Bad Kissingen
Gesundheit

Neue Ideen für die Zukunft des Zentrums für Telemedizin

Zum Jahresende läuft die Anschubfinanzierung des Zentrums für Telemedizin aus. Durch innovative Projekte ist der Betrieb trotzdem gesichert.
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Geschäftsführer Sebastian Dresbach zeigt das Angel-System, das von der Information über Infarkt- und Schlaganfall- auf Trauma-Patienten erweitert werden soll. Im Bild oben holen sich die Mediziner Alexandra Rascher und Hassan Soda über das Schlaganfall-Netz Unterfranken eine Expertise von der Uni Würzburg. Fotos: Ralf Ruppert/Zentrum für Telemedizin
Geschäftsführer Sebastian Dresbach zeigt das Angel-System, das von der Information über Infarkt- und Schlaganfall- auf Trauma-Patienten erweitert werden soll. Im Bild oben holen sich die Mediziner Alexandra Rascher und Hassan Soda über das Schlaganfall-Netz Unterfranken eine Expertise von der Uni Würzburg. Fotos: Ralf Ruppert/Zentrum für Telemedizin
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Sebastian Dresbach, Geschäftsführer des Zentrums für Telemedizin (ZTM), schaut optimistisch in die Zukunft: "Die vierjährige Aufbauphase ist vorbei, jetzt gehen wir in den Regelbetrieb über." Dabei fällt ein wichtiger Finanzierungsbaustein weg: In den vergangenen Jahren kam stets die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml mit einem Scheck nach Bad Kissingen: Insgesamt 1,45 Millionen Euro investierte der Freistaat in das ZTM. Diese feste Zusage ist zwar abgelaufen, aber: "Wir haben für 2016 vom Bayerischen Gesundheitsministerium 370 000 und vom Landkreis 90 000 Euro beantragt." Und es gebe positive Signale, dass das Geld bewilligt werde, auch wenn noch kein Förderbescheid angekommen ist.


Rettungsdienst ausgestattet

Dresbach kann auf viele Erfolgsgeschichten verweisen: Das ZTM hat bayernweit den Einbau von 1500 so genannten AngelPads in Fahrzeuge und Hubschrauber des Rettungsdienstes begleitet. 30 Krankenhäuser sind bereits angebunden, darunter große wie das Klinikum Bamberg. Heuer wurden bereits über 80 000 Patienten in Notaufnahmen vorangemeldet. "Das ist schon ein Pfund, andere beneiden uns drum, dass wir so in die Fläche kommen."
Deshalb ist eines der neuen Projekte für 2016 auch die Ausweitung des Angel-Systems von Schlaganfall- und Infarkt-Patienten auf Schwerverletzte. Dadurch könnte zum Beispiel der Blutverlust vorher gemeldet werden, aber auch über weitere Daten denken die mittlerweile acht Mitarbeiter des ZTM nach: "Macht es zum Beispiel Sinn, Bilder von der Unfallstelle zu schicken?" laute eine Frage.


Projekt mit Flüchtlingen

Auf großes Interesse sei auch die Idee gestoßen, Flüchtlinge per Telemedizin zu versorgen: "Wir wollen Ärzte mit Migrationshintergrund als Dolmetscher auf den Monitor schalten", nennt Dresbach als Idee. Schließlich gebe es auch ind er Region jede Menge Mediziner, die zum Beispiel arabisch sprechen. Selbst das Bundes-Gesundheitsministerium interessiert sich für das Projekt und schaut nach Bad Kissingen, denn: "Wir wollen wie immer regional anfangen und das dann landesweit ausrollen", berichtet Dresbach.
Größte Herausforderung ist, dass es für viele Angebote noch keine Abrechnungsgrundlage mit den Krankenkassen gibt. Deshalb blickt Dresbach auch erwartungsvoll nach Berlin auf das neue E-Health-Gesetz: "Da sind erste Anzeichen, die in die richtige Richtung gehen", freut er sich. Erst gestern stellte Dresbach zudem das ZTM in einer Bund-/ Länderarbeitsgruppe für Telemedizin vor. "Es war deutlich erkennbar, dass wir in Bayern eine große Vorreiterrolle mit dem ZTM eingenommen haben", berichtet der Geschäftsführer, und: "Weitere Bundesländer haben den Nutzen und den Bedarf erkannt."

