Bad Kissingen
Landkreis Bad Kissingen

Nahverkehr Mainfranken: Ein Ticket für Bahn und Bus

Zur Jahresmitte soll ein Geschäftsführer für die neue "Nahverkehr Mainfranken" eingestellt werden. Gut 20 Bewerber haben sich gemeldet. An den Start gehen soll der Verbund im August 2022.
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Wer mit Bus und Bahn in der Region Main-Rhön unterwegs ist, muss bislang viele Einzel-Fahrkarten kaufen. Ab 1. August 2022 soll es einen neuen Nahverkehrsverbund geben, durch den die Fahrgäste mit einer Karten von Fladungen bis Würzburg fahren können. Symbolbild: Franz-Peter Tschauner/dpa
Wer mit Bus und Bahn in der Region Main-Rhön unterwegs ist, muss bislang viele Einzel-Fahrkarten kaufen. Ab 1. August 2022 soll es einen neuen Nahverkehrsverbund geben, durch den die Fahrgäste mit einer Karten von Fladungen bis Würzburg fahren können. Symbolbild: Franz-Peter Tschauner/dpa

Seit fünf Jahren laufen Verhandlungen, im Dezember 2017 wurde die Gesellschaft "Nahverkehr Mainfranken" (NVM) gegründet und ab 1. August 2022 soll es möglich sein, mit einer Karte von Fladungen bis Würzburg oder von Hassfurt bis Lohr zu fahren: Das Zusammenfassen der Bus- und Bahnverkehre in der Region ist eine Mammut-Aufgabe. Aktuell wird ein Geschäftsführer für diese Herausforderung gesucht.

Christopher Alm, ÖPNV-Koordinator für die Region 3 (Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Haßberge sowie die Stadt Schweinfurt) führt aktuell nebenher die Geschäft der NVM. "Nebenamtlich ist das nicht zu schaffen", betonte er in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses. Immerhin geht es um den nach Einwohnern dritt- und nach Fläche zweitgrößten Verkehrsverbund in Bayern: Rund 940 000 Menschen leben in den Regionen 2 (Stadt und Kreis Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart) und 3.

"Kaum Personal zu finden"

Deshalb wird aktuell ein hauptamtlicher Geschäftsführer gesucht. Die Bewerbungsfrist sei bereits vorbei. "Wir haben mehr als 20 Bewerber", berichtete Alm auf Nachfrage. Voraussetzungen seien ein Hochschul-Studium und Berufserfahrung im Bereich Nachverkehr. "Es ist kaum Personal zu finden", begründete Alm, dass keine weiteren Vorgaben gemacht wurden. Natürlich wären Betriebswirtschaft oder Verkehrswesen ideale Studiengänge, aber: "Es kann auch ein Geograph sein, der in dem Bereich gearbeitet hat."

Nach oben korrigierte Alm bereits den Ansatz fürs Gehalt: 100 000 Euro jährlich waren für den Geschäftsführer veranschlagt, samt Nebenkosten hält er 120 000 Euro für realistischer: "Immerhin verwaltet der Geschäftsführer ein Volumen von mindestens 50 Millionen Euro", verwies Alm auf die geschätzten Einnahmen im Nahverkehr.

Erste Aufgabe des Geschäftsführers sei der Aufbau eines Teams im zweiten Halbjahr 2019. Zweieinhalb Stellen sind vorgesehen für die Unterstützung des Geschäftsführers und das Controlling. Hinzu könnten Aufgaben kommen, die bisher bei den Kreisen angesiedelt sind. Alm rechnet mit laufenden Betriebskosten von rund 324 000 Euro ab 2020, der Landkreis trage davon elf Prozent, also rund 45 000 Euro oder 44 Cent pro Einwohner. "Damit sind wir aktuell der billigste Verbund in Bayern", betonte Alm.

"Bleibt der personelle Aufwand der gleiche, wenn es läuft, wie bei Schaffung des Monstrums", fragte CSU-Kreisrat Walter Gutmann. Christopher Alm zerschlug die Hoffnung, dass die Kosten sinken, im Gegenteil: "Die Aufgaben werden eher mehr." Langfristig erwartet er sich zum Beispiel, dass die Landkreise auch die Ausschreibung der Konzessionen oder das Marketing an die NVM abgeben, weil das vieles erleichtere.

Verkehrserhebung nötig

Erster Schritt auf dem Weg zum Einheitsticket ist eine Verkehrserhebung. Geschätzte Kosten: 1,5 Millionen Euro. Vorerst werde allerdings nur die Projektsteuerung für rund 100 000 Euro in Auftrag gegeben. "Es muss geklärt werden, wer wo einsteigt und wohin er fährt", nannte Alm als Vorgabe für die Studie. Denn: Es müsse vorher klar sein, wie viel Geld fehlt, wenn Tarife vereinheitlicht oder eine so genannte Kappungsgrenze eingeführt werden. Aktuell zahlen Bus-Fahrgäste zum Beispiel im Landkreis Bad Kissingen maximal zehn Waben, weitere Fahrten kosten nicht mehr. Weil das Einheitsticket für Bus und Bahn gelten soll, müsse vor allem mit der Eisenbahngesellschaft verhandelt werden: "Das Hauptproblem bei der Erweiterung ist die Schiene." Auf sechs bis acht Prozent schätzt Alm die so genannten Harmonisierungsverluste. Einen Erfahrungswert führte er aus dem Landkreis Main-Spessart an: Bei 9 Millionen Euro Fahreinnahmen fielen dort bei Einführung des Verbunds 580 000 Euro weg.

"Das wird uns die nächsten Jahre einiges abverlangen", sah Landrat Thomas Bold (CSU) noch viele offene Fragen. Unter anderem müssten alle Bus-Unternehmer überzeugt werden, aber auch die einzelnen Bedarfsverkehre müssen angeglichen werden. Der Landkreis Bad Kissingen müsse sich etwa entscheiden, wie es mit dem Seniorenticket weiter gehe. Als zusätzliche Aufgabe nannte Alm die Einführung von elektronischen Tickets. Die könnten auch eine Verkehrserhebung erleichtern, aber: "Da gibt es bis jetzt nur einige Pilot-Projekte."

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