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Bad Kissingen
Bundestagswahl

Noch einmal müssen zwei Kreuzchen gesetzt werden

Am Sonntag sind die Bürger erneut zur Wahl aufgerufen. Alle Fäden im Bundestagswahlkreis laufen im Landratsamt zusammen.
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Deutlich übersichtlicher als bei den Wahlen am vergangenen Sonntag ist der Stimmzettel für die Bundestagswahl am kommenden Wochenende: In der linken Spalte stehen die acht Kandidaten für das Direktmandat im Wahlkreis (Erststimme), in der rechten Spalte die 20 Parteien (Zweitstimme). Foto: Anette Rinneck-Melber
Deutlich übersichtlicher als bei den Wahlen am vergangenen Sonntag ist der Stimmzettel für die Bundestagswahl am kommenden Wochenende: In der linken Spalte stehen die acht Kandidaten für das Direktmandat im Wahlkreis (Erststimme), in der rechten Spalte die 20 Parteien (Zweitstimme). Foto: Anette Rinneck-Melber
Mit Sepp Herberger, dem legendären Trainer der Fußball-Weltmeister von 1954, würde man sagen: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Nachdem am vergangenen Sonntag die Bürger über die Zusammensetzung des bayerischen Landtags und des unterfränkischen Bezirkstags befunden haben, dürfen sie am 22. September entscheiden, wer die Region im Bundestag vertritt. Nach fünf Stimmzetteln am 15. September (zwei für die Landtags-, zwei für die Bezirkstagswahl und einer für fünf Volksentscheide) gibt es am kommenden Sonntag nur einen Stimmzettel.


Drei Landkreise

Mit dem Stimmzettel zur Bundestagswahl bestimmen die Wähler, wer den Wahlkreis vertritt (Erststimme) und welche Partei wie viele Mandate bekommt (Zweitstimme). Um das Direktmandat bewerben sich im Wahlkreis 248 Bad Kissingen acht Erststimmen-Kandidaten (siehe Text unten), um den Einzug in den Bundestag ringen 20 Parteien oder Wählergruppen per Zweitstimme.

Der Wahlkreis Bad Kissingen setzt sich aus den drei Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge zusammen. Er ist einer von 45 Wahlkreisen in Bayern und hatte bei der Bundestagswahl 2009 noch 218.547 Wahlberechtigte. Wie viele es heuer sind, kann Stefan Seufert, Sprecher des Landratsamtes Bad Kissingen nicht sagen. Am vergangenen Sonntag waren es im Landkreis Bad Kissingen jedenfalls 84.062 Stimmberechtigte, bei der Bundestagswahl dürften es etwas mehr sein, weil alle, die in den vergangenen drei Monaten aus anderen Bundesländern zugezogen sind, zwar den Bundestag, aber nicht den Landtag mitwählen dürfen.

In ganz Deutschland gibt es 299 Wahlkreise. Das bedeutet: 299 Bundestagsabgeordnete werden direkt gewählt. Die 299 Sieger in den Wahlkreisen ziehen in das Parlament in Berlin ein. Weitere 299 Abgeordnete werden über die Listen der Parteien und Wählergruppen bestimmt. Macht zusammen 598 Abgeordnete im Bundestag plus mögliche Überhangmandate.


Zentrale in Bad Kissingen

Die Fäden der Bundestagswahl laufen am kommenden Sonntag im Landratsamt Bad Kissingen zusammen. Dort gehen am Wahlabend die Meldungen aus den 572 Stimmbezirken (Bereich eines Wahllokals) in den drei Landkreisen ein. "Für den kommenden Sonntag sind 14 Mitarbeiter eingeteilt", berichtet Seufert. Das sind exakt so viele wie bereits eine Woche zuvor. Stimmkreis-Wahlleiter ist Manfred Gerlach, er und sein Team stellen ab 7.30 Uhr sicher, dass die Wahlhelfer vor Ort rechtliche Fragen klären können, dass am Abend die Schnellmeldungen gesammelt und an den Landeswahlleiter weitergegeben werden.

