Münnerstadt
Umwelt

Original "Mürschter Apfel" soll Vielfalt erhalten

Sie pflanzen einen Apfelbaum, um alte Sorten und die Vielfalt in der Streuobstwiese zu erhalten: Hellmut Petsch, Roman Jonas und Bruno Schäfer.
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Alte und robuste Obstsorten wollten (von links) Hellmut Petsch, Roman Jonas und Bruno Schäfer erhalten. Hier pflanzen sie gerade einen Apfelbaum an der Streuobstwiese am Wacholder-Wanderweg in Münnerstadt.Björn Hein
Alte und robuste Obstsorten wollten (von links) Hellmut Petsch, Roman Jonas und Bruno Schäfer erhalten. Hier pflanzen sie gerade einen Apfelbaum an der Streuobstwiese am Wacholder-Wanderweg in Münnerstadt.Björn Hein
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Streuobstwiesen sind nicht nur für viele Tier- und Pflanzenarten ein wahrer Segen. Bereits um 5000 v. Chr. wurden diese von den Menschen genutzt, ab dem 15. Jahrhundert dehnte sich bei uns der Obstbau in der freien Landschaft aus und versorgte die Bevölkerung mit lebenswichtigen Vitaminen. Vom Ende des Sommers bis zum Frühjahr konnte man so Obst genießen. Die angebauten Sorten waren robust und brauchten nur wenig Pflege, dies hat sich bis heute nicht geändert. So kann man auf Düngung sowie den Einsatz von chemischen Pflanzenbehandlungsmitteln verzichten. "Außerdem legen wir viel Wert darauf, dass alte und robuste Obstsorten erhalten werden", führt Hellmut Petsch aus, ehemaliger ehrenamtlicher Naturschutzwächter bei der Unteren Naturschutzbehörde in Bad Kissingen.

Er, Roman Jonas und Bruno Schäfer legen sich gerade gewaltig ins Zeug: an der Streuobstwiese am Wacholder-Wanderweg in Münnerstadt pflanzen sie mit vereinten Kräften einen Apfelbaum. Natürlich ist es nicht irgendeine Sorte, sondern ein original "Mürschter Apfel". "Die Hausfrauen schwören auf diese Sorte, gerade, wenn sie Kuchen backen", ist Jonas begeistert. Der Geschmack dieser alten Sorte ist sehr lecker, außerdem ist es eine antiallergene Sorte, wie Petsch betont.


Obstbauern brauchen langen Atem

"Ein kleiner Nachteil ist, dass es rund zehn Jahre dauert, bis man hier zum ersten Mal ernten kann", schränkt er ein. Doch dies ist kein Problem: braucht man als Obstbauer doch sowieso einen langen Atem. Schaut man sich auf dem Areal um, so kann man zahlreiche Obstbäume sehen: an die 20 stehen hier, dazu einige Nussbäume. Im Herbst laden die Bäume Wanderer geradezu dazu ein, hier Äpfel zu pflücken. "Das ist auch überhaupt kein Problem, es sei denn, die Äpfel sind "verstrichen"", sagt Bruno Schäfer. Verstrichen bedeutet, dass man die Erlaubnis bekommen hat, den Baum abzuernten. 2,50 Euro kostet dies pro Baum, in der Stadt kann man hierzu einen Antrag stellen. "Allerdings ist das Interesse am "Verstreichen" gefallen - es wird von Privatpersonen nur noch selten Most gemacht", weiß Petsch aus Erfahrung.


Tiere und Pflanzen fühlen sich wohl

Doch auch wenn die intensive Nutzung der Streuobstwiesen heute abgenommen hat: Tiere und Pflanzen fühlen sich hier trotzdem sehr wohl, gerade für die Bienen bedeuten die Obstbäume, dass sie die Blüten abweiden können. "Außerdem werden alte Sorten erhalten, die sonst wohl schon ausgestorben wären", weiß Petsch - der Mürschter Apfel wurde erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. Und so ist das kleine Bäumchen, dass die drei gepflanzt haben, auch ein Garant für biologische Vielfalt. Die Nistkästen, die an zahlreichen Bäumen angebracht sind, sorgen außerdem dafür, dass hier auch Vögel brüten können. Im Herbst ist dann wieder Gelegenheit, auch die kulinarische Seite einer Streuobstwiese in vollen Zügen genießen zu können. Denn was gibt es besseres, als einen Apfel direkt vom Baum zu essen.

Geokoordinaten neu gepflanzter Baum:
50.240021, 10.202295

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