagt Jobst zu seinen Plänen mit dem stattlichen Denkmal. Allerdings hätten die Behörden seinen Elan schon gebremst. Auf die Bürokratie ist Jobst nicht gut zu sprechen. Dem erfolgreichen Destillateur schwebt unter dem Dach ein Brennereimuseum vor. Schon seit seiner Jugend sammelt er Gerätschaften. Vom Landratsamt sei als Allererstes der Hinweis auf eine fehlende Fluchttreppe gekommen.
Das Denkmalamt sperre sich gegen den Ersatz der 70 Jahre alten, einfachverglasten Holzfensterrahmen durch Kunststoff. Auch bei der Ausführung der Türen ist man nicht überein. "Jeder spricht vom Erhalten, aber die Unterstützung ist mau", bedauert der 55-Jährige. Alleine die Fenster für das Erdgeschoss kosten 55 000 Euro. Die Förderaussichten seien schwammig. Es bestehe allenfalls Aussicht auf 20 Prozent jener Mehrkosten, die traditionelle Baumaterialien mit sich bringen.


Sanierungsbedarf

Dabei warten noch jede Menge andere Arbeiten. Dabei ist Jobst auf das Selbermachen bestens vorbereitet. Schließlich hat er schon fast 30 Jahre als Mieter in der 150 Quadratmeter großen Bahnhofswohnung gewohnt. "Die Bahn hat fast nichts gemacht", erinnert er sich. Instandhaltung war meist seine Sache. Als ein dicker Brocken zeichnet sich der Austausch des Schieferdaches ab. Weil Nägel durchrosten, rutschen immer mal wieder Platten herunter. Auf 300 000 Euro schätzt Jobst die Erneuerung. Langfristig denkt er an einen Ersatz durch erschwingliche Ziegel. Ein historisches Pfund in dem Haus ist das Original-Bahnhofsstellwerk aus der Bauzeit des Bahnhofes. Noch ist die Bahn für den laufenden Betrieb Mieter in jenem Raum mit Gleisblick. Man munkelt, dass Hebel und Schalter in vier bis fünf Jahren der digitalen Streckenbedienung von Gemünden aus weichen.
"Ich bin stolz auf das Haus", bilanziert Jobst seine Neuerwerbung. "Wenn das mit dem Whiskey weiter so boomt, dann habe ich wenigstens Gleisanschluss", witzelt er. Mit massiven Bahnhofsmauern hat er Erfahrung, seit er mit seiner Schwester Gisela schon den ersten Hammelburger Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert nebenan hergerichtet hat.


Konzert im September

Seine Freude über das Gebäude teilt er bei einem Konzert am Mittwoch, 21. September, in der Bahnhofshalle mit dem Publikum. Es wird von Monika Knecht zum 30-jährigen Bestehen ihres Kosmetikstudios organisiert und soll einzige Veranstaltung ihrer Art an diesem Schauplatz sein. Thomas Busse und Julia Domenica treten um 19.30 Uhr im Rahmen ihrer Friedlichen Rebellentour mit Mutmachliedern auf. Wolfgang Dünnebier

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