Bad Kissingen
Fasching

Narren erobern Kissinger Rathaus

Die Faschingsgesellschaften BTC Garitz und "Fidelia" Reiterswiesen haben die Macht im Bad Kissinger Rathaus übernommen. OB Kay Blankenburg ergibt sich und legt Schlüssel und Kasse der Stadt in die Hände der Narren.
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Oberbürgermeister Kay Blankenburg und die Stadträte hatten keine Chance: Ihnen blieb nur, sich friedlich zu ergeben, als die Narren aus Garitz und Reiterswiesen das Rathaus stürmten. Fotos: Carmen Schmitt
Oberbürgermeister Kay Blankenburg und die Stadträte hatten keine Chance: Ihnen blieb nur, sich friedlich zu ergeben, als die Narren aus Garitz und Reiterswiesen das Rathaus stürmten. Fotos: Carmen Schmitt
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Drei Böllerschüsse knallten am Montag Abend durch die Bad Kissinger Innenstadt. Dann marschierten die Narren der Reiterswiesener und Garitzer Faschingsgesellschaften mit dem Jugendmusikkorps Bad Kissingen vom Marktplatz bis vor das Rathaus. Ihr Ziel: Die Macht über die Stadt. Sie waren gekommen, um sich die Schlüssel und die Kasse zu holen.

Ärger mit Schnaps runtergespült

Vor dem Rathaus machten sie
Halt und forderten das Sagen. "Im Schutze der Nacht" sollten sich Bürgermeister und Stadträte "mit Sack und Pack" aus dem Rathaus stehlen, damit die Faschingsgesellschaften das Regiment übernehmen könnten, riefen sie nach oben zu dem offenen Fenster, aus dem Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) mit Sonnenbrille und Strohhut heraus schaute. Schließlich hatten es sich er und die Stadträte im Sommer beim Standstrand etwas zu gemütlich gemacht, wie die Narren fanden: Dort konnten sie ihre "Probleme mit Cuba Libre runterspülen".

Chronik der "Närrischen Gesellen"

Der Widerstand war zwecklos. Obwohl der Oberbürgermeister am Wochenende alle Termine abgesagt hatte, um den Narren die Stirn zu bieten, gab er am Ende nach und sein Rathaus frei: "Also, geht halt 'nei!" Die Reiterswiesener Faschingsprinzessin Daniela I. sowie die Reiterswiesener und Garitzer Elferräte ließen sich nicht lange bitten und stürmten das Rathaus. Nach dem Rathaussturm feierten die närrischen Kissinger den Start in die fünfte Jahreszeit noch bis in den Abend.

Schon am Vormittag um 11.11 Uhr begann im Bad Kissinger Rathaus die Faschingszeit. Oberbürgermeister Blankenburg erhielt von drei "Närrischen Gesellen" "ein Stück Stadtgeschichte". Über Jahrzehnte gesammelt, haben Walter Horn, Peter Jüngst und Ingeborg Kaidel die letzten Seiten ihrer Narren-Chronik gefüllt. Am Montag haben sie der Stadt das Buch mit dem ledernen Einband geschenkt. Seit der Gründung 1960 haben die "Närrischen Gesellen" der Kolpingsfamilie Bad Kissingen 30 Jahre lang Sitzungen auch im Regentenbau gefeiert und den Fasching in der Region mitgeprägt. Viele Bilder von vergangenen Faschingsfeiern füllen die Seiten des schweren Werkes. "Die Chronik ist ein wertvolles Unikat, das jeden Tag wertvoller wird", sagt Blankenburg.

Die "Närrischen Gesellen" übergaben außerdem noch Zeitungsausschnitte und Orden aus ihrer aktiven Faschingszeit. "Das soll alles für die Nachwelt erhalten bleiben", sagt Walter Horn, langjähriger Sitzungspräsident und später Gesellschaftspräsident der "Närrischen Gesellen". Kulturreferent Peter Weidisch nahm die Narren-Chronik an sich. Ab sofort kann sie jeder im Stadtarchiv einsehen. Dort wird sie gelagert, eingeschlagen in speziellem, säurefreiem Papier, "damit sie lange erhalten bleibt".
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