Münnerstadt
Saale-Musicum

Musik am laufenden Band

Ehe das Floß in Münnerstadt anlegt, gab es schon einen musikalischen Abend vorab. Beim Kammermusikabend der Musikschule Schülerinnen und Schüler jeder Altersklasse ihr Können.
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Manchmal unterstützten die Lehrkräfte den Vortrag der Schüler und Schülerinnen.  Foto: Hartmut Hessel
Manchmal unterstützten die Lehrkräfte den Vortrag der Schüler und Schülerinnen. Foto: Hartmut Hessel
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Gemächlich fließen Saale und Lauer in eine Richtung, immer zur Mündung hin. Das Floß des Saale-Musicum, einmal an der Quelle zu Wasser gelassen, lässt den Steuerleuten kaum eine andere Wahl als dem Strom zu folgen. Fast! Denn wenn der künstlerische Leiter der Musikakademie Hammelburg, Kuno Holzheimer für das regionale Musikfestival eine Anlegestelle findet, bekommt das Wassergefährt Flügel und landet abseits der Tour in Münnerstadt.

Dabei ist es reiner Zufall, dass dies die Geburtsstadt des Festivalleiters ist, denn in erster Linie macht das vielseitige Angebot der Musikschule eine Aufteilung möglich und künstlerisch auch notwendig. Dem offiziellen "Anlandungstermin" am Lauerstrand am Freitag, 5. Juli, 19 Uhr im Deutschordensschloss, schalteten Musikschulleiter Thomas Reuß und seine Lehrerkollegen und -kolleginnen einen Kammermusikabend im Rahmen des Saale-Musicums in der Alten Aula vor, der von vielen Familienmitgliedern der jungen Interpreten, sowie einigen Gästen besucht war.

Das kulturpolitische Münnerstadt, allen voran Bürgermeister Helmut Blank und Kulturreferentin Michaela Wedemann, sowie die beiden Manager Nicolas Zenzen und Kilian Düring zeigten in den Begrüßungen von Helmut Blank, Kuno Holzheimer und Thomas Reuß die Verbundenheit zur Musikschule, die in der Vergangenheit immer mal wieder zur Disposition gestanden hatte.

Fünfzehn Solisten und Ensembles führten 26 Stücke auf und das ohne Pause. Gefühlte fünf Jahre waren die jüngsten Musikanten bis hin zum Generationenmix von neun Jahren bis zu grauhaarig beim Violinensemble und dem Akkordeonorchester.

Manchmal unterstützten die Lehrkräfte den Vortrag, sehr oft war im Spiel eine Selbstsicherheit zu spüren, eine Verliebtheit in die Abläufe an den Klaviertasten oder der Klarinetten- und Flötenlöcher oder den Querflötenklappen. Überhaupt sind die Blasinstrumente das Vorherrschende in der kammermusikalischen Vorstellung, bestens geeignet für die Orchester, die in der Musikschule selbst, aber vor allem auch in den Heimatgemeinden zum Mitspielen einladen.

Saxofonfreunde dürfen sich da freuen, denn hier scheint der Nachwuchs besonders gut aufgestellt zu sein. In der Bläserklasse der Grundschule, zwischen den Klarinetten im Ensemble, sowie als Soloinstrument der Landessiegerin Sonja, zusammen mit Lorenz am Flügel, gibt es den Beiträgen etwas Besonderes. Nicht minder die Klarinettensätze und die Querflötenbeiträge. Die kleine Amelie ließ sich von Annemarie Kreutzer am Klavier begleiten und gab dem Publikum einen schwungvollen Marsch zum Besten. Ganz alleine, während des Spiels völlig in die Musik seines Stückes von Ludovico Einaudi versunken war Michael, denn er hatte auch sein Notenblatt nicht nötig - ein sehr inniger Beitrag des Teenagers.

Saalemaleikum

Gegen Ende des neunzigminütigen Programms zeigten das Violinensemble mit Barbara Moritz am Flügel, sowie das Akkordeonorchester unter Leitung von Michael Lukaszcyk ein Stück Erwachsenenbildung der städtischen Musikschule. Hier wurde deutlich, dass Musik kein Alter kennt, dass junge Interpreten alte Stücke getragen vorführen können und Musiker und Musikerinnen in den "besten" Jahren sich mit jungen Kompositionen schwungvoll ausdrücken. Besonders markant und Alleinstellungsmerkmal für das Saale-Musicum Festival ist die Komposition "Saalemaleikum" von Barbara Moritz, welches sie dem seit 16 Jahren durchgeführten Veranstaltungsreigen in der Saale-Rhön Region gewidmet hat. Dazu passt die Violininterpretation besonders gut, denn das Fließende lässt sich dabei herausragend unterstreichen. Die Wortschöpfung der Neukomposition ist wohl dem Gleichklang geschuldet, doch in der Musik ist schon ein wenig Orientalik eingearbeitet, so wie unsere Flüsschen nun mal sind. Einmal sehr, sehr friedlich, doch wenn sie der Unbill von viel Regen erreicht geben die Fluten ungezügelte Kraft weiter. Vielleicht findet sich irgendwann ein Text dazu, dann weiß man noch mehr.

Dem Laien ist das "Monstrum" Akkordeon schon beim Anblick die Schwere bewusst. Beim Spielen zeigte das Orchester dennoch eine Leichtigkeit, eine Gelassenheit und Ruhe. Die Stücke hatten russische Wurzeln, wobei die Schiwagomelodie die bekannteste war.

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