Poppenlauer

Poppenlauer: Die Plätze reichten kaum aus

Das Münchner Ensemble "Classic Brass" kam einst mehr aus Zufall nach Poppenlauer. Jetzt spielten die Musiker schon zum zehnten Mal im Lauertal.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Münchner Ensemble "Classic Brass" unter der Leitung von Jürgen Gröblehner war wieder für ein Konzert in Poppenlauer. Rund 300 Gäste hörten zu. Foto: Hartmut Hessel
Das Münchner Ensemble "Classic Brass" unter der Leitung von Jürgen Gröblehner war wieder für ein Konzert in Poppenlauer. Rund 300 Gäste hörten zu. Foto: Hartmut Hessel

Der Neubeginn des Jahres hat für den Ort Poppenlauer im Lauertal heute und, wie die Verantwortlichen es sich vorstellen können, auch in naher Zukunft eine höchst interessante musikalische Bedeutung. Zu Gast in der evangelischen Auferstehungskirche war das Münchner Ensemble "Classic Brass" unter der Leitung von Jürgen Gröblehner. Wie es dazu kam und was daraus geworden ist, ist für Organisator Reiner Müller wie eine Stecknadel im Heuhaufen, ein für Poppenlauer sehr glücklicher Zufall. Zum Rakoczyfest 2010 in Bad Kissingen konnten die Veranstalter dem neu gegründeten Ensemble "Classic Brass" keinen geeigneten Spielort bieten. Es erfolgte ein Anruf bei Reiner Müller, der im Dorf bereits für verschiedene kulturelle Angebote sorgte und innerhalb einer Woche wurde der erste Auftritt in der evangelischen Kirche realisiert. 34 Besucher fanden sich damals ein. Der Bandleader war nicht traurig, denn auch die gute Akustik trug dazu bei, ein weiteres Konzert zu vereinbaren. Es war jetzt der 10. Auftritt des international renommierten Kammerensembles, dessen Gastspiel seit einigen Jahren auf die ersten Januartage verlegt wurden. Das ist für die Zukunft ein gutes Omen, denn das gesamte Lauertal wurde aufmerksam und kommt in Scharen, diesmal über 300 Besucher.

"A World of Music" heißt das Konzertprogramm 2020 und Jürgen Groblehner weist sichtlich mit Stolz auf die Tradition, dass die Konzertreihe 2020 in Poppenlauer beginnt und sich der Erfolg sich bei den vielen Reisen im In- und Ausland bestätigt. Der Einzug der Musiker glich bereits zu Beginn einem Triumphzug, denn man kannte sich ja. Nur ging es diesmal enger zu beim diesjährigen Konzert. Reiner Müller musste vorher wegen des Andrangs noch Stühle aufstellen.

Ein fröhlicher Auftakt mit dem "Rondeau" von Jean-Joseph Mouret (1682-1738). Im folgenden Stück war mit Georg F. Händels (1685-1759) "Einzug der Königin von Saba" die jauchzenden Trompeten, die das Triumphale dämpfende Tuba und die verbindende Posaune zu hören, verbunden mit einer Fröhlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch den Konzertabend zog. Neben Jürgen Groblehner, waren es der Tubaist Roland Krem und der Hornist Christian Fath, die die Übergänge mit viel Witz, viel Musikinformationen und manchen Kalauern moderierten. Zoltan Nagy hatte genug mit seinen verschiedenen Trompeten zu tun, die er in ungeahnte Höhen und Tiefen seines Metiers führte. Christian Fath ist derjenige, der viele Stücke für Brass-Konzerte arrangiert und der auch als Komponist tätig ist. Seine Handschrift war ebenso bei Antonio Vivaldis (1678-1741) zwei Sätzen der "Nulla in munda pax sincera" zu hören. Dass es keinen wahren Frieden in der Welt geben kann, ist für Vivaldi, der in jungen Jahren Priester werden musste, bevor er erfolgreicher Komponist, meist für Violine, wurde, ein aus dem Leben gegriffener Satz, der bis heute von seiner Aktualität nichts eingebüßt hat. Die Classic Brass- Interpretation ließ keine Wünsche offen, auch dank der besonderen Einbindung der Posaune, das der offensichtliche Publikumsliebling Szabolcs Horváth später in anderen Stücken als Führungsinstrument virtuos einbrachte. Der chronologische Aufbau des Konzerts mit Komponisten aus vier Jahrhunderten und Stücken mit teils kirchlichem und weltlichen Bezügen führte im ersten Abschnitt Engelbert Humperdinck (1854-1921) mit einer Suite aus "Hänsel und Gretel" in die Auferstehungskirche ein. Bekannt dabei unter anderem "ein Männlein steht im Walde". Nach der kulinarischen Pause blieb das Märchen Thema des kleinen Orchesters: "Drei Nüsse für Aschenbrödel" von Karel Swoboda (1938-2007) waren zu hören. Die "Hits" aus "Carmen" von Georges Bizet (1838-1875) brachten den Musikern frenetischen Beifall. Nicht minder bei dem Medley deutschen Liedguts, bei dem Christian Fath die Gassenhauer der Volksliedsammlung so arrangierte, dass ein Mitsingen, wegen der schnellen Wechsel tunlichst vermieden werden sollte. Mit einem kleinen Ausflug in die Filmmusik der siebziger Jahre "The Way We Were", damals gesungen und gespielt von Barbra Streisand, jetzt jazzig dargeboten von "Classic Brass", sowie das an eine Schlagerschnulze erinnernde "Ich hol dir die Sterne vom Himmel" fanden eine geniale Umsetzung in den Arrangements für fünf fantastische Bläser, die mit ungarischen, sächsischen und bayerischen Wurzeln die kulturelle Vielfalt des Konzerts noch verdeutlichten. Die "Standing Ovations" fanden erst ein Ende mit der Zugabe "Guten Abend, Gute Nacht".

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren