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Schwarzenfels
Burgruine

Auf der Burgruine Schwarzenfels Feuchtigkeit den Garaus machen

Die Sanierung von Schwarzenfels schreitet voran. Heuer geht es um die Absicherung des Bergfrieds. 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
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Hand angelegt: In der Burgruine Schwarzenfels gehen die Sanierungsarbeiten flott voran. Foto: Anderas Ungermann
Hand angelegt: In der Burgruine Schwarzenfels gehen die Sanierungsarbeiten flott voran. Foto: Anderas Ungermann
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Der Bergfried von Burg Schwarzenfels würde in seinem derzeitigen Zustand wohl kaum einem Angriff standhalten können. Wobei der "Angreifer" in der heutigen Zeit von innen kommt - das Wasser. Da helfen nur noch Sanierungsarbeiten.

Der Bergfried als letztes Schutzmassiv, wenn die Burg belagert wird. Es ist ein Mythos, mit dem Anja Dötsch schnell aufräumt. "Stellen Sie sich mal vor, da kommt der Feind und belagert Ihre Burg.
Wenn Sie sich in den Turm zurückziehen, dann werden Sie halt eben ausgehungert." Der Bergfried sei viel mehr ein Symbol der Macht gewesen. Der weithin sichtbare Turm sei eine Landmarke, mit der signalisiert wurde: "Das ist unser Besitz", sagt die Baudenkmalpflegerin bei der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten Hessen.


Mörtel zersetzt sich

Im aktuellen Zustand würde sich der Bergfried wohl ohnehin nicht als Zufluchtsort eignen. Der Mörtel im Innern begann schon, sich zu zersetzen, weil das Wasser nicht ausdringen konnte, berichten Dötsch und Fachbauleiterin Barbara Heckel-Frei (Planungsbüro ProDenkmal, Bamberg). Statiker sprechen dann davon, dass die innere Standsicherheit nicht mehr gegeben ist. "Es gab schon Baustellen, die wurden abends verlassen und sahen von außen noch gut und stabil aus. Am nächsten Morgen waren die Gebäude eingestürzt", verdeutlichen die beiden. Zur Stabilisierung hat demnach auch der in den 1970er Jahren am Turm verspritzte Zement nicht beigetragen. Im Gegenteil: Er verhinderte erst, dass das Wasser wieder aus den Mauern ausdringen kann.

Deshalb soll künftig weitgehend verhindert werden, dass erst Feuchtigkeit in den Stein gelangt. Auf der Mauerkrone des Bergfrieds wird eine Stahlabdeckung aufgebracht. "Die modernen Elemente, die wir der Burg hinzufügen, sollen klar erkennbar sein", erläutert Anja Dötsch. Die Entscheidung sei dann auf die Stahlkonstruktionen gefallen, und dieses Konzept soll sich künftig durch die gesamte Burganlage zeigen.


Stahlwege und -treppen

In den Räumen, deren frühere Nutzung teilweise noch erahnt werden kann, ist das bereits der Fall. Heller Kies, auf dem einmal die Besucher laufen sollen, ist von anthrazitfarbenem Metall in Verschalungen eingefasst. Stahlwege und -treppen, in deren Geländer die Beleuchtung eingelassen ist, führen durch das Gemäuer - und dies 492 Meter über der Schmalen Sinn. Besondere Fundstücke am Mauerwerk sollen in einem Lapidarium ausgestellt werden.

Ähnliche Konstruktionen aus Stahl, die auf der alten Steinsubstanz - etwa auf Treppenstufen - aufbauen, werden auch am Bergfried zum Einsatz kommen. Die Abdeckung der Mauerkrone beispielsweise, mit denen ein weiteres Eindringen von Wasser in den Sandstein verhindert werden soll. In weiten Teilen wird diese von außen nicht sichtbar sein - abgesehen von jener Seite, die zum Innenhof zeigt. Auch Treppe und Aussichtsplattform waren nicht mehr im besten Zustand. "Das Plateau hätte vielleicht noch zehn bis 15 Jahre gehalten", meinte Fachbauleiterin Heckel-Frey. "Oder aber auch nicht", erwidert Baudenkmalpflegerin Dötsch. Da die 1,5 Millionen Euro teure Sanierung nun schon einmal läuft, werden eben auch die Wendeltreppe und die Plattform, die bislang aus Beton waren, durch Stahlteile ersetzt.


Funde dokumentieren

"In der Mitte wird die Plattform allerdings aus Glas sein, um den Aufstieg zu erhellen", berichtet Dötsch. Der nunmehr ausgehöhlte Turm hat - wie so viele andere Gebäudeteile der Burg - während der Arbeiten viele Geheimnisse preisgegeben. Im unteren Teil des Bergfrieds wurde in einem Raum ein Kamin und weiter oben ein bislang unbekannter Zugang gefunden. "Wegen der großen und tiefen Kuhle im Boden dachten einige schon, hier könnte ein Angstloch gewesen sein", erläutert Dötsch. Belegbar sei dies aber nicht.


Infotafeln geplant

Wichtig sei es auf jeden Fall, alle Funde genau zu dokumentieren. Schließlich soll die Bauhistorie der großen Burganlage auf dem Hopfenberg einmal auf Schautafeln dargestellt werden. Zu erklären gibt es viel: Unterschiedliche Bodenhöhen in den Räumen, scheinbar sinnlose Schießscharten, Putzreste an den Wänden und Fenster, die offenbaren, das eine heutige Innenwand früher wohl eine Außenwand war. "Wann die Tafeln fertiggestellt werden, wissen wir noch nicht", räumt Dötsch ein. Das sei allerdings keine Frage der Finanzen, sondern der Zeit und der Personaldecke. Fenster spielen übrigens im Bergfried in Schwarzenfels, dessen Sanierung auf 500 000 Euro veranschlagt wird, noch eine wichtige Rolle. Wo es möglich ist, sollen die Originalfenster mit ihren Mittelpfeilern erhalten bleiben. Auf jeden Fall würden sie verglast, um das Turminnere vor Witterungseinflüssen und Tieren zu schützen. Andreas Ungermann


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