Nüdlingen
Schule

Nüdlinger Abschluss-Streich läuft aus dem Ruder

Für Aufsehen sorgte am Morgen der offiziellen Verabschiedung der Abschluss-Streich der Neuntklässler.
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Die Gemeinde Nüdlingen ist zwar Sachaufwandsträger der Schlossberg-Schule, aber mit der Genehmigung eines Abschluss-Streiches für die 9. Klasse hat  Bürgermeister Harald Hofmann seine Kompetenz offenbar überschritten.Ralf Ruppert
Die Gemeinde Nüdlingen ist zwar Sachaufwandsträger der Schlossberg-Schule, aber mit der Genehmigung eines Abschluss-Streiches für die 9. Klasse hat Bürgermeister Harald Hofmann seine Kompetenz offenbar überschritten.Ralf Ruppert
Polizei-Streife vor der Schule, Gerüchte in Nüdlingen und Haard: Der letzte Abschluss-Streich der letzten 9. Klasse in der Geschichte der Schlossberg-Schule wird noch lange in Erinnerung bleiben. Nach vielen harmonischen Streichen dieser Art, lief der in der Nacht auf Donnerstag aus Sicht der Schulleitung aus dem Ruder: "Es wurde eine rote Linie überschritten", sagt Schulleiterin Ritta Helfrich. Am Donnerstagmorgen habe sie sogar überlegt, die offizielle Verabschiedung abzusagen. "Man hätte einfach mit uns sprechen können, dann hätte es nicht so einen Wind gegeben", entgegnet Klassen-Elternsprecher Thomas Blaha.

Laut Helfrich haben Schulleitung und Klassenlehrer bereits vor zwei Wochen entschieden, dass "eine lange Tradition gelungener Abschlussstreiche nicht fortgeführt" wird. Helfrich verweist auf "pädagogische Gründe". Was genau vorgefallen ist, wollte sie nicht kommentieren.

Thomas Blaha wird da etwas konkreter: "Es war ein schwieriges Jahr", blickt er zurück. Er selbst sei mehrfach in der Klasse gewesen und habe den Schülern ins Gewissen geredet. Ein Vorwurf lautete, dass die 9. Klasse, die als einzige Mittelschul-Klasse noch im Schulhaus unterrichtet wurde, die Grundschüler drangsalierte. "Es war keine einfache Klasse, aber es kam auch nicht alles von den Neuntklässlern", kommentiert Blaha die Vorfälle in und außerhalb der Schule. Die Eltern hätten bei Sanktionen immer hinter den Lehrern gestanden. Trotzdem wollten sie aber den allerletzten Streich ermöglichen: "Wir haben das mehrfach angesprochen, aber es wurde alles abgeblockt."


Also wandten sich die Eltern an Bürgermeister Harald Hofmann. "Ich habe grünes Licht gegeben und dem Hausmeister gesagt, dass er aufschließen soll", bestätigt dieser. Mit ihm abgesprochen war, dass die Stühle aus allen Klassenzimmern geholt, aufgetürmt und mit Absperrband umwickelt werden. "Das war alles unter Aufsicht der Eltern", stellt Hofmann klar. Nicht abgesprochen war allerdings, dass die Schüler sich einen Generalschlüssel besorgten und auch ins Sekretariat und Direktorat gehen: "Das war eine dumme Idee", sagt Hofmann dazu.

"Das war ein Fehler", gesteht auch Thomas Blaha. "Aber wir waren keine zehn Minuten drin und es wurden wirklich nur Stühle und Tische umgedreht", versichert er, und: "Es wurde nichts kaputt gemacht und wir waren an keinem Schrank."

Hier gibt es Widerspruch von der Schulleitung: Sie sei am Mittwochabend über den Abschlussstreich informiert worden, berichtet Ritta Helfrich. Dass Bürgermeister Harald Hofmann das "genehmigt" habe, liege "eindeutig nicht in dessen Kompetenzbereich". Eigentlich habe sie "gute Miene zum bösen Spiel" machen wollen, betont Helfrich. Vor Ort stellte sie jedoch fest, dass in den Zimmern leere Flaschen am Boden lagen, Klebefolien angebracht, Toilettenpapier verstreut und despektierliche Notizen an die Tafeln geschrieben worden waren. "Es wurde von den Grundschülern und Lehrern erwartet, die Zimmer und Gänge selber wieder in Ordnung zu bringen", bemängelt Helfrich, und: "Zu alledem hatte man sich aber auch Zugang zum Sekretariat und Rektorat verschafft." Bislang sei nicht geklärt, wie die Schüler und zwei Eltern an den Generalschlüssel kamen.

Was Helfrich besonders ärgert: "Die Computer in beiden Räumen waren entstöpselt, auch Schränke waren geöffnet worden." Weil in beiden Zimmern vertrauliche und sensible Daten gespeichert sind, habe sie die Polizei gerufen. "Die EDV-Anlagen von Sekretariat und Rektorat waren längere Zeit nicht funktionstüchtig und mussten von einem Fachmann wieder in Gang gebracht werden", berichtet Helfrich. Die Beteiligten hätten sich zunächst "wenig schuldbewusst" gezeigt, deshalb wurden Schulrat Harald Bötsch und Beamten der Polizei eingeschaltet. Unter anderem, weil nicht alle Schüler den Streich mitmachten und die Planung des Abends schon zu weit fortgeschritten war, habe sie sich entschieden, es bei der Verabschiedung am Abend zu belassen.

"Es war eine schöne Abschlussfeier", ist Elternsprecher Thomas Blaha froh, dass es bei dem Termin blieb. "Ich sehe das entspannt", kann auch Bürgermeister Hofmann im Nachhinein darüber schmunzeln: "Ich bin eben nur Sachaufwandsträger." Vor allem stellt sich die Frage nie wieder: Im kommenden Schuljahr werden alle Nüdlinger Mittelschüler in Münnerstadt unterrichtet, dann gibt es in Nüdlingen nur noch Grundschüler.

Ob der Fall ein juristisches Nachspiel hat, ist noch offen: "Wir haben vorerst nur den Sachverhalt aufgenommen", sagt Stefan Haschke, Leiter der Bad Kissinger Polizei, und: "Wir warten jetzt ab, ob die Schulleitung Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch stellt." Aus seiner Sicht ist offen, ob es "zu strafrechtlichen relevanten Vorfällen gekommen ist".
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