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Bergrheinfeld
Energie

700 Kilometer gegen Südlink

Der hessische Extremsportler Stephan Schulz legte mit dem Fahrrad die 700 Kilometer lange Südlink-Strecke von Wilster bis Bergrheinfeld in zwei Tagen zurück. Dort wurde er herzlich empfangen.
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Am Ziel: Der nordhessische Extremradler Stephan Schulz fuhr in zwei Tagen 700 Kilometer entlang der geplanten Südlink-Trasse von Schleswig-Holstein bis zum Umspannwerk in Bergrheinfeld. Empfangen wurde er am Sonntagabend von der Bergrheinfelder Bürgerinitiative gegen den Südlink.  Foto: Sauer
Am Ziel: Der nordhessische Extremradler Stephan Schulz fuhr in zwei Tagen 700 Kilometer entlang der geplanten Südlink-Trasse von Schleswig-Holstein bis zum Umspannwerk in Bergrheinfeld. Empfangen wurde er am Sonntagabend von der Bergrheinfelder Bürgerinitiative gegen den Südlink. Foto: Sauer

Mit eindreiviertel Stunden Verspätung hat der Extremradsportler Stephan Schulz aus Nordhessen am Sonntagabend zwei Tage nach seinem Start in Wilster/Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) sein Ziel erreicht: das Umspannwerk in Bergrheinfeld-West (Landkreis Schweinfurt), inmitten von Äckern. Rund 700 Kilometer auf dem Fahrradsattel hatte er da hinter sich gebracht, entlang der geplanten Südlink-Trasse, auf der einmal im Rahmen der Energiewende Windpark-Strom vom Norden in den Süden der Republik transportiert werden soll.

"Sinnlos und teuer"

Etwa 50 Bergrheinfelder Südlink-Gegner bereiteten dem 52-Jährigen einen sehr herzlichen Empfang. Neun Orte mit Bürgerinitiativen gegen die Südlink-Pläne in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Thüringen und Bayern hatte Schulz in diesen beiden Tagen angesteuert - ausschließlich im Dienste einer Sache: die Stromautobahn vom Norden nach Süden zu verhindern, die nach Ansicht ihrer Gegner erstens sinnlos und teuer sei und zweitens nichts mit der Energiewende zu tun habe. Sie begünstige lediglich einen niederländischen Staatskonzern.

Umweltfreundlicher Strom könne, so sagten alle Bergrheinfelder BI-Mitglieder um ihren Sprecher Norbert Kolb, auch regional gewonnen und dank innovativer Speicherkapazitäten grundsätzlich vor Ort bleiben und verbraucht werden. Als Beispiel nannten die Aktivisten die "Power-to-Gas"-Technologie, die in Haßfurt im Einsatz sei. Nun steht aber die bayerische Politik hinter dem Südlink. Von dieser Seite können die Gegner kaum mit Unterstützung rechnen. Selbst Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, vormals kein Fan der großen Stromtrassen, sagte Anfang Juni: "Ich sehe die bundesrepublikanische Beschluss-Lage und kann nichts dagegen machen."

100 Meter vom Hof entfernt

Um ihre Position mit einer spektakulären Aktion wieder in die Öffentlichkeit zu bringen, fuhr Schulz nun die geplante 700-Kilometer-Trasse in nur zwei Tagen ab. Er ist Mitbegründer der nordhessischen "Bürgerinitiative - Werra-Meissner gegen Südlink e. V." Dieser wunderschöne Landkreis mit intakter Natur und Tierwelt, mit Kurstädten wie Bad Sooden-Allendorf, werde durch die Kabeltrassen extrem beeinträchtigt. Keine 100 Meter von seinem Hof entfernt sollen sie vorbeiführen. "Das geht gar nicht", erläutert der gelernte Landmaschinenmechaniker auch seinen ganz persönlichen Grund für die zweitägige Extremradlerei vom Norden bis zur Umspannstation in den Bergrheinfelder Äckern, wo der Südlink enden soll.

Am Samstag fuhr Stephan Schulz 380 Kilometer von Schleswig-Holstein bis in seine nordhessische Heimat und am Sonntag den Rest - plus mindestens 25 Kilometer extra. Er und zwei Begleiter waren versehentlich einen überflüssigen Bogen gefahren.

Dass sie weit nach Plan in Bergrheinfeld ankamen, lag aber auch daran, dass sie an den Haltepunkten bei Bürgerinitiativen gegen den Südlink aufgehalten wurden. Und: Das Fernsehen war da, die ARD. Sie wird einen Filmbeitrag über den Protest der Südlink-Gegner senden, und genau das war der Sinn der Schulz'schen Strapaze: Das Anliegen wieder stärker in die öffentliche Wahrnehmung rücken, nebenbei die örtlichen Bürgerinitiativen miteinander vernetzen "und das Wir-Gefühl stärken". Die Bergrheinfelder wollen jedenfalls nicht aufgeben. Stefan Sauer