Münnerstadt
Geschichte

Neue Einblicke ins Münnerstädter Heimatspiel

Wie entstand das Heimatspiel und welches sind seine Hintergründe? Mit dieser Frage befasste sich Rosina Eckert bei einer besonderen Stadtführung.
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Um Dichtung, Wahrheit und Legende im Heimatspiel ging es bei einer Stadtführung mit Rosina Eckert (rechts). Auch in der Klosterkirche machte die Gruppe Station. Foto: Dieter Britz
Um Dichtung, Wahrheit und Legende im Heimatspiel ging es bei einer Stadtführung mit Rosina Eckert (rechts). Auch in der Klosterkirche machte die Gruppe Station. Foto: Dieter Britz

Münnerstadt "Dichtung, Wahrheit und Legende" im Heimatspiel standen im Mittelpunkt einer Stadtführung mit Rosina Eckert. Aber auch sonst erzählte sie den etwa zwei Dutzend Interessenten, die ihr beim Rundgang folgten, einiges über die Geschichte der Stadt. Die meisten von ihnen hatten unmittelbar vorher das Heimatsspiel gesehen und wussten also, um was es dabei geht.

Autor des Heimatsspiels ist Ludwig Nüdling (1874-1947), der 1897 zum Priester geweiht wurde. Er war seinerzeit ein viel gelesener Autor von Büchern, Gedichten und eucharistischen Texten. Rosina Eckert erzählte, dass das Heimatsspiel seit über 90 Jahren ausgeführt wird. Anlass war, dass der Tourismus gefördert und die Bad Kissinger Kurgäste unterhalten werden sollten. Der als Volksschriftsteller bekannte Pfarrer Ludwig Nüdling verfasste über Nacht einen ersten Rohentwurf des Schauspiels. Er gefiel den Verantwortlichen, Nüdling bekam den Auftrag dafür. Die Aufführungen wurden zu einem großen Erfolg. Bis 1934 wurde das Schauspiel bis zu elf Mal pro Jahr vor einer großen Menschenmenge gezeigt, dann aber während der Nazi-Zeit eingestellt. Schon ab 1949 fanden die Aufführungen wieder statt. "Das war das erste Wunder des Heimatsspiels" sagte sie dazu.

Rosina Eckert vergaß nicht, dass sich Ludwig Nüdling einiges an dichterischen Freiheiten herausgenommen hat. In Wirklichkeit sei die Stadt nicht im Sommer, zur Zeit des Erntedanks, von den Schweden belagert worden, sondern im Winter 1641. Die Namen der Akteure habe er aus Stadtchroniken entnommen, die Charaktere aber frei erfunden, erläuterte Eckert. Viele Straßennamen in Münnerstadt gehen auf das Heimatsspiel zurück. Beim Rundgang durch die Stadt kam die Gruppe am Haus Elektro-Schlegelmilch, dass nach dem Krieg neu erbaut wurde, vorbei. Hier soll der reiche Goldschmied Gattenhof, der im Heimatsspiel erwähnt wird, seine Schätze vergraben haben, um sie vor den Schweden in Sicherheit zu bringen. Ein Wünschelrutengänger suchte, bevor das Haus neu gebaut wurde, nach den Schätzen. Er fand nichts und erntete nur Spott, erzählte Rosina Eckert.

In der Klosterkirche erläuterte sie die Geschichte der Rosenkranz-Bruderschaft, die auch in Münnerstadt bestand. Die hiesigen Mitglieder hatten dafür zu sorgen, dass jedes Jahr vom 1. bis zum 14. September jeden Tag rund um die Uhr der Rosenkranz gebetet wurde.

Hans-Josef Wehner aus Oberleichtersbach machte zusammen mit seiner Frau den Stadtrundgang mit. Spiel und Führung. haben ihm sehr gut gefallen. Er konnte das Heimatsspiel noch nie sehen, denn er hat früher in der Gastronomie gearbeitet und hatte an Wochenenden nie Zeit. "Nun hole ich alles nach", erzählte er. Baldur Kolb, der schon 1951 als Scholar dabei war, und jetzt seine langjährige Karriere als Heimatspiel-Pfarrer beendete, war ebenfalls dabei. "Rosina Eckert hat sehr informativ die Geschichte erklärt und Einzelheiten über Ludwig Nüdling erzählt" lobt er.



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