Riedenberg
Streitpunkt

Neubaupläne für Berghaus Rhön bei Riedenberg: Fehlt der Hüttencharakter?

Über Geschmack lässt sich streiten: Die Neubaupläne für das Berghaus Rhön werden kontrovers diskutiert. Kritikern fehlt der urige Charakter.
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Noch steht das alte Berghaus oberhalb von Riedenberg. Ulrike Müller
Noch steht das alte Berghaus oberhalb von Riedenberg. Ulrike Müller

Wird ein Neubau anstelle eines historischen Gebäudes errichtet, scheiden sich schon mal die Geister über die bauliche Umsetzung. Das gilt nicht nur für das Stadtschloss in Berlin, sondern auch im Landkreis Bad Kissingen für das Berghaus Rhön. Gegenüber dieser Redaktion wurde Unmut über die Pläne laut. Edgar Rieß, der ehemalige Kämmerer und Geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Brückenau, etwa hat eine klare Meinung zu den veröffentlichten Plänen: "Das fügt sich nicht in die Landschaft ein."

Kritik von vielen Seiten?

Rieß erinnert sich noch gut an seine Zeit im Dienste der Kurstadt. "Damals musste man auf Bebauungsrichtlinien achten. Ansonsten hatte man keine Chance auf eine Genehmigung." Mittlerweile habe man leichtere Vorgaben, was dazu führe, dass "jeder baut wie er will". Für ihn ist es unverständlich, denn: "Wenn man in Oberbayern Urlaub macht, freut man sich über die urigen Bauten, die in der Landschaft eingebettet sind. Das wirkt gemütlich, authentisch und vor allem heimatverbunden. Die Tradition des Berghauses bleibt bei den Bauarbeiten auf der Strecke."

In der Kreisausschusssitzung vom 18. Juli gab es trotz der Genehmigung der Pläne Kritik. Kreisrat Walter Gutmann (CSU) wandte ein, dass der verschachtelte Charakter des alten Berghauses mit dem Neubau verloren gehe. "Wir haben jetzt einen großen Saal." Anstoß zur Diskussion boten außerdem die bodenhohen Fenster, die Einblicke in die Gästezimmer ermöglichen würden. Auch Roland Heublein, Vorsitzender vom Rhönklub-Zweigverein Oberbach ist skeptisch: "Geschmäcker sind verschieden. Ich hätte gerne richtigen Hüttencharakter wie am Neustädter Haus oder der Kissinger Hütte gesehen."

Zeitgemäßer Baustil

Eine andere Meinung vertritt dagegen der Landkreis Bad Kissingen, der als Bauherr fungiert. "Die moderne Architektur lässt sich auch in der Rhön finden", teilt Melanie Hofmann von der Pressestelle des Landkreises mit. "Ähnlich sind das Rhöniversum und die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats in Oberelsbach gebaut." Doch nicht nur im Land der offenen Fernen könne der moderne Stil überzeugen: "Auch in der Alpenregion lässt sich das an einigen Bauten sehen." Kritik an den Plänen sei bislang nicht durchgedrungen. "Es ist noch möglich, Änderungen in den Plan einfließen zu lassen." Manche Eigenschaft, die für Wanderhütten typisch ist, lasse sich heutzutage allerdings nicht mehr verwirklichen: "Aus Brandschutzgründen können wir zum Beispiel keine niedrigen Decken einziehen."

Grundcharakteristik bleibt erhalten

Davon, dass trotz der hohen Decken Hüttenstimmung aufkommt, ist Roland Römmelt, Bürgermeister der Gemeinde Riedenberg, überzeugt. "Die Planung ist für uns als Gemeinde schlüssig: Das Charakteristische bleibt ja bestehen." Damit meint der Bürgermeister die Grundmauern aus Basalt und die holzverkleideten Wände. "Das Konzept des neuen Berghauses ist für uns gelungen, der Gemeinderat ist der Meinung, dass es genau so wird, wie wir es haben wollten." Das zeigt sich auch im einstimmigen Beschluss des Gemeinderates bezüglich der Pläne. Auf dem Herzen liegt Römmelt allerdings doch etwas: "Am Spielplatz muss nachgebessert werden. Der wurde in der letzten Zeit etwas vernachlässigt."

Interessierte Blicke vom Rhön-Klub

Neugierig auf die Optik des Berghauses ist auch der Rhönklub in Bad Kissingen. "Bei der Kissinger Hütte auf dem Feuerberg stehen große Arbeiten an. Wir sind gespannt, wie das am Berghaus optisch gelöst wird", teilt Peter Krug, stellvertretender Vorsitzender des Rhönklub-Zweigvereins Bad Kissingen mit. Nach Prüfung eines unabhängigen Planungsbüros fallen dort Kosten von rund zwei Millionen Euro für Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen an. "Wir müssen erstmal wissen, welche Zuschüsse wir bekommen", gibt Peter Krug bekannt. "Erst danach ist klar, wie es weiter geht." Eine Prämisse habe man sich jedoch bereits gesetzt: "Egal wie es ausgeht: Wir wollen den urigen Hüttencharakter der Kissinger Hütte bewahren." Dies gelte besonders für für den historischen Kern, betont der Vorsitzende Thomas Hammelmann. "Der Gastraum ist von 1914 - den kann man nicht einfach wegschmeißen."



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