Schweinfurt
Urteil

Alkoholverbot tut richtig weh

Das Jugendgericht setzt diese erzieherische Maßnahme meist erfolgreich ein. Dann steht die Polizei unangemeldet vor der Tür und macht einen Test.
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Alkoholverbot als erzieherische Maßnahme: Durchzechte Nächte sind tabu, schließlich weiß man nie, wann die Polizei vorbeikommt (ein deutscher Polizist - kein amerikanischer Cop wie in unserem Symbolbild), um die vom Richter angeordnete Alkoholkontrolle vorzunehmen.  Foto: Pavel mir/Thinkstock
Alkoholverbot als erzieherische Maßnahme: Durchzechte Nächte sind tabu, schließlich weiß man nie, wann die Polizei vorbeikommt (ein deutscher Polizist - kein amerikanischer Cop wie in unserem Symbolbild), um die vom Richter angeordnete Alkoholkontrolle vorzunehmen. Foto: Pavel mir/Thinkstock
Den Ernst ihrer Lage haben die beiden kürzlich am Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten jungen Damen erst bei der Urteilsverkündung erfasst. Vor allem das darin enthaltene neunmonatige Alkoholverbot registrierten die 19- und 20-Jährigen mit großer Fassungslosigkeit.
Jugendrichter Michael Roth riet den jungen Damen ausdrücklich zu einem kompletten Alkohol-Verzicht, weil nicht ausgeschlossen sei, dass eine Polizeistreife an einem frühen Sonntagmorgen an der Wohnungstür klingelt - für einen unangemeldeten Alkoholtest.
Im Juli 2016 hatten die beiden Schweinfurterinnen in einer Diskothek ohne Anlass andere Besucher geschubst, geschlagen, getreten und bespuckt. Wie eine Furie habe sich vor allem die 19-Jährige aufgeführt, berichteten Opfer und Zeugen. Der Grund für den ungebührlichen Auftritt war übermäßiger Alkoholkonsum. Die 20-Jährige hatte 1,3, die jüngere Hauptaggressorin sogar beachtliche 1,9 Promille intus.
Vorsitzender Roth steht Tage nach der Verhandlung für ein Gespräch bereit und nimmt vor allem zur Frage Stellung, ob denn ein Richter nicht für solch eine Auflage einen Arzt zu Rate ziehen müsse. Antwort: Nein, muss er nicht. Das sogenannte Screening ist in diesem Zusammenhang die Kontrolle durch die Polizei, ob der Delinquent auch wirklich keine Drogen oder keinen Alkohol mehr getrunken hat.


Kontrolle am Wochenende

Wann greift der Richter zu dieser für die oder den Angeklagte/n harten Auflage? Natürlich nicht gleich bei der ersten kleinen Auffälligkeit, sagt Roth. "Aber wenn ein 14-Jähriger ständig mit Alkohol auffällt, dann muss man dem schon klar machen, dass es auch ein Leben ohne Alkohol gibt". Wie oft greift der Jugendrichter zu der Möglichkeit eines Screenings? Eine Zahl kann Roth nicht nennen, er spricht von einer "übersichtlichen Anzahl". Wenn das Urteil mit der Auflage Alkoholkontrolle gesprochen ist, legt der Richter den "Fall" in die Wiedervorlage. Er bestimmt dann nach einer Wartezeit den Kontrolltermin durch die Polizei.
Meist ist das ein Wochenendtag oder Montag, dann meist früh um 6 oder 7 Uhr, weil eine durchzechte Nacht zu diesem Zeitpunkt sichtbarere Spuren hinterlässt.
Auch der Rhythmus und die Anzahl der Kontrollen sind unterschiedlich. Bei einem Sünder seien fünf Termine angeraten, bei einem anderen reichten zwei Überraschungsbesuche durch die Polizei aus.
Es ergeht immer auch eine Meldung an die Polizei. Warum? Unsere zum Alkoholverbot verdonnerte 19-Jährige könnte sich bei einer Polizeirazzia ja zufällig in der kontrollierten Diskothek aufhalten. Ein Abgleich mit dem Polizeidatennetz weist dann sofort auf das verfügte Alkoholverbot hin. Soll heißen: Es ist wirklich ratsam, sich an die Auflage - kein Alkohol - zu halten.


Die meisten stehen durch

Wie viele scheren sich nicht darum? Es sind nur einige wenige, die das "Risiko eingehen und sich nicht daran halten", sagt der Jugendrichter. Die Erfolge des Screenings nennt er demzufolge "effektiv", die meisten stehen die alkoholfreie Zeit also durch.
Wer dennoch mit Alkohol erwischt wird muss auf jeden Fall mit einem Arrest rechnen, sagt Roth. Einige Tage, eine Woche, möglich sind maximal vier Wochen. Auf diese Konsequenz bei einer Zuwiderhandlung weist Roth am Ende eines jeden Prozesses hin. Aber: Wenn der Jugendrichter bei einem Angeklagten eine Alkoholabhängigkeit erkennt oder eine solche von Sachverständigen attestiert wird, kommt die Auflage eines zeitweisen Alkoholverbots nicht in Frage.
Die 19-Jährige erhielt zusätzlich zu den neun Monaten Alkoholverbot, weil Ersttäterin, 400 Euro Geldbuße und 20 gemeinnützige Arbeitsstunden. Ihre Freundin hatte ein bisschen mehr auf dem Kerbholz und musste einen kurzen Freizeitarrest antreten. Beide wies Roth darauf hin, dass es beim nächsten Mal ein vierwöchiger "Nachdenkprozess" wird.

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