Bad Kissingen
Selbstverteidigung

Nahkampf im Bad Kissinger Kiss Park

Experten aus Israel und Deutschland boten in Bad Kissingen ein Intensivtraining von "Krav Maga"sowohl für Einsteiger wie für Fortgeschrittene an. Rund 60 Teilnehmer übten im Kiss Park.
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Einen Hindernislauf mit Dutzenden von Angreifern mussten die Teilnehmer des ersten Krav Maga Selbstverteidigungskurses im Kiss Park bewältigen. Foto: Peter Rauch
Einen Hindernislauf mit Dutzenden von Angreifern mussten die Teilnehmer des ersten Krav Maga Selbstverteidigungskurses im Kiss Park bewältigen. Foto: Peter Rauch
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Zu einem dreitägigen "Krav Maga", einem israelischen Selbstverteidigungungssystem, hatte der Kiss Park am Wochenende eingeladen. Organisator des dreitägigen Seminars war der Münnerstädter Bert Bauer. Gemeinsam mit ihm trainierte Itay Dannenberg aus Israel die Teilnehmer. Letzterer ist leitender Trainer an der israelischen Schule für militärisches Krav Maga und Hauptausbilder für das Trainingsprogramm der Personenschützer des israelischen Parlaments.

Die über 60 Teilnehmer hetzten nacheinander an diesem Sonntagnachmittag über eine eigens im Kiss Park aufgebaute Hindernisbahn und wurden nacheinander von gut zwei Dutzend Angreifern attackiert. Einige Teilnehmer kamen sogar aus Israel, Polen und Österreich, der Rest war aus der gesamten Bundesrepublik angereist. "Rund ein Drittel sind Soldaten, die sich hier weiterbilden, ein Drittel sind Schüler und 'Ehemalige' von mir, und das letzte Drittel sind Neulinge die lernen wollen, wie man sich schützt", so Bauer. "Wir zeigen den Teilnehmern effektive und einfache Methoden, um sich gegen Gewalt wehren zu können." Bauer selbst ist Nahkampf-Ausbilder am Ausbildungszentrum Infanterie der Bundeswehr in Hammelburg und "Headinstructor" des Veranstalters "X-Fighting Germany".

Berühmter Tritt unter die Gürtellinie

Nicht nur in der israelischen Armee, sondern auch bei anderen Streitkräften hat sich diese Methode, einen Angreifer in Sekundenbruchteilen zu entwaffnen und unschädlich zu machen, durchgesetzt. Eine Art der Selbstverteidigung, nicht des Angriffs wohlgemerkt, und keine Sportart, denn beim Krav Maga gehört zum Beispiel auch der berühmte Tritt unter die Gürtellinie zum Standard-Repertoire, was bei einer Sportart nicht möglich wäre.

Im Vergleich zu anderen Kampfsportarten kennt man auch keine Gürtel oder Meisterschaften. "Selbstverteidigung ohne Schnickschnack" sozusagen, denn auch in seiner Form für den zivilen Bereich zeichnet sich Krav Maga, was übersetzt "Kontakt-Kampf" heißt, durch einfache Techniken aus. "60 Prozent kommen aus dem Boxen und Ringen", so Freya Geßner, die nicht nur in ihrer Heimat Ruhrgebiet in der Szene als "Valkyrie Krav Maga" bekannt ist. Der Rest ist eine Art "Best of" aus gängigen Kampfsportarten.

Gründer war ein jüdischer Boxer und Ringer

Krav Maga geht auf den 1910 in Budapest geborenen Imrich Lichtenfeld zurück. Der erfolgreiche jüdische Boxer und Ringer hat das System seinerzeit entwickelt, um seinen Landsleuten ein Instrument an die Hand zu geben, sich gegen antisemitische Übergriffe zu wehren. Nach abenteuerlicher Flucht und einer Zeit bei der britischen Armee gelang es Lichtenfeld, nach Palästina einzureisen. Nach Gründung des Staates Israel wurde er Nahkampfausbilder in der israelischen Armee.

Doch ganz abgesehen von der militärischen Variante, die auch Griffe kennt, einen Gegner buchstäblich schlagartig außer Gefecht zu setzen und ins Reich der Träume zu schicken, setzt sich Krav Maga mehr und mehr als Selbstverteidigung für den zivilen Bereich durch. "Die richtige Reaktion unter Stress wird erlernt, und diese Art, sich zu bewegen, ist ein hervorragendes Fitnessprogramm", so Bert Bauer.

Die Selbstverteidigungsart Krav Maga zeichnet sich durch einfache Techniken aus. Natürliche und instinktive Reaktionen werden gefördert. Dadurch sei es im Vergleich zu Kampfsportarten einfach zu erlernen. Besonders das richtige Reagieren unter Stress wird trainiert. Dazu gehören auch Taktiken, um Bedrohungssituationen zu vermeiden und es geht auch darum, Gefahren frühzeitig zu erkennen und durch geschicktes Verhalten dem Konflikt auszuweichen oder den Gegner zu entwaffnen. Je nach persönlichen Leistungsstand werden unterschiedliche Techniken und Methoden trainiert, beispielsweise verbale Deeskalation, Bewegungslehre, Faust-, Ellbogen, Tritt- und Knietechniken sowie der Einsatz von Alltagsgegenständen zur Selbstverteidigung.

Neue Pläne in der Wüste

Bauer, aktiver Soldat im Rang eines Hauptfeldwebels lernte sein "Gegenüber" Itay Danneberg schon vor Jahren kennen, denn auch Itay ist aktiver Soldat in der israelischen Armee und im gleichen Dienstrang. Gegenseitige Ausbildungsreisen, sowohl nach Israel, in die USA und nach Deutschland ließ eine Freundschaft zwischen den beiden entstehen, die durch solche Intensivtrainings noch mehr gefestigt wird - so wohnt Itay Danneberg bei aktuell bei Bert Bauer in einem Münnerstädter Stadtteil. Das Kissinger Treffen zwischen Itay Danneberg, der bereits als Sechsjähriger mit Krav Maga anfing und Headinstructor Bert Bauer wird hier keinesfalls das letzte bleiben. Bereits im November ist in der israelischen Wüste zwischen Eliat, Rotem und Totem Meer ein weiteres Seminar geplant für das beide Instruktoren bereits zugesagt haben.Peter Rauch/Helmut Glauch

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