Bad Kissingen
Fasching

Nun sind die Narren an der Macht

Die Faschingsgesellschaften haben am Montagabend das Rathaus gestürmt. Doch Bürgermeister und Stadträte gaben den Schlüssel - wie es üblich war - nicht einfach so heraus.
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Rathaussturm geglückt! Bürgermeister Schick und Bürgermeister Leiner übergeben Rathausschlüssel und Stadtkasse an die Narren, unter ihnen die Faschingsprinzessin Tabea I.  Foto: Nathalie Flügel
Rathaussturm geglückt! Bürgermeister Schick und Bürgermeister Leiner übergeben Rathausschlüssel und Stadtkasse an die Narren, unter ihnen die Faschingsprinzessin Tabea I. Foto: Nathalie Flügel

Seit Aschermittwoch verfolgten die Faschingsgesellschaften BTC Garitz und Fidelia Reiterswiesen genau ein Ziel: Die Macht über das Rathaus Bad Kissingen soll allein in ihren Händen liegen - zumindest über die Dauer der 5. Jahreszeit. Was ihnen in den Vorjahren bereits geglückt war, sollte ihnen auch im Jahr 2019 nicht versagt bleiben.

Am 11.11. um 19 Uhr, steuerten die Garitzer und Reiterswiesener Narren und Gardemädels unter Geleitschutz des Bad Kissinger Jugendmusikkorps vom Marktplatz aus das Bad Kissinger Rathaus an. Allen voranschreitend die amtierende Faschingsprinzessin "Ihre Lieblichkeit Tabea I. von Linsenspitz" (Tabea Schönwiesner).

Dort angekommen, wurden sie bereits von Bürgermeister Anton Schick, Bürgermeister Thomas Leiner und den Bad Kissinger Stadträten erwartet. Diese waren für den alljährlichen Rathaussturm gewappnet. Weder den begehrten Rathausschlüssel noch die Stadtkasse wollten sie widerstandslos an die Narren übergeben. Stadträtin Martina Greubel ging auf Nummer sicher und bereitete sich auch optisch auf den Narrensturm vor. Stilsicher und der Mode der 5. Jahreszeit angepasst, versuchte sie, das Kissinger Rathaus im grünen Krokodil-Ganzkörperkostüm zu verteidigen.

Lautstarke Unterstützung

Siegesbewusst begannen die Reiterswiesener Faschingsprinzessin Tabea I. und ihr königliches Gefolge die traditionelle Debatte mit der städtischen Vertretung. Die Narren erhielten lautstarke Unterstützung durch Salutschüsse ihrer Kanoniere.

Nach einer Weile des Wortgefechts formulierte die Prinzessin eine klare Botschaft: "Bürgermeister und Räte verlasst nun dieses Haus, rückt Schlüssel und Kasse ohne Widerstand heraus, tut dir ihr dies, so können wir euch garantieren, wird euch sicherlich nichts passieren, tut ihrs nicht, so rücken wir vor und knallen ein Loch in euer Rathaustor." Davon wollten Schick und Leiner erstmal nichts wissen! "Niemals! Geht nach Hause und lasst uns in Ruh', das Tor vom Rathaus bleibt heut für euch zu!", lautete die prompte Antwort.

Mit einem großem Helau auf den BTC Garitz und die Fidelia Reiterswiesen erteilte Sitzungspräsident Alexander Pusch seinen Kanonieren den finalen Befehl zum Schießen. Die beiden Bad Kissinger Bürgermeister und ihre Stadträte gaben sich nach zwei lauten Geschossen geschlagen und kamen um die Schlüssel- und Kassenübergabe nicht mehr herum. Beides wurde den Narren durch die beiden Stadtoberhäupter überreicht.

Nach der vollzogenen Übergabezeremonie feierten die Faschingsvereine, Elferräte und die Gardetänzerinnen gemeinsam mit den Bürgermeistern und Stadträten den Start in die fröhlichste und verrückteste Zeit überhaupt - die Faschingszeit.

"Der Rathaussturm ist eines der beiden Events, welches die Stadt Bad Kissingen in ihrer Verbundenheit mit den beiden großen Faschingsvereinen, dem BTC Garitz und der Fidelia Reiterswiesen, im Stadtgebiet zeigt. Insofern ist es neben dem bunten Treiben am Faschingsdienstag ein wichtiger Termin im Faschingskalender der Stadt", freute sich 2. Bürgermeister Anton Schick über die jährliche Tradition.

In den Vorjahren empfing Oberbürgermeister Kay Blankenburg die Narren am Rathaustor, dieser war jedoch wegen eines wichtigen Unesco-Termins verhindert.

Der närrische Angriff aufs Rathaus ist ein echtes Stück Faschingskultur. Doch woher kommt eigentlich die Tradition des Rathaus-Sturms?

Der Brauch der Närrinnen und Narren das Rathaus zu übernehmen gilt als ein spätmittelalterlicher Brauch. Er ist angelehnt an die allseits bekannte "Fastnacht", in der einfach alles anders läuft. Wie oder wo diese Tradition ihren Lauf genommen hat, ist nicht bekannt. Allerdings geht man davon aus, dass er sich in den bekannten Karnevalshochburgen wie Köln und Mainz entwickelt hat und sich später über Deutschland ausgebreitet hat. Und damit eröffnet der jährliche Rathaussturm offiziell die Faschingszeit im schönen Bad Kissingen.

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