Reichenbach bei Münnerstadt
Fest

Reichenbach: Taubenzüchter feiern Jubiläum

19 Taubenfreunde legten am 8. August 1959 den Grundstein einer Erfolgsgeschichte. Am Wochenende feiert der Brieftaubenclub 0123 Reichenbach mit einer Sonderausstellung seinen 60. Geburtstag.
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Josef Ludsteck zeigt eine Konstatieruhr, mit deren Hilfe um 1970  die Sieger ermittel wurden. Solche Dinge werden bei der Ausstellung anlässlich des 60-jährigen Jubiläums zu sehen sein. . Thomas Malz
Josef Ludsteck zeigt eine Konstatieruhr, mit deren Hilfe um 1970 die Sieger ermittel wurden. Solche Dinge werden bei der Ausstellung anlässlich des 60-jährigen Jubiläums zu sehen sein. . Thomas Malz

Josef Ludsteck kann sich noch genau an die Gründungsversammlung erinnern. "Damals war ich zwölf", sagt er. Aber angefangen hat er noch früher. Im Elternhaus gab es einen leeren Taubenschlag von seinem Onkel, der aber nicht mehr dort wohnte. Ich war acht Jahre alt, als die ersten Tauben unter dem Weihnachtsbau standen. Josef Ludsteck weiß noch genau, wie sehr er sich darüber gefreut hat.

Weil es noch mehr von Tauben begeisterte Sportfreunde in Reichenbach und in Windheim gab, wurde der Brieftaubenclub gegründet. Ein Jahr später, also 1960, gewann Josef Ludsteck in der gesamten Saison fünf Preise. "Ich war so stolz", weiß er noch heute. Die ersten Urkunden hat er heute noch. "Dabei gewinnen manche Züchter bei einem einzigen Flug fünf Preise", sagt er. "Und mehr."

Beinahe 50 Jahre ist Josef Ludsteck nun auch schon Schriftführer beim Brietaubenclub und hat die wichtigsten Daten zusammengetragen. Zwölf Taubenfreunde aus Reichenbach und sieben aus Windheim trafen sich am 8. August 1959, um den Brieftaubenclub zu gründen, der zu ihrer Freude die Vereinsnummer 0123 bekam. Erster Vorsitzender war Ernst Müller aus Reichenbach. Der Monatsbeitrag lag bei 50 Pfennig und wurde von Kassier Bernd Söder und Hilfskassier Josef Ludsteck eingesammelt, die monatlich von Haus zu Haus gingen. Der Verbandsbeitrag lag bei drei Mark. Damals, so erinnert sich Josef Ludsteck, wurden die Tauben noch per Bahn vom Niederläurer Bahnhof zum Auflassort transportiert.

Die Gründungsmitglieder, die das Jubiläum erleben dürfen, sind Theo Tüchert, Rudolf Seith, Ernst Seith, Erhard Beck, Franz Hein, Lothar Back und Josef Ludsteck. Zwölf Gründungsmitglieder sind bereits verstorben. "Wir gedenken ihnen bei jeder Versammlung unter dem Tagesordnungspunkt Totenehrung." Anton Mahlmeister kam ein paar Jahre nach der Gründung zum Verein, leitete dann aber 50 Jahre lang ununterbrochen als Vorsitzender die Geschicke des Brieftaubenclubs. Josef Ludsteck beschreibt "unseren Anton" als umsichtig, ehrlich, unermüdlich, kameradschaftlich und gönnerhaft. "Ein Vorstand, wie man sich ihn nur wünschen kann, mit Fachwissen und Fröhlichkeit - so prägte er die Vereinslandschaft." Er ist Ehrenvorsitzender der Brieftaubenclubs Reichenbach und Ehrenpräsident der Reisevereinigung Münnerstadt, deren Vorsitzender er auch 17 Jahre lang war, und Träger der Goldenen Verbandsnadel.

Anton Mahlmeister und Ernst Müller sind die Väter des Vereins, der jetzt auf sein 60-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Ernst Müller verstarb plötzlich und unerwartet etwa einen Monat nach seinem 75. Geburtstag, zu dem die Brieftaubenfreunde ihm noch einen Geschenkkorb überreicht hatten. Anton Mahlmeister war 50 Jahre lang bis zum 3. Oktober 2015 Vorsitzender.

Heute hat der Verein einschließlich der Passiven 30 Mitglieder. Vier Taubenschläge nehmen derzeit an den Flügen teil, elf Sportfreunde sind dafür zuständig, darunter sind vier Jugendliche, worauf der Vereins besonders stolz ist.

Gerne erinnern sich die Taubenfreunde an den früheren Stadtrat Karl "Charly" Scharf, der ebenfalls Mitglied war und bei den Preisverteilungen immer mit ihnen gesungen hat. Dass das Jubiläum jetzt, also ein paar Monate nach dem eigentlichen Geburtstag gefeiert wird, hat natürlich einen Grund: "Weil ,Taubenfuggerer' bekanntlich von März bis September keine Zeit haben, da werden die Tauben besonders gepflegt und auf die Altpflege oder im August und September auf die Jungflüge vorbereitet."

In all den Jahren waren nicht nur die Tauben unterwegs, sondern die Züchter. Von Kühlungsborn an der Ostsee bis Elisabethszell im Bayerischen Wald gingen die Touren.

Das Jubiläum wird nun am Samstag, 23. und am Sonntag, 24. November, im Reichenbacher Sportheim gefeiert. Die Schirmherrschaft hat 2. Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler) übernommen. Er wird die Ausstellung am Samstag um 13 Uhr eröffnen. Um 19 Uhr findet dann der Festabend mit Ehrungen der Reisevereinigung und der Brieftaubensportgemeinschaft statt. Am Sonntag hat die Ausstellung von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Ab 12 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion mit dem Spitzenzüchter Marco Mattis, der unter anderem über die Versorgung von Brieftauben und ihre Krankheiten berichten wird.

Gezeigt werden nicht nur schöne und leistungsfähige Tauben, sondern auch Gebrauchsgegenstände und Utensilien eines Taubenliebhabers von 1960. Die Spanne reicht von damals bis heute, wo bei den Züchtern das Internet eine wichtige Rolle spielt. Für die Verpflegung der Besucher ist an beiden Tagen gesorgt.

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