Bad Kissingen
Investition

Neue Technik für Kissinger Wässerchen

Obwohl nur noch geringe Mengen Heilwasser abgefüllt werden, ersetzt der Freistaat die marode, alte Anlage für 228 000 Euro durch eine neue. Dabei geht es um die Pläne für das Kurhausbad und um wichtige Lizenzen.
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Staatlich Bad Kissinger Rakoczy soll künftig im Kurhausbad zu Schauzwecken abgefüllt werden.  Foto: Ralf Ruppert/Archiv
Staatlich Bad Kissinger Rakoczy soll künftig im Kurhausbad zu Schauzwecken abgefüllt werden. Foto: Ralf Ruppert/Archiv
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Seit dem 19. Jahrhundert wird in der Kurhausstraße Bad Kissinger Heilwasser abgefüllt. Die damaligen Badpächter, die Gebrüder Peter und Ferdinand Bolzano, ließen Wasser aus der Rakoczy- und der Pandurquelle um 1830 herum in tönerne Gefäße füllen. Sie verschickten das Wasser sowohl innerhalb Europas als auch in die ganze Welt und trugen auch damit zum Ruf Bad Kissingens als Weltbad bei.

Diese glanzvolle Zeit liegt schon eine Weile zurück. Bis 2001 hat die Staatliche Bäderverwaltung Heil- und Bitterwasser zwar noch in größerem Umfang abgefüllt und deutschlandweit ausgeliefert, das wurde dann aber aufgrund zu geringer Nachfrage eingestellt. Seitdem füllte die Staatsbad GmbH nur noch alle drei Jahre kleinere Mengen ab, um Rückstellungen zu haben, das Wasser als Souvenir zu verkaufen und vor allem, um die für die Abfüllung notwendigen arzneimittelrechtlichen Zulassungen zu erhalten. Zuletzt war allerdings auch das bedroht: Die Abfüllanlage im Krugmagazin ging kaputt. Vor gut einem Jahr also hat das zuständige bayerische Zentrum für Staatsbäder die Arbeiten für die Reparatur ausgeschrieben. Zwischenzeitlich wurde sie komplett erneuert. Die Kosten von rund 228.000 Euro trägt der Freistaat.

Reparatur nicht mehr sinnvoll

Reparieren ließ sich die 30 Jahre alte Anlage nicht mehr. "Die bestehende Heilwasseraufbereitungs- und Abfüllanlage war altersbedingt vollständig verbraucht. Eine Instandsetzung war weder wirtschaftlich vertretbar noch technisch sinnvoll", teilt eine Sprecherin des bayerischen Finanzministeriums auf Anfrage mit. Die alte Anlage wurde also gegen eine neue ersetzt. Nach der Generalsanierung des Kurhausbades wird sie dorthin umziehen. Genutzt wird sie dort für touristisch inszenierte Show-Abfüllungen.

Wie das Finanzministerium weiter ausführt, steht die neue Anlage bereits seit Februar im Krugmagazin. "Bis Anfang August erfolgte die Phase des ,Einfahrens‘ der Anlage durch Probenahmen und Analysen", so die Sprecherin. Inzwischen ist die Anlage zum weiteren Betrieb freigegeben. Eine öffentliche Besichtigung sei aus arzneimittelrechtlichen Gründen aktuell nicht möglich. Erst im Kurhausbad wird sie zu sehen sein.

Grundsätzlich bergen längerfristige Betriebsunterbrechungen das Risiko in sich, dass die arzneimittelrechtlichen Lizenzen verloren gehen. Sie im Nachhinein erneut zu erhalten, sehen Experten als schwierig und aufwendig an. Das Ministerium betont, dass die arzneimittelrechtlichen Zulassungen zu keinem Zeitpunkt infrage standen. "Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit der für die Heilmittelüberwachung zuständigen Stelle der Regierung von Oberfranken", erklärt die Sprecherin.

Vorgaben für den Show-Raum

Das Thema Heilwasser soll künftig im Kurhausbad eine wichtige Rolle zuspielen. Aktuell lässt der Freistaat Bayern die ehemalige Badeanstalt sowie den benachbarten Neumann-Flügel (ehemals Königliches Logierhaus) für 45 Millionen Euro zur Außenstelle der Landesanstalt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit 100 Arbeitsplätzen umbauen. Während im Neumann-Flügel die Labore untergebracht sein werden, wird die LGL-Verwaltung im Kurhausbad arbeiten. Dort ist außerdem ein gastronomisches Angebot sowie die Heilwasser-Showabfüllung geplant.

Dafür kommt die Heilwasseraufbereitungs- und Abfüllanlage in einen speziellen Raum, der gemäß der arzneimittelrechtlichen Bestimmungen errichtet wird. Für den weiteren Betrieb ist wie bislang die Staatsbad GmbH zuständig. "Dabei werden das ,Staatlich Bad Kissinger Rakoczy‘ sowie das ,Kissinger Bitterwasser‘ abgefüllt", sagt Staatsbad-Pressesprecherin Ines Hartmann. Besucher sollen die Anlage dann durch eine Glasfront einsehen können. Außerdem sollen nach der aktuellen Planung ein Infobildschirm über das Wasser und den Abfüllvorgang informieren.

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