"Unser regionaler Ansatz mit dem Bäderland im Rücken sorgt für großes Interesse", berichtet Sebastian Dresbach, Geschäftsführer des Zentrums für Telemedizin (ZTM). Die Einrichtung in Bad Kissingen werde immer öfter bundesweit und zum Teil auch schon international wahrgenommen. Gemeinsam mit der Bayerischen Tele-Med-Allianz in Ingolstadt bilde das ZTM die Grundlage für die telemedizinischen Ambitionen des Bayerischen Gesundheitsministeriums.


"Positive Signale" aus München

"Das Zentrum für Telemedizin ist ein ganz wichtiger Baustein für uns", sagt auch Wirtschaftsförder Jürgen Metz vom Landkreis Bad Kissingen. Deshalb hoffe auch er auf eine Entscheidung des Bundes, um noch mehr Leistungen abrechnen zu können. Zudem arbeite der Landkreis daran, dass der Freistaat Bayern ab 2017 das ZTM wieder dauerhaft fördert. Dafür gebe es "positive Signale" aus München. Wünschen würde sich Metz außerdem die Beteiligung weiterer Partner, vor allem der Stadt Bad Kissingen. Bislang stemmt der Freistatt den Löwenanteil und der Kreis den Rest.
Die meisten Projekte, wie die Voranmeldung von Patienten über das Angel-System, werden bislang nicht von Kassen bezahlt. "Die Häuser sehen das als Vorteil für die Versorgung", nennt Dresbach als Grund für den Einbau. Dabei würden viele Ideen durchaus Zeit und Geld sparen. Beispiel: Herzschrittmacher können leicht daheim ausgelesen und die Daten für die Analyse zum Arzt geschickt werden. "Das ist aber nicht refinanziert, obwohl das Patienten und Mediziner helfen würde."

Entstehung Beschlossen wurde das Zentrum für Telemedizin (ZTM) bei der Sitzung des Bayerischen Kabinetts am 7. Juli 2010 in Bad Kissingen. Am 28. Oktober 2010 wurde der gleichnamige Förderverein gegründet. Seine Arbeit nahm das ZTM Anfang 2012 auf.

Standort Das ZTM hat seinen Sitz im Rhön-Saale-Gründerzentrum, Sieboldstraße 7.

Struktur Den Verein unterstützen jede Menge Institutionen wie der Ärztliche Kreisverband oder das Zentrum für Telematik. Den Vorsitz hat Prof. Bernd Griewing, der ärztliche Direktor der Neurologischen Klinik Bad Neustadt. Stellvertreter ist Prof. Peter Deeg. Zudem gibt es einen neunköpfigen Beirat mit Kommunalpolitikern, Medizinern und Vertretern aus Industrie, Krankenkassen, Uni Würzburg und Rentenversicherung.

Finanzierung Das Projekt ist vorerst auf vier Jahre angelegt, das Bayerische Gesundheitsministerium hat das Zentrum in den ersten vier Jahren mit 1,45 Millionen Euro unterstützt: Für 2012 wurden aus München 250 000 Euro, für 2013 rund 500 000 Euro und für heuer 347 000 Euro und für heuer rund 356 000 überwiesen. Der Landkreis steuerte in den vergangenen Jahren jeweils rund 80 000 Euro bei.

Info Weitere Auskünfte gibt es entweder bei Geschäftsführer Sebastian Dresbach, Tel.: 0971/ 7855 2910, oder unter www. ztm-badkissingen.de.
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