Bad Bocklet
Hilfestellung

Niemand sollte allein sterben

Der Malteser-Hilfsdienst sendete neue Hospizbegleiter aus. Wir sprachen mit einigen von ihnen über ihre Beweggründe für diese Ausbildung.
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Heinrich Jahn aus Hofheim wurde in feierlicher Zeremonie von Hospizdienst-Koordinatorin Kerstin Schug (links), Diözesanoberin Martina Mirus und Kursleiterin Theresia Merz als neuer ehrenamtlicher Hospizbegleiter im Malteser-Hilfsdienst begrüßt.Sigismund von Dobschütz
Heinrich Jahn aus Hofheim wurde in feierlicher Zeremonie von Hospizdienst-Koordinatorin Kerstin Schug (links), Diözesanoberin Martina Mirus und Kursleiterin Theresia Merz als neuer ehrenamtlicher Hospizbegleiter im Malteser-Hilfsdienst begrüßt.Sigismund von Dobschütz
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In einem Festgottesdienst in der Bad Bockleter Laurentiuskirche mit anschließender Aussendungszeremonie begrüßte Diözesanoberin Martina Mirus im Namen des Malteser-Hilfsdienstes (Schweinfurt) am Sonntag 16 Ehrenamtliche aus vier Landkreisen als neue Hospizbegleiter. Erste praktische Einsatzerfahrungen in der Begleitung von Sterbenden hatten sie alle schon während des neun Monate dauernden Vorbereitungskurses gesammelt.

Seit 1991 gibt es im Zuständigkeitsbereich der Diözese Würzburg den Hospizdienst als Abteilung des Malteser-Hilfsdienstes. Die Dienststelle Schweinfurt ist für die vier Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Haßberge verantwortlich und organisiert jährlich zwei Kurse zur Aufnahme ehrenamtlicher Hospizbegleiter. "Momentan haben wir 150 Ehrenamtliche für die Begleitung Sterbender", informiert Kerstin Schug als Koordinatorin des Malteser-Hospizdienstes.

Zu den 16 neuen Hospizbegleitern gehören auch fünf Herren. Einer von ihnen ist Heinrich Jahn aus Hofheim im Landkreis Haßberge. Der 63-jährige Frührentner ist schon mehrmals dem Tod begegnet, erzählt er aus eigenem Leben. Erst vor wenigen Jahren starben seine Schwiegereltern im Abstand von nur zwei Jahren. Sie wurden damals von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Malteser-Hospizdienstes bis zur letzten Stunde begleitet. "Das empfand ich als sehr hilfreich und angenehm." Deshalb wollte Jahn nun selbst Hospizbegleiter werden und meldete sich zu einem Vorbereitungskurs an.

Einer dieser zwei diesjährigen Kurse lief seit Januar abwechselnd in Oberthulba und Bad Bocklet. Vorbereitungskurse sind in Gesprächs- und Vortragsnachmittage während der Woche sowie Wochenendseminare mit Übernachtung gegliedert, die zur Aufarbeitung eigener Erfahrungen wichtig sind. Die Nachmittage beschäftigen sich einerseits mit sachlichen Themen wie "Ganzheitlich sterben - was ist das?", Palliativpflegerische und -medizinische Versorgung am Lebensende oder mit der Patientenverfügung. Es geht aber auch um die Gesprächsführung mit Sterbenden und den Umgang mit der Wahrheit, um Trauer und Trost. Wichtig ist zudem das Erlernen der Helferrolle und Helferhaltung und der Umgang mit Angehörigen.

Eigenen Weg aufgezeigt

Trotz seiner eigenen Erfahrungen mit Sterben und Tod hat dieser Kurs bei Heinrich Jahn "in meiner Gefühlswelt Ordnung geschaffen und mir den weiteren Weg gezeigt". Für ihn gehört Sterben und Tod ohnehin zum Leben, weshalb er keine Angst davor hat. "Ängste sind nicht nötig", meint der 63-Jährige. "Man muss loslassen können, denn ab einem gewissen Zeitpunkt will das Leben gehen."

Auch Ulrike Faust aus Hammelburg-Obereschenbach hat keine Angst vor dem Tod. Bevor sie vor wenigen Jahren als medizinische Fachangestellte in eine Hammelburger Arztpraxis wechselte, arbeitete sie zwölf Jahre bei der Caritas in der Altenpflege. Im vergangenen Jahr starb ihr Vater, der über viele Jahre ein Pflegefall war. Als der Tod sich ankündigte, war Theresia Merz als ehrenamtliche Hospizbegleiterin zur Stelle, ihre jetzige Kursleiterin. "Ich war ihr sehr dankbar dafür", gesteht Faust, weshalb sie sich danach zum Vorbereitungskurs anmeldete. Der Wunsch, Hospizbegleiterin zu werden, war allerdings schon in ihren Berufsjahren in der Altenpflege gereift, wo sie bald erkannt hatte: "Viele Menschen sterben allein." Deshalb ersetzt oder unterstützt der Malteser-Hospizdienst die Angehörigen, "weil Nähe zählt", wie das Vereinsmotto der Malteser lautet.

Trotz ihrer Erlebnisse und Erfahrungen hat Ulrike Faust im Kurs viel Neues erfahren können. "Man lernt sich selbst besser kennen und man lernt, mit den Themen Sterben und Tod offen umzugehen." Während der neunmonatigen Kursdauer werden die Teilnehmer als Praktikanten bereits im Hospizdienst eingesetzt. "Es ist leichter, bei Fremden am Bett zu sitzen", weiß Faust seit dem Tod ihres eigenen Vaters. "Ich habe meine Entscheidung für den Hospizdienst nicht bereut."

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