Münnerstadt

Münnerstadter Stadtarchiv platzt aus allen Nähten

Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling drängt auf eine Erweiterung seiner Depots im Ost- flügel des Gewölbekellers. Einen Raum hat die Kommune bereits hergerichtet.
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Klaus Dieter Guhling im kleinen Kellerraum der Zehntscheune. Die zusätzlichen Regale sind schon wieder voll.  Fotos: Thomas Malz
Klaus Dieter Guhling im kleinen Kellerraum der Zehntscheune. Die zusätzlichen Regale sind schon wieder voll. Fotos: Thomas Malz
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Wie viel die gesamten Unterlagen des Stadtarchivs im zweiten Obergeschoss der Zehntscheune wiegen, vermag niemand zu sagen. Es sind Tonnen - viele Tonnen. Und das sieht man auch. Es gibt Risse in den Balken und der Boden hat sich bereits gesenkt. Höchste Zeit, sich nach neuen Räumen umzusehen. "Mit dem Herrichten eines Raumes im Keller hat die Stadt einen ersten Schritt getan. Jetzt müssen weitere Schritte folgen", sagt Klaus Dieter Guhling. Zwar steht im Ostflügel ein rund 120 Quadratmeter großes Kellergewölbe zur Verfügung, ohne entsprechende Klimatisierung ist es aber als Archiv nicht zu gebrauchen. Die Unterlagen würden schlichtweg vermodern.

Zuvor war der Gewölbekeller als Depot des Henneberg-Museums genutzt worden. "Er war für diese Zwecke wenig geeignet", sagt der Stadtarchivar.
Für das Stadtarchiv sei der große Raum nur mit einer entsprechenden Klimatisierung nutzbar.

Wie so etwas aussehen kann, zeigt sich unmittelbar daneben. Da hat die Stadt einen rund 20 Quadratmeter großen Raum für das Stadtarchiv abgeteilt. Eine Heizung und ein Luftentfeuchter sorgen für eine gleich bleibende Temperatur von 13 Grad und eine Luftfeuchte von 50 Prozent. Das Klima wird genau überwacht und aufgezeichnet. Genau so etwas wünscht er sich für den großen Gewölbekeller. "Die Stadt muss einen Gutachter beauftragen, der Vorschläge macht, wie die Luftverhältnisse so verbessert werden können, dass eine Archivierung möglich ist", sagt der Stadtarchivar. Es sei halt immer ein Kraftakt, seine Wünsche durchzusetzen, meint er.

Wunsch und Realität

Und da bremst Bürgermeister Helmut Blank gewaltig. Es sei ja auch sein Traum gewesen, das Stadtarchiv im Keller der Zehntscheune unterzubringen. Aber angesichts der finanziellen Situation der Kommune könne der große Gewölbekeller derzeit nicht klimatisiert werden. Angedacht sei, einen weiteren kleinen Raum für das Stadtarchiv abzuteilen. Der Bürgermeister hat Klaus Dieter Guhling angeboten, dass er einen Raum in der ehemaligen Schule in Großwenkheim nutzen kann. Das aber hat der Archivar abgelehnt, wofür Helmut Blank auch Verständnis hat. Der Keller der Zehntscheune wird wohl weiterhin im Gespräch bleiben. "Zwischen Träumen und Realität ist ein großer Unterschied", sagt der Bürgermeister.

Zu den Realitäten zählt, dass sich das Volumen des Stadtarchivs in den letzten Jahrzehnten vervielfacht hat. Begonnen hatte alles in einem kleinen Raum im Deutschordensschloss, wo ausschließlich die nicht mehr benötigten Akten aus dem Rathaus eingelagert wurden. Klaus Dieter Guhling und sein Vorgänger Josef Willmann (†) haben daraus das Stadtarchiv in seiner heutigen Form gemacht.

Noch mehr Anfragen

Mit 115 Anfragen ist die Inanspruchnahme des Stadtarchivs im vergangenen Jahr erneut gewachsen. Teils forschen Menschen nach ihren familiären Wurzeln, teils sind es Studenten und Wissenschaftler , die für ihre Fach- und Forschungsarbeiten Unterstützung suchen. Und es ist vor allem die Stadtverwaltung, die Anfragen unter anderem von Rechtsanwälten und Behörden ans Archiv weiter leitet. Dabei geht es beispielsweise um Erbschaftsfragen. Bei dieser Gelegenheit räumt Klaus Dieter Guhling auch mit dem Vorurteil auf, dass das Stadtarchiv ein Luxus ist, den sich die Stadt mal eben gönnt. "Das Stadtarchiv ist eine Pflichtaufgabe", betont Klaus Dieter Guhling. Das bestätigt auch der Bürgermeister. "Wir haben wenige Pflichtaufgaben - aber die habe es in sich", sagt er. "Kindergärten, Schulen, Feuerwehr, Stadtarchiv."

Durch die Auslagerung selten benötigter Periodika und ähnlicher Dokumente in den kleinen Kellerraum hat sich die Lage im zweiten Obergeschoss der Zehntscheune zwar ein wenig verbessert, entspannt ist sie aber noch lange nicht. Und so wird Klaus Dieter Guhling weiter der Stadt mit dem Kellergewölbe in den Ohren liegen. Steter Tropfen höhlt den Stein, weiß er. Seine Erfolge in den letzten Jahren geben ihm Recht.
Nur bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger hat der Stadtarchivar noch keinen Erfolg verbuchen können. Da wird er wohl weiter am Ball bleiben müssen.
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