Bad Bocklet
Bildung

Nachwuchs für große Handwerksfamilie

Die Kreishandwerkerschaft Bad Kissingen hatte ihre Freisprechungsfeier in Bad Bocklet. 60 Prüflinge haben bestanden.
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Im feierlichen Rahmen fand in Bad Bocklet die Freisprechungsfeier der Junghandwerker statt.Klaus Werner
Im feierlichen Rahmen fand in Bad Bocklet die Freisprechungsfeier der Junghandwerker statt.Klaus Werner
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"Zieht hinaus in die Welt - nun ist alles möglich!" - so beendete die frischgebackene und ausgezeichnete Bäckerin Selina Fürst ihre Dankesrede bei der Freisprechung der Kreishandwerkerschaft Bad Kissingen. Davor sagte sie aber in klaren Worten das, was die Ehrengäste in wohlgesetzten Worten umschrieben hatten, und sie sparte auch nicht mit Kritik von Berufsberatung bis zur Weiterbildung.

Selina Fürst bedankte sich nicht nur bei den Ausbildern und Lehrkräfte dafür, dass "man uns fit gemacht hat für den Beruf". Sie appellierte auch an ihre Mitstreiter, dass man weiterlernen müsse, "bis man seinen Beruf meisterlich kann".

Angesichts des Nachwuchsmangels im Handwerk mahnte sie eine qualifizierte Berufsberatung in den Schulen an, denn sie selbst sei von einem Berufsberater nur mit den Nachteilen des Bäckerberufs konfrontiert worden.

Diejenigen, die nach der Freisprechungsfeier hinaus in die Welt ziehen sollten, waren zum Beginn erst einmal zu Andreas Bouranis Hit "Ein Hoch auf uns" in den großen Kursaal eingezogen - intoniert von KissPercussiva, die die Freisprechung musikalisch ausgestaltete.

Begrüßt wurden die 40 anwesenden Gesellinnen und Gesellen vom Applaus der Gäste und von Kreishandwerksmeisterin Ulrike Lochner-Erhard. Insgesamt waren es 60 Absolventen aus sechs Gewerken, die die Prüfung bestanden haben. Die Freisprechung stehe für einen neuen Lebensabschnitt, so Lochner-Erhard; sie lobte die Absolventen: "Ihr seid am Ziel, eure Ausbilder sind am Ende." Was das Handwerk ausmacht, präsentierte sie mit einem Werbespot, der die Welt ohne das Handwerk in drastischen Bildern zeigte.

Landrat Thomas Bold beglückwünschte die jungen Menschen im Namen des Landkreises und betonte: "Das Handwerk hat im Landkreis Bad Kissingen eine große Bedeutung."Man sei nicht nur stolz auf die Arbeits-, sondern auch auf die Ausbildungsleistung der Betriebe. Die Stellenanzeigen über alle Berufe hinweg zeigen dem Landrat, dass der Arbeitsmarkt viele Chancen eröffne - entweder als Mitarbeiter oder später als Selbstständiger. Mit diesen Chancen könne man sogar ein Lebenseinkommen erreichen, das über dem akademischer Berufe liege.

Bad Bocklets Bürgermeister Andreas Sandwall betonte, dass die Anwesenheit von Ehrengästen die Bedeutung der Ausbildung zeige und eine Wertschätzung der traditionellen Freisprechung darstelle. Auch wenn es einigen nicht bewusst ist, so werde es im Rückblick ein besonderer Tag sein, meinte Sandwall: "Es ist ein Tag der Zäsur in ihrem jungen Leben".

"Sie sind als Facharbeiter ein hohes Gut", merkte Walter Heußlein, der Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken an. Die Gesellinnen und Gesellen hätten Einsatzwillen über zwei oder drei Jahre hinweg gezeigt und sich damit eine Basis geschaffen, um die Herausforderungen der allgegenwärtigen Digitalisierung bewältigen zu können.

Den Betrieben bestätigte er, dass sie die Investitionen in die Ausbildung als "Fachkräftesicherung" erkannt hätten - dies zeige der Anstieg der Lehrverträge um 3,5 Prozent auf 2589 Ausbildungsverträge im unterfränkischen Handwerk. Oberstudiendirektorin Karin Maywald von der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen bedankte sich auch im Namen von Oberstudiendirektorin Christine Götz von der Jakob-Preh-Berufsschule Bad Neustadt für die gute Zusammenarbeit mit allen Partnern. Ihren ehemaligen Schülern gab sie eine Weisheit aus dem Altertum mit: "Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus Feiern - so wie heute!"

Im Anschluss an die Grußworte erfolgte die Freisprechung durch Kreishandwerksmeisterin Ulrike Lochner-Erhard mit den traditionellen Worten: "Kraft meines Amtes spreche ich sie von den Pflichten der Lehre frei. Sie sind nun Teil der großen Handwerksfamilie."

Im Anschluss wurden die Gesellenbriefe vom Innungsobermeister mit Handschlag und lobenden Worten übergeben - begleitet vom Applaus der Gäste.

Mit einem Buchpreis für besondere Leistungen bei der Gesellenprüfung wurden geehrt: Selina Fürst (Bäckerin, Ausbildungsbetrieb Amthor, Waltershausen), Michael Schulz (Maurer, AK Bauservice Nüdlingen), Lukas Meder (Hochbau-Facharbeiter, Bömmel-Bau, Nüdlingen), Lukas Kümmeth (Maler/Lackierer, Farbenhaus Bruckmüller, Münnerstadt), Philipp Schmitt (Metallbauer, Metallbau Saal, Thundorf), Bastian Schmitt (Schreiner, Firma Johannes Brand, Bad Kissingen) und Kerstin Betz (Kauffrau für Büromanagement, Weippert-Bau, Maßbach).

Historie Die Freisprechung hat ihren Ursprung in den Zünften. Seit dem späten Mittelalter ist die Frei- bzw. Lossprechung ein feierlicher Vorgang, durch den der Lehrling einst aus dem Familienverband des Meisters entlassen wurde und in ein lohnbezogenes Verhältnis zum Handwerksbetrieb trat. Der Meister bestätigte dem Lehrling die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse und so wurde er in die Gesellenrolle der Zunft eingetragen.

Sparten In diesem Jahr waren es 60 junge Menschen, die in folgenden Gewerken ihre Prüfung erfolgreich bestanden:

Bäckerinnung: 6 Bäcker und 5 Fachverkäuferinnen; Bauinnung: 7 Maurer/Hochbaufacharbeiter, ein Beton-/Stahlbetonbauer, ein Fliesenleger und 4 Straßenbauer/Tiefbaufacharbeiter; Friseurinnung mit 6 Prüflingen; Maler- und Lackiererinnung: 11 Prüflingen; Metallinnung: 2 Metallbauer; Schreinerinnung: 11 Tischler; 6 Kaufleute für Büromanagement, die in Handwerksbetrieben gelernt haben.kws

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