Reichenbach bei Münnerstadt

Zum 40. Mal gab es den Hofreigen in Reichenbach

In Reichenbach lebt ein alter Kirchweihbrauch Jahr für Jahr wieder auf. Zum 40. Mal organisierte die Dorfjugend die Hofree.
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Beim milden Herbstwetter wurden auch die Finger der Musiker nicht kalt.Foto: Heike Beudert
Beim milden Herbstwetter wurden auch die Finger der Musiker nicht kalt.Foto: Heike Beudert
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Robin Hillenbrand, Hannes Winkler und Pascal Trost haben ihre erste Hofree in Reichenbach organisiert. Ein bisschen nervös waren sie schon, ob alles klappt. Aber die anderen jungen Leute im Dorf zogen gut mit und auf die Erwachsenen ist auch immer Verlass. So wurde der 40. Hofree im Dorf seit Wiedereinführung im Jahr 1974 eine rundum gelungene Sache."Wir finden gut, dass wir diesen Brauch weiter führen können", meint der 17-jährige Hannes Winkler. Es mache Spaß, das alles zu organisieren.

Die Hofree (Hofreigen) ist ein alter Kirchweihbrauch, der in früheren Zeiten am Kirchweihmontag durchgeführt wurde und vielleicht auch ein bisschen zur Brautschau diente. Denn Hauptpersonen sind bis heute immer die unverheirateten Burschen und Mädchen.

Am Kirchweihmontag lässt sich der Brauch nicht mehr durchführen. Der ist heute ja ein Arbeitstag. Aber ein Samstag ist auch gut. Und die Hauptakteure, die Tänzer und Tänzerinnen, müssen in Reichenbach noch immer unverheiratet und mindestens 16 Jahre alt sein. Die Musikanten dagegen dürfen schon unter der Haube sein. Sie spielen im Hof oder am Haus der Mädchen zum Tanz auf. Auch hier zeigt sich die Jugend traditionsbewusst. Zu hören ist bodenständige Blasmusik und kein Techno-Sound.

In zehn Häusern wurde in diesem Jahr getanzt und gefeiert. "Die Buben müssen bei den Eltern der Mädchen vorher fragen, ob das okay ist", erklären die Organisatoren. Ein bisschen schwierig ist nur, genug Tänzer für die Mädchen zu finden. Denn wenn´s ums Tanzen geht, da werden die Jungs mitunter zickig.



Alles läuft nach einem festgelegten Plan. Zuerst spielt die Musik beim Ortssprecher Fabian Nöth, der traditionell die Einwilligung zur Hofree geben muss; dann erst geht es zu den Mädchen. Die warten schon auf die muntere Schar und haben sich gut vorbereitet. Es wird nicht nur getanzt und musiziert, sondern auch gevespert. Bei der Familie Behr im Reichenbacher Unterland ist es beispielsweise Tradition, dass es belegte Stangen, Kaffee und auch Kuchen gibt. Wer da ist, kann zulangen: die Jugend, Musiker, Freunde, Nachbarn. Es ist für alle genug da.

Bei der Hofree ist der Zwischenstopp in den Häusern normalerweise eine gute Gelegenheit, sich aufzuwärmen. Eine warme Stube brauchte man heuer aber nicht. Dass es einmal so warm war wie ein diesem Jahr, daran können sich auch die langjährigen Musikanten nicht erinnern. Doch die Brotzeit schmeckt auch bei spätsommerlichen Temperaturen.

Meistens war es bei der Hofree deutlich kälter. Sandra Hammer betont, dass es im vergangenen Jahr den ersten Schnee gab. Und Bernd Hammer erzählt, dass er vor drei Jahren kaum mehr die Tasten an seinem Akkordeon gefühlt hat - so eingefroren waren seine Hände. Mit dem Leiterwagen zieht der Tross nach Walzer, Polka und einer Stärkung weiter. Der Wagen lässt sich von Station zu Station etwas schwerer ziehen. Denn für die Musiker und die Jugend gibt immer auch eine Wegzehrung Die ist die Grundlage für den zünftigen Ausklang des Hofree am Abend.

In Reichenbach ließ der Sängerkranz beim Planfest 1974 den Hofreigen wieder aufleben. Die Hofree könnte man auch als kleinen Ableger des Planfestes bezeichnen. Wie die Hofree sind die großen Planfeste alter Kirchweihbrauch.Auch hier bilden die Unverheirateten Tanzpaare, tanzen aber nicht in den Höfen, sondern um den Planbaum. Allerdings findet der Plantanz nur alle paar Jahrzehnte statt, die Hofree jährlich.

Der Plantanz 1924 in Reichenbach war auf jeden Fall von nachhaltiger Wirkung. In der Festschrift zum Planfest 1974 ist zu erfahren, dass alle Tanzpaare 1924 später auch Ehepaare wurden. Ob auch ein Hofreigen in den vergangenen 39 Jahren ein Tanzpaar dauerhaft zusammengebracht hat? Diese Frage blieb am Samstag unbeantwortet.

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