Münnerstadt
Einblick

Thomas Habermann gab Einblicke in das Leben eines Landrats

Im Münnerstädter Erzählcafé traf der Neustädter Landrat Thomas Habermann auf seinen ehemaligen Lateinlehrer, Baldur Kolb.
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Baldur Kolb (links), Organisator des  Erzählcafés im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth, war vor Jahrzehnten  Lateinlehrer von Thomas Habermann, dem heutigen Landrat des  Rhön-Grabfeld-Kreises.Dieter Britz     --
Baldur Kolb (links), Organisator des Erzählcafés im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth, war vor Jahrzehnten Lateinlehrer von Thomas Habermann, dem heutigen Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises.Dieter Britz --
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Thomas Habermann hatte offenbar ein klein wenig ein schlechtes Gewissen bei seinem Auftritt im Münnerstädter Erzählcafé des Seniorenzentrums St. Elisabeth. "Normalerweise wildern wir Landräte nicht in fremden Revieren. Ich rufe nachher gleich Thomas Bold an und gestehe ihm, dass ich hier war," verriet der Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises den zahlreichen Gästen. Baldur Kolb hatte mit ihm das Thema "bürgernahe Politik - Aufgaben eines Landrates" ausgemacht. Beide kennen sich seit Jahrzehnten, denn der Organisator des Erzählcafés war Anfang der 1970er Jahre am Gymnasium in Bad Neustadt der Lateinlehrer des heutigen Landrates.

"Ein Landrat hat viele Möglichkeiten und viel Macht. Bei einem Notstand wie bei der Schneekatastrophe vor wenigen Wochen in Oberbayern kann er den Notstand ausrufen", wusste Baldur Kolb und auch, dass die Mutter von Thomas Habermann in Bad Neustadt eine langjährige hoch angesehene Stadträtin war. "Er hat das Ohr am Munde des Volkes. Kein Tag, an dem Thomas Habermann nicht in der Zeitung erwähnt wird. Das beste Foto ist immer das vom Almabtrieb" war Baldur Kolb aufgefallen. Thomas Habermann konterte diese Feststellung mit einer Weisheit seiner Großmutter: "Anständige Leut‘ stehen nicht oft in der Zeitung".

Thomas Habermann schilderte vor allem, welche Aufgaben der Landkreis und der Landrat haben. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Landkreisen und den beiden Landräten sei sehr gut, zumal die Grenzen willkürlich bezogen worden seien. Mürscht bilde sozusagen die Schnittstelle zwischen beiden Kreisen.

Er vergaß auch das Menschliche nicht ganz und erzählte, dass sein Großvater Gymnasiallehrer in Schweinfurt und Mitglied des dortigen Stadtrates war. Der Vorsitzende der Fraktion der bayerischen Volkspartei verkündete im Januar 1933 bei einer Versammlung: "Wer Hitler wählt, wählt den Krieg" und wurde prompt von den Nazis verhaftet.

Habermann erzählte, dass er am Wochenende oft zehn bis 15 Termine im Landkreis absolviert und dort mit unterschiedlichen Menschen zusammenkommt, die ihm ihre Sorgen und Probleme mitteilen. Da sei der Polizeibeamte, der unbedingt wieder von München in die Heimat versetzt werden will, dort gehe es um Umweltschutzauflagen oder um Baugesuche. "Das reicht querbeet" sagt Thomas Habermann. Er notierealles auf kleinen Zettelchen und bei der Amtsleiter-Besprechung am Montagmorgen danach im Landratsamt gebe er diese Anliegen weiter an seine Mitarbeiter zur Bearbeitung. Wer die Kontakte zu den Menschen und die Veranstaltungen nicht mag, dürfe nicht Landrat werden, betonte er. "Die Gemeinde ist die Urzelle der staatlichen Gemeinschaft, was ihre Leistungskraft aber übersteigt, wird vom Landkreis erledigt", erklärte Habermann. Als Beispiel nannte er Krankenhäuser, Gymnasien oder berufliche Schulen. Der Landkreis sei aber auch Rechtsaufsichtsbehörde für die Gemeinden, zuständig für das Jugendamt, für Sozialhilfe, Baurecht, Jagdrecht, Katastrophenschutz. Ihm unterstehen das Veterinäramt und das Gesundheitsamt, der Katastrophenschutz und vieles mehr. Der Landrat selbst habe wie der römische Gott Janus zwei Köpfe, die in verschiedene Richtungen blicken, schilderte Thomas Habermann seine Stellung. Einerseits ist er gesetzlicher Vertreter und oberster Chef des Landkreises für seine kommunalen Aufgaben. Andererseits ist er auch Leiter der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde und damit sozusagen Statthalter der Regierung des Freistaates Bayern im Landkreis Bad Kissingen. Dies bringe Interessengegensätze mit sich. Deshalb müsse er jeden Tag Kompromisse finden, was nicht immer einfach sei.

Die Arbeit des Landrates spielt sich lange nicht nur im Landratsamt ab. Sogar mehrfach in der Woche müsse er in München präsent sein. "Dann heißt es um 5 Uhr aufstehen und um 5.30 Uhr losfahren," erklärte er. Natürlich chauffiert ihn sein Fahrer mit einem Dienstwagen in die Hauptstadt des Freistaates. Er hat ein Telefon dabei, natürlich kann er E-Mails senden und empfangen und bearbeitet während der Fahrt Akten - "bei solchen Fahrten ist mein Auto mein Büro". An dem Tag, an dem er nachmittags im Erzählcafé von Sankt Elisabeth zu Gast war, nahm er morgens noch in München an einer Präsidiums-Sitzung des bayerischen Landkreistages teil. Dort stellte sich der neue Kultusminister vor. Es ging in erster Linie um das Thema "digitale Ausstattung der Schulen", was auch den Landkreis betrifft, denn das kostet für die kreiseigenen Schulen Geld.

Als Vertreter aller bayerischen Landräte sitzt Thomas Habermann im Landesdenkmalrat, außerdem ist er Mitglied im Rundfunkrat. Alle deutschen Landkreise vertritt er im europäischen Ausschuss der Regionen in Brüssel, einer beratenden Einrichtung der EU, die sich aus 350 lokal und regional gewählten Vertretern aller 28 Mitgliedsländer zusammensetzt. 24 Mitglieder kommen aus Deutschland. "Neben mir sitzt ein Bürgermeister aus Zypern, hinter mir ein Vertreter aus Südtirol" erzählte er und "1914 hätte es den Krieg nicht gegeben, wenn es solche Gremien gegeben hätte. Wo Menschen miteinander sprechen, schießen sie nicht".

Gegen Ende seines mit viel Beifall bedachten Vortrags bekannte er noch "ein Landrat hat auch eine Familie und muss dafür sorgen, dass sie nicht zu kurz kommt. Ich sage auch mal einen Termin ab wegen der Familie".L

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