Münnerstadt
Naturschutz

Zum Schutz seltener Vogelarten in Münnerstadt

Im östlichen Stadtgebiet führt der Kiebitz seine spektakulären Balzflüge auf. Damit das so bleibt, sind die Vogelschützer auf das Verständnis der Landwirte und Spaziergänger angewiesen.
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Matthias Franz hält nach Wiesenbrütern Ausschau. Im östlichen Stadtgebiet von Münnerstadt ziehen Kiebitze und Bekassinen ihren Nachwuchs auf. Thomas Malz
Matthias Franz hält nach Wiesenbrütern Ausschau. Im östlichen Stadtgebiet von Münnerstadt ziehen Kiebitze und Bekassinen ihren Nachwuchs auf. Thomas Malz
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Matthias Franz blickt zufrieden durch sein Fernglas. Der Wiesenbrüterberater vom Landesamt für Umwelt, der für den gesamten Landkreis Bad Kissingen zuständig ist, wird nicht enttäuscht. Mehrere Kiebitze sind zurückgekehrt, wollen im östlichen Stadtgebiet von Münnerstadt die nächste Generation aufziehen. "Kiebitze sind sehr ortstreu", sagt Matthias Franz. "Wenn erst einmal ein Vogel da ist, dann kommt er im nächsten Jahr auch wieder." Vorausgesetzt er findet gute Bedingungen vor.

Früher gab es einmal viele Kiebitze in der Region, später gar keine mehr. Dass sie nun wieder auf den Äckern im östlichen Landkreis brüten, ist einem so genannten Zugstau vor ein paar Jahren zu verdanken. Da waren die Kiebitze unterwegs von ihren Winterquartier zu ihren Brutplätzen im Norden. Doch ein Wintereinbruch im Nordosten Deutschlands auf ihrer Zugroute zwang sie dazu, ein paar Wochen zu bleiben. So haben sie dann hier gebrütet und sind im nächsten Jahr wiedergekommen.

Das tut der Kiebitz aber nur, wenn alles passt, sagt Matthias Franz. Ein gutes Nahrungsangebot braucht der Vogel ebenso, wie einen feuchter Boden und wenig Menschen und Tiere, die ihn stören. Wird er allzu oft gestört, verlässt er das Gelege. Kiebitze sind so genannte Wiesenbrüter. Dabei muss es gar keine Wiese sein, auf die die Vögel ihre Eier legen. Ein Rohbodenacker ist ihm sogar noch lieber, weiß Matthias Franz. Aber solche Äcker werden bearbeitet und der Vogelfreund kann nicht immer überall sein. "Deshalb sind wir auf Hilfe angewiesen", sagt er.

Wenn der Wiesenbrüterbeauftragte einen Kiebitz entdeckt hat, gibt er den Standort an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Bad Kissingen weiter. Die Mitarbeiter kontaktieren dann den betreffenden Landwirt. Wenn auf dem Feld beispielsweise Mais ausgesät werden soll, wird eine etwa 25 Quadratmeter große Fläche ausgespart. "Damit das Nest nicht unabsichtlich zerstört wird." Als Ausgleich bekommt der Landwirt von der Naturschutzbehörde eine kleine Entschädigung. "Die Kooperation mit den Landwirten und den Naturschutzbehörden klappt sehr gut", betont Matthias Franz. Er bittet die Landwirte darum, sich bei ihm unter wiesenbrueter.kg@web.de zu melden, wenn sie einen Wiesenbrüter entdeckt haben.

Wichtig ist, dass die Kiebitze bei der Brut nicht so oft gestört werden. Das betrifft vor allem auch Hunde. Deshalb appelliert Matthias Franz an die Hundehalter, die Tiere an die Leine zu nehmen und nicht auf den Wiesen und Feldern frei laufen zu lassen. Das gelte eigentlich immer, besonders aber von März bis Mai, wenn die Wiesenbrüter ihren nachwuchs heranziehen. An die Leine sollten die Tiere auch dann, wenn sie keinem anderen Tier etwas zu Leide tun. "Das weiß der Vogel nicht, für ihn ist jeder Hund ein Feind, er steht Todesängste aus", sagt Matthias Franz. Und wenn das öfter passiert kann es dazu führen, dass der Wiesenbrüter sein Gelege verlässt.

Inzwischen hat der Wiesenbrüterbeauftragte auch das erste Gelege entdeckt. Es wird also hoffentlich wieder Nachwuchs geben in der Flur im östlichen Stadtgebiet. Neben dem Kiebitz kommen im Landkreis noch die Bekassine, der Wachtelkönig und der Wiesenpieper vor. Dass die Natur im östlichen Stadtgebiet in Ordnung ist, zeigt sich noch an einem anderen Beispiel. Zufällig fliegt Matthias Franz ein Raubwürger vor das Fernglas. Das ist zwar kein Wiesenbrüter, aber der Vogel ist höchst selten. "Davon gibt es in Bayern höchstens noch zehn Brutpaare", sagt Matthias Franz.

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