Münnerstadt
Ausstellung

Väterchen Frost statt Christkind und Co

Horst Kreutz präsentiert in der Kleinen Galerie im Münnerstädter Seniorenzentrum Adventskalender aus der ganzen Welt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Horst Kreutz zeigt in der Kleinen Galerie im Seniorenzentrum Sankt  Elisabeth eine kleine Auswahl aus seiner Adventskalender-Sammlung mit  Exponaten aus vielen Ländern. Dieter Britz
Horst Kreutz zeigt in der Kleinen Galerie im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth eine kleine Auswahl aus seiner Adventskalender-Sammlung mit Exponaten aus vielen Ländern. Dieter Britz

"Bei 200 habe ich aufgehört zu zählen", antwortet Horst Kreutz auf die Frage, wie viele Adventskalender er denn eigentlich besitzt. Auch dieses Jahr präsentiert er 18 besonders schöne Stücke aus seiner Sammlung in der Kleinen Galerie im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth. "Intensiv habe ich Adventskalender seit 1973 gesammelt, als ich nach Münnerstadt kam, aber vorher auch schon sporadisch" erzählte der pensionierte Kunsterzieher, der bis 1997 am BBZ (Berufsbildungszentrum Münnerstadt) tätig war. Inzwischen hat er mit dem planmäßigen Sammeln aufgehört, aber wenn er schöne Kalender bekommt, dann freut er sich noch immer darüber.

Horst Kreutz weiß sehr viel über Adventskalender, aber auch über Weihnachtsbäume und über Adventskränze und erzählte den bei der Ausstellungseröffnung anwesenden Gästen einiges. Selbst gebastelte, zum Teil sehr einfache Adventskalender gab es schon im 19. Jahrhundert. Den ersten gedruckten Adventskalender in Form einer Weihnachtsuhr veröffentlichte im Jahr 1902 die evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg. Der erste Adventskalender im süddeutschen Raum erschien im Jahr 1908 im Münchner Verlag Reinhold & Lang. Er hatte kleine Felder mit vorweihnachtlichen Motiven, ist also schon ein Adventskalender, wie wir ihn heute kennen. Verleger Lang hatte Verbindung zu Künstlern in München, die für ihn Adventskalender malten.

Im Ersten Weltkrieg war kein Platz für Adventskalender. Aber 1919/20 machte der Verlag Reinhold & lang weiter und schuf bis 1940, als die Arbeit kriegsbedingt eingestellt werden musste, etwa 50 Adventskalender. Doch zwei bis drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges genehmigten die Besatzungsmächte wieder den Druck von Adventskalendern. Horst Kreutz zeigt an Beispielen, dass heute der Nachdruck von historischen Adventskalendern mit christlichen Motiven im Hintergrund sehr beliebt ist. Hinter den Türchen, die speziell die Kinder jeden Tag öffnen dürfen, "befindet sich Schokolade sehr zur Freude der Zahnärzte", meinte er ironisch. Das habe ihn bewogen, seine Sammelleidenschaft zu beenden.

Der Künstler und Fotograf Horst Kreutz hat Reisen in sehr viele Länder in Europa und darüber hinaus unternommen und dabei auch manchen Adventskalender erwerben können, der jetzt einen Platz in seiner Sammlung hat. Diese Stücke belegen, dass Adventskalender alles andere als unpolitisch sind. In der Sowjetzeit durften sie natürlich keine christlichen Motive darstellen. Auf einem wirklich schönen Kalender wird dafür "Väterchen Frost" im Hintergrund gezeigt. Dass DDR-Adventskalender ohne christliche Motive auskommen müssen verwundert auch nicht weiter. Dafür werden hier zum Beispiel ein Lebkuchenhaus oder das "Geschenkezimmer des Weihnachtsmannes" benützt.

Inzwischen hat der Adventskalender sogar den häuslichen Rahmen verlassen und geht in den öffentlichen Raum. Als Beispiel in allernächster Nähe nannte Horst Kreutz das Heimatsspielhaus. Dort wird bis zum Heiligen Abend jeden Tag ein Fenster mehr mit einem weihnachtlichen Motiv erleuchtet. Im Namen des Freundeskreises Sankt Elisabeth dankte Karl Beudert Horst Kreutz, dass dieser seit Jahren die Ausstellungen in der kleinen Galerie organisiert. Er betonte, dass die jetzige Ausstellung mit Adventskalendern Erinnerungen an die Jugendzeit weckt. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Kreutz auch in den nächsten Jahren weitermacht. Dieser verriet, dass er auch für 2019 bereits Pläne für Ausstellungen hat. Die Ausstellung "Adventskalender" im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth ist bis zum 6. Januar geöffnet. Die Kleine Galerie befindet sich im Erdgeschoss gleich rechts.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren