Poppenlauer
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Zehntscheune Poppenlauer ist 280 Jahre alt

Um die Zehntscheune in Poppenlauer umbauen und als Kulturscheune nutzen zu können, benötigt das Denkmalamt ihr Alter. Das wurde jetzt ermittelt.
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Der Wissenschaftler Georg Brütting (links) bohrte Löcher in zehn Balken der  Zehntscheune in Poppenlauer, um anhand der Bohrkerne das Alter zu  bestimmen.  Interessiert schauten der 2. Bürgermeister Wolfgang Rützel  (2. v. l.), Marktgemeinderat Winfried  Streit (3. v. l.) und Armin Gernert vom Bauamt  der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach (rechts) ihm über die Schulter.Dieter Britz
Der Wissenschaftler Georg Brütting (links) bohrte Löcher in zehn Balken der Zehntscheune in Poppenlauer, um anhand der Bohrkerne das Alter zu bestimmen. Interessiert schauten der 2. Bürgermeister Wolfgang Rützel (2. v. l.), Marktgemeinderat Winfried Streit (3. v. l.) und Armin Gernert vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach (rechts) ihm über die Schulter.Dieter Britz
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Im Jahr 1739 regierte in München Kurfürst und Herzog Karl Albrecht von Bayern, der 1742 deutscher Kaiser wurde. In Poppenlauer allerdings hatte er nichts zu sagen, denn das Dorf gehörte nicht zu Bayern, sondern zum Fürstbistum Würzburg mit Bischof Friedrich Karl Reichsfreiherr von Schönborn-Buchheim an der Spitze.

Außerdem wurde im Jahr 1739 mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zehntscheune im Schrimpf'schen Schloss errichtet. Das ist aber erst seit wenigen Tagen bekannt, denn weder Akten noch Baupläne, Baugenehmigungen oder Zeitungsberichte sind überliefert. Mit Hilfe der Dendrochronologie, also durch das Auszählen der Jahresringe der verwendeten Balken, konnte ermittelt werden, wann die zum Bau verwendeten Eichen und Fichten gefällt und zu Balken verarbeitet wurden.

Wie mehrfach berichtet, haben der Musikverein Poppenlauer, der St. Georgsverein Poppenlauer und der Heimatverein Maßbach Pläne entwickelt, aus der alten Zehntscheune, die seit 20 Jahren der Marktgemeinde gehört und seit noch längerer Zeit ein Dornröschen-Dasein führt, eine Kulturscheune mit einem breiten Angebot zu machen. Geplant sind dort Veranstaltungen von Konzerten über Lesungen bis Theater und sie soll auch für Bürgerversammlungen, als Wahllokal oder für Musik- und Theaterproben ganzjährig genutzt werden. Die Initiatoren durften ihre Pläne Anfang des Jahres im Marktgemeinderat vortragen.

Die Mitglieder zeigten sich nicht abgeneigt. Entscheidend für die Finanzierung des Projektes ist, dass die Marktgemeinde dafür Geld aus dem Städtebauförderungsprogramm und vielleicht auch aus LEADER (ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden) bekommt, betonte Bürgermeister Matthias Klement im Gespräch mit unserem Mitarbeiter. Nun müssen Architekten ausloten, was in den Räumen machbar ist und Statiker die Tragfähigkeit der ganzen Konstruktion prüfen.

Auch das Landesdenkmalamt hat ein Wort mitzureden, wenn ein uraltes Gebäude, das in der Liste der Baudenkmäler aufgeführt ist, gründlich umgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt werden soll. In dieser Liste heißt es kurz und knapp "Zehntscheune, Walmdachbau, wohl 17./18. Jahrhundert". Das Landesdenkmalamt verlangte, bevor es seine Zustimmung gibt, eine genaue Altersbestimmung der Zehntscheune. Schriftliche Unterlagen existieren jedoch nicht. Deshalb beauftragte die Marktgemeinde die Firma Dendroscan aus Ebermannstadt, mittels Holzproben das Alter zu ermitteln.

Georg Brütting, der auch einen Lehrauftrag an der Universität Bamberg hat, schaute sich zunächst in der Scheune um und stellte nach einem Blick nach oben fachmännisch fest "aus der Zeit vor 1500 stammt sie definitiv nicht, eher nach dem 30-jährigen Krieg. Die Grundmauern können natürlich älter sein". Interessiert schauten der 2. Bürgermeister Wolfgang Rützel (Wählergemeinschaft Poppenlauer), Winfried Streit (Bürgerblock Poppenlauer) und Armin Gernert vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach zu, wie Brütting nach und nach Löcher in vier ausgewählte Eichenbalken im Erdgeschoss und sechs Fichtenbalken im Dachgeschoss bohrte. Die starke Akkubohrmaschine, die er verwendete, war ein ganz normales Exemplar. Doch seine dicken Bohrer hatten es in sich. Sie waren hohl und ermöglichten es, Bohrkerne aus den Balken zu entnehmen. Die Bohrkerne nahm Georg Brütting mit ins Labor, zählte die Jahresringe und verglich ihre unterschiedliche Abfolge und Dicke mit bekannten Baumring-Kalendern.

In seinem Gutachten für die Marktgemeinde schreibt er "die Eichenproben ... und die Fichtenproben ... datieren einheitlich mit neun erhaltenen Winterwaldkanten 1738/39. Die Bäume wurden demnach in den Wintermonaten 1738/39 gefällt und mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe des Jahres 1739 verbaut." Nur bei einem der verarbeiteten Balken ist die Winterwaldkante, also die äußerste Rinde, nicht vorhanden und deshalb kann das Alter des Balkens nicht ganz genau bestimmt werden. Die Zehntscheune im 1456 erstmals urkundlich erwähnten Schrimpf'schen Schloss wurde also "mit hoher Wahrscheinlichkeit" vor 280 Jahren gebaut, wie Georg Brütting feststellt.

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