Ramsthal
Grossprojekt

Naturschützer protestieren gegen Straßenbau

Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert den Neubau der KG 4 von Ramsthal in Richtung Oerlenbach. Die Kreisbehörde und der Bürgermeister weisen die Vorwürfe zurück.
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Nach der Baumfällung ist gut zu erkennen, wo die neue Trasse verlaufen soll, um die Kurve zu entschärfen. Foto: Markus Reeh
Nach der Baumfällung ist gut zu erkennen, wo die neue Trasse verlaufen soll, um die Kurve zu entschärfen. Foto: Markus Reeh
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Franz Zang ist ein Freund deutlicher Worte. "Dieses Projekt ist wie aus der Zeit gefallen. Hier werden Zielvorgaben umgesetzt, wie sie vor 20 bis 30 Jahren üblich waren", betonte der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) bei einem Ortstermin am Freitagnachmittag. Zang kritisierte, es habe keine Beteiligung der Bürger gegeben. Ihre Ängste spielten offenbar keine Rolle. Die Ramsthaler litten schon jetzt unter dem Schwerlastverkehr.

Die KG 4 fungiere inzwischen als Zubringer für die A 71 aus Richtung Hammelburg und umgekehrt für die A 7. "Eine Verbreiterung und Begradigung der Straße verstärkt diesen Effekt noch", ist sich BN-Vorstandsmitglied Karl Schwarz sicher. Für etwa zwei Millionen Euro erhielten die Bürger im Umland eine Zeitersparnis, die kaum ins Gewicht falle.
"Für die Ramsthaler wird diese Straße ihre innerörtliche Funktion als Lebensraum gänzlich verlieren", mahnte Schwarz.

Dieser Straßenbau ignoriere auch wesentliche Aspekte des Klima-, Flächen- und Gesundheitsschutzes, führt Franz Zang weiter aus. Mit einer einfachen Instandsetzung der bestehenden Straße wäre den Interessen der Ramsthaler und den Berufspendlern Genüge getan. "Zur Not würde eine Entschärfung der Kurve am Haskenstein ausreichen, um eine eventuelle Gefahrensituation zu verringern", ist der BN-Kreischef überzeugt.
Dem Tourismus im Weinort schade der Straßenausbau. Urlauber suchten idyllische Dörfer, deren Hauptstraße angenehm zu begehen sei. Dem stünden Lärm und Abgase entgegen.

Einige Bürger kritisierten bei dem Ortstermin, dass gefährlich hohe Geschwindigkeiten im Ort gefahren würden und forderten eine Tempo-30-Zone und Radarkontrollen. Ein Einwohner berichtete von einem Unfall, bei dem ein Junge von einem Lkw angefahren worden sei. "Die Ramsthaler können selbst schon etwas gegen das hohe Tempo tun, indem sie ihre Autos links und rechts am Straßenrand parken", schlug ein anderer vor.

"Straße ist unverzichtbar"

Jürgen Dobler, Leiter des Kreisstraßenbaus, verwies auf einen Ortstermin am 21. Januar mit Bürgermeister Franz Büttner (IG/ABB) und dem Gemeinderat. Hier sei die Trasse vorgestellt worden, die anhand der Pläne der Gemeinde auch bereits vor Stellung des Förderantrags bekannt gewesen sei. Alle Fragen der Ratsmitglieder seien zu deren Zufriedenheit beantwortet worden.

"Die überörtliche Straße durch Ramsthal ist unverzichtbar - eine Ortsumgehung leider nicht möglich", betonte Dobler. Der Schwerlastverkehr sei mit 178 Lkw am Tag ähnlich hoch wie auf der Kreisstraße in Fuchsstadt und noch deutlich niedriger als auf den Kreisstraßen in Oberwildflecken und Eltingshausen.

"Der Ausbau dient der Verkehrssicherheit durch die Beseitigung des Unfallschwerpunktes am Haskenstein", erklärte der Kreisstraßenbau-Leiter. Zudem werde ein Seitenraum entlang der Straße geschaffen, der die Folgen bei einem Unfall mindere. Wer hier von der Fahrbahn abkomme, habe bessere Überlebenschancen, als wenn er gegen einen Baum pralle.

Die Kritik eines zu üppigen Ausbaus wies Dobler zurück. Die Behörde habe sich nach Vorgaben des Bayerischen Innenministeriums für kostenbewusstes Planen und Bauen gerichtet. Ferner verweist er auf eine Bewertung des jetzigen Straßenverlaufs durch das Staatliche Bauamt als Prüfbehörde. Demnach habe die Strecke erhebliche Mängel hinsichtlich Sichtweiten, Verkehrsdynamik und Fahrsicherheit.

"Verkehr wird nur sicherer"

Abschließend stellte der Kreis-straßenbau-Chef fest: "Das Verkehrsaufkommen wird durch die Maßnahme nicht erhöht, sondern lediglich sicherer gestaltet." Durch den Radwegeausbau werde auch gerade der "sanfte Tourismus" gestärkt und ein wichtiger Anschluss an die Radregion "Schweinfurter Land" geschaffen.

Bürgermeister Büttner wunderte sich über den Zeitpunkt des Protestes. Schon über ein Jahr werde über das Projekt diskutiert. Der Gemeinderat habe sich mit den Plänen befasst und sei einverstanden gewesen, und die Medien hätten darüber berichtet. "Ich glaube nicht, dass sich der Verkehr erhöhen wird", bekräftigte Büttner. Er glaube auch, dass eine große Mehrheit im Ort für den Ausbau der Straße sei. Schließlich habe es hier schon etliche Unfälle gegeben, sogar mit tödlichem Ausgang.

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