Münnerstadt

Wilde Faschingsgesellen in Aktion

"Spiermänner", "Fosenöchter" und "Blaue Jüde" sorgen bei der Vernissage der "Rhöner Holzmasken" für traditionelle Atmosphäre. Im Hennebergmuseum sind Exponate zu sehen, die fast 200 Jahre alt sind.
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Die sogenannten "Blaue Jüde” aus Weisbach treiben mit den Besuchern der Vernissage ihren Schabernack. Foto: Björn Hein
Die sogenannten "Blaue Jüde” aus Weisbach treiben mit den Besuchern der Vernissage ihren Schabernack. Foto: Björn Hein
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Im Henneberg-Museum in Münnerstadt ist eine neue Sonderausstellung zu sehen. "Rhöner Holzmasken" aus dem Rhönmuseum verschaffen den Besuchern einen Eindruck von der Vielfalt der Faschingsbräuche in der Rhön. Außerordentlich gut besucht war die Vernissage. Rund 60 Personen hatten sich im Deutschordensschloss eingefunden, um die Holzmasken in Augenschein zu nehmen.
Museumsleiter Björn Hein sagte, dass der Fasching aus wissenschaftlicher Sicht bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Forschungsarbeiten stellten heraus, dass der Rhöner Brauch des Holzmasken-Tragens sehr viel später in Oberelsbach entstanden sei. Die Entstehungszeit der Masken, die in der Ausstellung zu sehen sind, reicht zurück bis in etwa die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts. Damals wie heute boten die Masken auch Schutz, um sich ein wenig über die Obrigkeit lustig zu machen - und natürlich erschreckte man damals wie heute die Menschen mit den Masken. "Unter dem Deckmantel der Maske konnte man dies ungestraft tun", sagt Hein.

Von Dorf zu Dorf unterschiedlich

Doch sei der Fasching auch eine Zeit gewesen, zu der die verschiedenen Konfessionen aufeinander zugingen und miteinander feierten. "Hier wurden Unterschiede überwunden, sowohl des Standes als auch der Religion", meinte Hein. Dies sei sehr wichtig gewesen. Die Bräuche von damals haben sich den Worten des Museumsleiters nach bis heute erhalten. "Man ist in den Rhöndörfern stolz auf diese Tradition und trägt sie von Generation zu Generation weiter", sagt Hein. Dabei seien die Unterschiede von Dorf zu Dorf oft erheblich. Vergleiche man die Masken und Kostüme aus Oberelsbach mit denen aus Unterelsbach oder denen aus Weisbach, so könne auch der Laie große Unterschiede wahrnehmen.
Damals wie heute sei der Fasching eine Zeit, in der man sich immer auch ein klein wenig vor den Verkleideten fürchtet, sagte die Leiterin von Kultourismus im Schloss, Inge Bulheller. Sie selbst verbrachte ihre Kindheit im Markt Oberelsbach. "Man hatte schon etwas Angst vor den wilden Gesellen und war froh, wenn man sich heil an ihnen vor überschleichen konnte", sagte Bulheller mit einem Schmunzeln. Wie es ist, von den Fastnachtsgesellen erschreckt zu werden, konnten die Besucher der Vernissage machen. So hatte die Bürgermeisterin des Marktes Oberelsbach, Birgit Erb, zahlreiche Fastnachtsgesellen aus ihrer Gemeinde einbestellt. Die "Spiermänner" aus Oberelsbach, die "Fosenöchter" aus Unterelsbach und die "Blaue Jüde" aus Weisbach waren in ihrer traditionellen Verkleidung und Originalmasken erschienen, um den Zuschauern einen Eindruck von der Fastnacht zu vermitteln, und das kam sehr gut an. Mit wilden Rufen verstanden es die Fastnachtsgesellen, die Besucher in Schrecken zu versetzen.

Masken-Malwettbewerb

Hermine Fick vom Rhönmuseum führte durch die Ausstellung und erklärte viele Details der ausgestellten Masken. Den Zuschauern hat die Vernissage und das dazugehörige "Actionprogramm" sehr gut gefallen. Museumsleiter Björn Hein bedankte sich für die Zusammenarbeit mit "Kaufhaus" Mürscht. Auf der Homepage www.kaufhausmuerscht.dekann die Vorlage zu einem Masken-Malwettbewerb heruntergeladen werden. Die schönsten Masken werden mit einem kleinen Präsent belohnt und ausgestellt.
Wer einmal das Maskentreiben auf dem Oberelsbacher Marktplatz live erleben will, kann dies am Sonntag, 1. Februar, ab 14 Uhr. Dann findet dort der traditionelle Maskenzug mit Musik und Rahmenprogramm statt. Weitere Infos dazu gibt's im Internet unter www.oberelsbach.de. Für alle, die sich näher für die wissenschaftliche Seite der Masken interessieren, spricht am 29. Januar Astrid Hedrich-Scherpf im Vortragsraum des Deutschordensschlosses. Die Referentin, die sich seit vielen Jahren mit der Thematik befasst, wird die Tradition der Fasenacht und des Maskentragens erläutern.

Die Sonderausstellung kann bis 18. Februar zu den Öffnungszeiten von Kultourismus im Schloss besucht werden. Diese sind dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr.


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