Bad Kissingen
Projekt

16 spannende Trails und ein Marathon

Seit 2017 ist das neue Mountainbike-Wegenetz für die Rhön in Planung. 16 Kommunen aus dem Landkreis Bad Kissingen machen mit.
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Bald soll es auch für Mountainbike-Fahrer Rundtouren in der Rhön geben.  Foto: Alexander Mengel
Bald soll es auch für Mountainbike-Fahrer Rundtouren in der Rhön geben. Foto: Alexander Mengel

Das Mountainbike-Projekt des Vereins Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön für die beiden Rhön-Landkreise ist weit gediehen. Vor gut 20 Jahren wurden rund 600 Strecken-Kilometer ausgewiesen, die nun auf 1300 erweitert werden sollen. Waren damals eher Tourenfahrten angesagt, sollen künftig Rundtouren im Mittelpunkt stehen. Für den Landkreis Bad Kissingen hat das planende Beratungsbüro "absolutGPS" (Leipzig) inzwischen 16 solcher Mountainbike-Runden und eine Mehrtagestour entwickelt. Die Bestrebung dabei ist es, den Tourismus in der Rhön voranzubringen, aber auch die Mountainbiker auf bestimmte Routen zu lenken, hieß es im jüngsten Wirtschafts- und Umweltausschuss. Denn im Internet fänden diese Outdoor-Sportler inzwischen zahlreiche "wilde" Routen in der Rhön, die sie dann einfach ausprobieren.

Dem will der Naturpark-Verein durch das mit Leadermitteln finanzierte Touren-Netz etwas entgegensetzen, nicht zuletzt auch, um sensible Naturschutz-Bereiche im Biosphärenreservat besser zu schützen, sagte Landrat Thomas Bold. Seit Beginn der Planungen vor zwei Jahren wird der aktuelle Sachstand von Zeit zu Zeit in den beiden Rhön-Landkreisen vorgestellt und diskutiert. Im Landkreis Bad Kissingen ziehen 16 der 26 Kreiskommunen bei den Planungen mit, lautete jetzt das Resümee in der Ausschusssitzung. In vier Gemeinden seien keine geeigneten Rundstrecken vorhanden, zwei Kommunen seien noch unentschlossen. Es gebe aber auch vier Gemeinden, die auf ihrem Hoheitsgebiet keine Mountainbiker haben wollen.

Mountainbiken sei kein trendiger Extremsport, sondern habe sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem Freizeitsport für jedes Alter (Durchschnitt 42 Jahre) - oft sogar für die ganze Familie - entwickelt, sagte Diplom-Forstwirt Andreas Schubert, der im Auftrag von "absolutGPS" die Strecken in der Rhön mit ausarbeitete. Zehn Millionen Deutsche seien inzwischen regelmäßig mit Mountainbikes unterwegs. Zwei- bis dreimal so hoch seien die Zahlen derer, die mit diesen Rädern in die Ferien fahren.

Durch das angestrebte Wege-Konzept für Rhön-Touristen, die mit ihren Mountainbikes kommen, erhoffe sich der Landkreis eine gewisse Wertschöpfung, so der Planer. Andere Regionen seien diesbezüglich bereits einen Schritt voraus. Als Beispiel nannte Schubert den 2014 öffentlich vorgestellten Stoneman Miriquidi, einen 160 Kilometer langen Mountainbike-Trail durchs Erzgebirge, auf dem sich pro Jahr 4000 Mountainbiker entlang bewegen. Die Region habe, laut Schubert, hierdurch eine jährliche Wertschöpfung von 1,2 Millionen Euro errechnet.

"Was wir im Moment haben, ist eher abschreckend", umriss Schubert die aktuelle Situation. Im Internet könnten sich Mountainbike-Freaks für die Rhön zahllose Navigationsempfehlungen per App aufs Smartphone herunterladen. Beispielsweise gebe es allein für den Suchbegriff Wildflecken 254 Tourenvorschläge.

Das für den Landkreis erarbeitete Wegenetz beschreibt 16 Touren, erläuterte der Diplom-Forstwirt. Schwerpunkte sind dabei das Sinntal und die Schwarzen Berge, das Schondratal, sowie das nördliche und südliche Saaletal. Zudem wurde eine 160 Kilometer lange Marathon-Strecke rund um den Kreuzberg ausgearbeitet. Hiermit wolle man zusätzlich solvente Übernachtungsgäste in die Rhön bringen, so Schubert weiter. Auch hier konnte der Planer als zugkräftige touristische Beispiele Marathon-Projekte im Spessart und im Bayerischen Wald aufzählen.

Pro und kontra

Ein paar Kommunalvertreter, Privatwaldbesitzer und Jagdpächter sähen die Kreisplanungen für ein attraktives Tourenangebot an Mountainbike-Touristen weiter kritisch, sagte Schubert. Die Bayerischen Staatsforsten als größter Waldbesitzer Bayerns hätten sich jedoch für die Ausweisung von Mountainbike-Strecken ausgesprochen. Dort vertrete man, nach Angaben des Diplom-Forstwirts, die Ansicht, dass man auf die veränderten Freizeit-Gewohnheiten der Bevölkerung reagieren müsse. Im Ausschuss wurden auch kritische Meinungen von Jägern, Holzrechtlern und Waldbesitzern gestreift - Statements, die in vorausgegangenen Sitzungen bereits ausführlich erläutert worden waren. Kreisrat Gotthard Schlereth brachte die Thematik auf den Punkt: "Wir leben in einer Zeit der Egoismen. Wir müssen es auch bei diesem Projekt hinbekommen, die einzelnen Interessen zu vereinen. Denn wir müssen schließlich gemeinsam in dieser Kulturlandschaft zusammenleben." Der Ausschuss stimmte zu, das Projekt weiterzuführen. Jetzt stehen die Ausweisung der Wege, die Beschilderung und die Vermarktung des Konzepts an. Isolde Krapf



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