Oberleichtersbach
Mobilfunk

Neuer Mobilfunk-Mast auf dem Dreistelz-Gipfel

Ein neuer Mobilfunk-Mast auf dem Dreistelz ersetzt nicht nur den bisherigen, sondern soll auch den Behördenfunk für die Region voran bringen. Die Gemeinde Oberleichtersbach lässt die Strahlung der jetzigen Antennen dokumentieren, um einen Vergleich zu haben.
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Am Freitag wurden die letzten Teile des neuen Stahl-Turms auf dem Dreistelz montiert. Fotos: Ralf Ruppert
Am Freitag wurden die letzten Teile des neuen Stahl-Turms auf dem Dreistelz montiert. Fotos: Ralf Ruppert
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Für Christian Pörtner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau, ist die Einführung des Digitalfunks überfällig: "Bei uns kann eigentlich jeder mithören", nennt er die Haupt-Schwäche des bestehenden analogen Systems. "Wir funken eigentlich noch wie zu Zeiten der Erfindung des Funks", beschreibt er das analoge Verfahren, das noch über den Kreuzberg läuft und auch etliche Funklöcher in der Region mit sich bringt.
Damit soll spätestens in einem Jahr Schluss sein. Ein wichtiger Schritt dorthin war am Freitag der Aufbau eines neuen Sendemastes auf dem Dreistelz.

Gemeinderat bleibt kritisch

Verwendet wird der allerdings nicht nur für den neuen Behördenfunk: Bauherr für den Mast ist Telefonica/O2. Als die mit ihrem Bauantrag zur Gemeinde Oberleichtersbach kamen, waren Bürgermeister Walter Müller (CSU) und seine Räte wenig begeistert. "Aber wir wussten, dass wir das höchstens um ein halbes Jahr verhindern können, wirklich verhindern hätte das höchstens ein Volksaufstand können." Trotz aller Bedenken habe der Gemeinderat deshalb zugestimmt, schließlich befindet sich der Standort nicht einmal auf Gemeindegebiet, sondern im gemeindefreien Staatsforst.

"Alle rennen heute mit Smartphones rum und irgendwo muss das ja auch herkommen", könne sich die Gemeinde der Technik wohl nicht verschließen. Aber Müller ist auch kritisch: Auf einen Antrag aus der Bürgerversammlung in Modlos hin hat die Gemeinde ein Strahlungsgutachten in Auftrag gegeben: Kommenden Freitag werde an fünf Stellen in der Gemeinde die aktuelle Strahlenbelastung gemessen. Diese soll dann auch mit der Sendeleistung des neuen Turms verglichen werden.

Bis von dort aus gesendet wird, muss allerdings noch einiges passieren. vorerst haben noch die Stahlbauer das Sagen. "Wir sind schon seit vier Wochen hier", berichtet Montageleiter Lutz Naumann. Auf dem kleinen Gelände rund 24 Meter unterhalb des unwegsamen, 660 Meter hohen Dreistelz-Gipfels bereiteten sie die Gründung vor: Der Turm steht auf zwölf Meter langen Bohrpfählen, darüber befindet sich ein zwei Meter dickes Beton-Fundament. 8,50 auf 8,50 Meter breit ist das 35 Tonnen schwere Stahlskelett, das seit gestern Mittag 75 Meter in die Höhe ragt.

25 Meter höher als der alte Turm

"Mir war klar, dass der neue Turm 25 Meter höher wird als der alte", war Bürgermeister Müller am Freitag beim Blick auf den Dreistelz nicht überrascht. Trotzdem leuchtet die rot-weiße Turmspitze weit ins Land, ganz anders als der mittlerweile stark verrostete Vorgänger-Mast. Der wird überflüssig, sobald alle Mobil- und Richtfunk-Antennen von dort umgehängt sind. Wegen des zusätzlichen Behördenfunkes hat sich das Staatliche Bauamt auch mit in die Planung eingeschaltet und zusätzliche Vorgaben gemacht. So sind Turm und Zuleitungen zusätzlich abgesichert.

"Die meisten Türme sind so 40 bis 50 Meter hoch, das hier ist schon einer der größeren Türme", sagt Montageleiter Naumann. Allerdings kann seine Spezialfirma "IMO Leipzig" auch noch größer: "Im Kraftwerkbau geht es heute bis in 180 Meter Höhe."

"Die Vorbereitungen können bis zu zwei Jahre dauern", berichtet Naumann. Besondere Herausforderung am Dreistelz war die vier Kilometer lange Zufahrt durch den Wald, die erst verstärkt und zum Teil freigeschnitten wurde, damit die vormontierten Bauteile und der 250-Tonnen-Kran auch hoch kommen. Trotz des Krans ist beim Aufbau viel Handarbeit gefragt: "Da muss man schon schwindelfrei sein", lacht Naumann. Deshalb werden die Arbeiter auch alle drei Jahre, ab 50 Jahren sogar jedes Jahr ärztlich untersucht. "Das ist kein Job, den man bis 67 machen kann", sagt Naumann mit Blick auf die Kollegen 70 Meter über ihm.

Nutzer Der BOS (Behörden und Organisatoren mit Sicherheitsaufgaben) Digitalfunk wird von Bundes- und Länderpolizeien, Feuerwehr, Rettungsdienst, Zoll, THW und Katastrophenschutz genutzt. Verwendet wird die TETRA-Technologie.

Aufbau Die Landeshauptstadt München verfügt bereits über den digitalen Behördenfunk, Unterfranken ist Anfang 2014 an der Reihe. In Bayern werden 911 Funkstandorte benötigt, 446 sind in Betrieb. In Unterfranken sind 87 von geplanten 124 installiert.

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