Sichergestellt sind am Sonntag im Landratsamt auch Hausdienst, Telefon-Vermittlung, EDV-Auswertung und die Information der Medien. Aber: "Die Hauptlast tragen die ehrenamtlichen Wahlhelfer", lobt Seufert vor allem die Arbeit in den Wahllokalen. Auch wenn die Auszählung am Sonntag deutlich schneller gehen dürfte als eine Woche zuvor, als die Wahlhelfer bis weit in die Nacht hinein noch Volksentscheide und Bezirkstag auszählten.

Wer vertritt zukünftig den Wahlkreis Bad Kissingen in Berlin? Wer bekommt das Direktmandat? Eindeutige Favoritin ist die CSU-Politikerin Dorothee Bär aus Ebelsbach. Die 35-Jährige hat seit 2002 einen Sitz im Parlament. Sie ist damals völlig überraschend über die Liste (direkt war der Münnerstadter Eduard Lintner gewählt worden) in den Bundestag berufen worden. Bär profitierte damals von dem überragenden Ergebnis, das die CSU mit ihrem Spitzenkandidaten und Bundeskanzler-Anwärter Edmund Stoiber in Bayern holte.

2005 wurde es für Bär knapp. Bei der Wahl, erneut über die Liste, reichte es zunächst nicht. Weil aber Edmund Stoiber und Günther Beckstein, die die Listenplätze vor der Ebelsbacherin hatten, auf ihr Mandat verzichteten, kam die 35-Jährige zum Zug - und blieb in Berlin.


Haushoch gewonnen

Bei der Wahl 2009 trat Dorothee Bär erstmals als Erststimmen-Kandidatin an. Sie wurde Nachfolgerin von Eduard Lintner, der sich aus dem Bundestag zurückzog. Haushoch gewann Bär das Direktmandat. Die junge Ebelsbacherin setzte sich damals auch gegen Susanne Kastner (SPD) aus Maroldsweisach durch, die seit 1989 dem Bundestag angehört, in diesem Jahr aber aus dem Parlament ausscheidet.

Als ihre Nachfolgerin sieht die langjährige Bundestagsvizepräsidentin die Ärztin Sabine Dittmar aus Maßbach, die aktuell noch dem bayerischen Landtag angehört. Sie hat zwar gegen Bär kaum eine Chance, aber über die Landesliste der SPD dürfte Sabine Dittmar den Einzug in den Bundestag schaffen: Die Ärztin, die als ausgewiesene Gesundheitsexpertin gilt, steht auf Platz zwölf der Sozialdemokraten in Bayern. Bislang hat die bayerische SPD 16 Abgeordnete im Bundestag. Der zwölfte Rang müsste für Dittmar reichen - wenn es keine erdrutschartigen Verschiebungen am kommenden Sonntag gibt.


Grüne müssen zulegen

Zittern muss dagegen der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell aus Hammelburg um sein Mandat. Fell gehört dem Bundestag seit 1998 an, dürfte ebenso wie Dittmar über die Erststimme (Direktmandat) keine Chance haben. Ob es über die Landesliste seiner Partei langt, ist fraglich. Fell, ehemals Lehrer am Gymnasium, steht auf Rang zwölf seiner Partei. Bislang haben die Grünen aus Bayern zehn Abgeordnete in Berlin. Wenn die Wahl also ausgeht wie vor vier Jahren, wäre Fell draußen.

Schwer bis unmöglich wird es für die übrigen fünf Direktbewerber aus dem Wahlkreis. Neben Bär, Dittmar und Fell treten an: der Arzt Erhard Stubenrauch aus Hofheim (FDP), der Werkzeugmacher Stefan Bannert aus Münnerstadt (Linke), der Einzelhandelskaufmann Benjamin Wildenauer aus Bad Brückenau (Piraten), Schreiner-Rentner Horst Fuchs aus Burgpreppach (NPD) und die Künstlerin Christine Wehe aus Bad Königshofen (Freie Wähler). Die Freien Wähler sind erstmals bei einer Bundestagswahl dabei.
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