Münnerstadt

Münnerstadter Schüler tragen Hoffnung in die Welt

Die Lehrerin Silke Ledermann hat die Not vieler Menschen in Kolumbien gesehen. Die Schüler des Münnerstädter Gymnasiums wollen helfen und veranstalteten einen Aktionsnachmittag für die Stiftung "Camino de la Esperanza".
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Während ihrer Tätigkeit für "Camino de La Esperanza" kam Silke Ledermann auch in die bescheidene Unterkunft dieser jungen Kolumbianerin. Die Frau muss ihre Kinder alleine erziehen. Ihr Mann sitzt im Gefängnis.  Foto: privat
Während ihrer Tätigkeit für "Camino de La Esperanza" kam Silke Ledermann auch in die bescheidene Unterkunft dieser jungen Kolumbianerin. Die Frau muss ihre Kinder alleine erziehen. Ihr Mann sitzt im Gefängnis. Foto: privat
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Rund 75 Schüler des Münnerstädter Gymnasiums haben sich einen Nachmittag lang auf den Weg der Hoffnung gemacht. "Weg der Hoffnung" oder "Camino de la Esperanza" ist eine deutsch-kolumbianische Stiftung, die in der Stadt Villavicencio Bildung und Hilfe zu den Ärmsten bringen will. Silke Ledermann, Deutsch- und Religionslehrerin am Gymnasium, kennt die Stiftung und ihre Arbeit aus eigener Erfahrung. 2011 hat sie selbst dort für zwei Monate ehrenamtlich gearbeitet. "Das Geld kommt zu 100 Prozent an", betont sie. Für den Projektnachmittag hatten die Schüler Kuchen gebacken, verkauften Kaffee und Eine-Welt-Produkte und die Unterstufentheatergruppe spielte zugunsten der Kolumbienhilfe ein weihnachtliches Stück.
Silke Ledermann erzählt mit Begeisterung von Kolumbien und ihrer Tätigkeit in der Stiftung "Camino de la Esperanza". Dabei war Ledermann vor Reiseantritt durchaus skeptisch, was ihren Aufenthalt in Kolumbien betraf.
Hier kenne man das Land ja leider nur in Verbindung mit der Drogenmafia. Doch in Kolumbien angekommen, änderte sich ihre Skepsis ganz schnell. "Kolumbien ist ein schönes Land", betont sie. Sie spricht von ausgesprochen netten Menschen und von der unbürokratischen Hilfe, die die Stiftung "Weg der Hoffnung" den Ärmsten der Armen gewährt. Die Stiftung kümmert sich um Bedürftige in Villavicencio, einer Stadt mit 500 000 Einwohnern. Wie überall in Südamerika gibt es dort Elendsviertel. Hier setzt die Arbeit der Stiftung an, erklärt Ledermann. Kindern, auch Behinderten, wird ein Schulbesuch ermöglicht. Humanitäre Soforthilfe wird geleistet, wenn Familien nicht mehr weiter wissen. Neuestes Aufgabengebiet ist die Vergabe von Mikrokrediten. Außerdem kümmert sich die Stiftung um Menschenrechtsarbeit.

Leben in Hütten

"Die sind ganz nah an den Menschen dran", betont Silke Ledermann und meint die Stiftung "Weg der Hoffnung". Das hat sie selbst immer wieder miterlebt. Ledermann war in den zwei Monaten hauptsächlich in der Behindertenschule, dem Internat und in den Behindertenwerkstätten der Einrichtung im Einsatz, besuchte aber auch Familien in ihren bescheidenen Quartieren. Viele von ihnen leben in armseligen Hütten am Fluss. Bei Hochwasser versinken ganze Wohnviertel im Schlamm. Manches Mal werden sie sogar von den Fluten weggerissen, weiß Ledermann. Die Kinder leiden sehr häufig an chronischen Krankheiten. Um hier helfen zu können, braucht die Stiftung solche Spenden.

Prägende Erfahrung

Für die Lehrerin war Kolumbien eine prägende Erfahrung. Heute sieht sie bei uns vieles mit neuen Augen. "Unsere Schüler sind enorm gut ausgebildet", kann sie jetzt den Vergleich ziehen. Und sie sei empfindlicher geworden. Noch weniger als früher hat sie beispielsweise jetzt Verständnis dafür, dass bei uns so viele Lebensmittel weggeworfen werden.

Schüler helfen gerne

Am Schönborn-Gymnasium kam der Aktionstag gut an. Auch die Schüler finden gut, dass es ihn gibt."Cool", sei das, meint Sebastian Krischke. Es sei schön, dass so etwas für einen guten Zweck gemacht wird, findet der Zwölfjährige. Er deutet auf eine Informationswand mit Bildern, die über das Projekt aufklärt. "Wenn man die Bilder sieht, ist es schön, wenn man helfen kann", betont er. Er selbst steht an der Kuchentheke und verkauft mit seinen Klassenkameraden Selbstgebackenes. Auch seine Mitschülerinnen Hanna Werner und Ivo Stojiljkovic finden, dass es eine gute Aktion ist.

Kinder sensibilisieren

Auch Eltern sind an diesem Nachmittag gekommen, um ihre Kinder beim Theater spielen zu sehen und einen Kaffee zu trinken. Kerstin Hildenbrand meint, es sei gut, dass die Kinder bei diesem Aktionstag für solche Themen sensibilisiert werden.
Dem kann Schulleiter Joachim Schwigon nur zustimmen."Die Aktion macht mich stolz, wenn ich sehe, wie die Kinder sich engagieren", betont Schwigon.
Diesen Aktionstag am Gymnasium gibt es schon seit 2005. Ins Leben gerufen hat ihn Ursula Leicht, die ebenfalls Lehrerin am Gymnasium ist und damals familiäre Kontakte nach Sri Lanka hatte. Seitdem gibt es ihn jährlich im Advent.

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