Münnerstadt
Bürgerengagement

Münnerstädter Verein stemmt das nächste Großprojekt

Wegen erheblicher statischer Probleme kostet das Herrichten der Scheune am Heimatspielhaus mehr als eine halbe Million Euro. Dabei wird auf jeglichen Luxus verzichtet.
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Die Einnahmen aus dem Flohmarkt werden jetzt für den Eigenateil verwendet, den der Verein für die Sanierung der Scheune am Heimatspielhaus aufbringen muss. Das Foto zeigt von links: Susanne Stäblein, Rita Jonas, Heike Hofman-Geyer und Bernd Eckert. Roman Jonas
Die Einnahmen aus dem Flohmarkt werden jetzt für den Eigenateil verwendet, den der Verein für die Sanierung der Scheune am Heimatspielhaus aufbringen muss. Das Foto zeigt von links: Susanne Stäblein, Rita Jonas, Heike Hofman-Geyer und Bernd Eckert. Roman Jonas
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Stolz sind die Vorstandsmitglieder des Vereins "Zukunft für das Heimatspielhaus" auf das sanierte Gebäude, das heißt aber nicht, dass sie sich zufrieden zurücklehnen können. "Die Scheune gehört dazu", sagt Vorsitzender Martin Kuchler. Das stark in Mitleidenschaft gezogene Gebäude muss dringend hergerichtet werden. Jetzt hat der Verein den vorzeitigen Baubeginn genehmigt bekommen und die Zuschussgeber haben auch wieder signalisiert, dass sie das Vorhaben der rührigen Vereinsmitglieder finanziell unterstützen werden. Aus der alten Scheuer soll eine "Kleine Kulturscheune" werden.

"Bisher haben wir uns auf das Heimatspielhaus konzentriert, das läuft jetzt stabil und wird so gut gebucht, dass bereits die ersten Instandsetzungsreparaturen anstehen", sagt Martin Kuchler. "Einfach weil es genutzt wird und kein Museum ist." Nun stehe die Sanierung der Scheune an, wo es allerdings "massive statische Probleme" gebe. So sei beispielsweise das Gewölbe unter der Scheune stark beschädigt. Und die jahrhundertelange Nutzung als Scheune hat auch ihre Spuren hinterlassen. "Damit sie noch mehr Heu reinbekommen, haben die früheren Besitzer Balken rausgenommen, die allerdings wichtig für die Statik waren", erklärt Martin Kuchler. Lange haben die Vorstandsmitglieder diskutiert, wie die künftige Nutzung aussehen könnte. Schließlich habe Kreisheimatpfleger Christian Neugebauer den Begriff "Kleine Kulturscheune" geprägt. "Und das soll es werden", betont der Vorsitzende.

Bereits im letzten Jahr sind die Förderanträge gestellt und der Finanzierungsplan eingereicht worden. Das Problem: Das Ganze kostet 550 000 Euro. Eine Summe, die Außenstehenden schwer zu vermitteln ist. "Wir bringen keinerlei Luxus rein, wir richten nur ein Baudenkmal, das auch wichtig für den Kirchplatz ist", erklärt Roman Jonas. Chef der Bauhütte vom Heimatspielhaus. "Einfach so stehen lassen oder wegreißen können wir die Scheune ja auch nicht", meint Christine Schikora. Sie und Susanne Stäblein sind stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Den Namen "Bauhütte" hat Martin Kuchler den Helfern gegeben, die sich so rührig um das Heimatspielhaus kümmern. Als bekennender Ulmer verweist Martin Kuchler auf die Bauhütte des Ulmer Münsters, die sich um den Erhalt des einmaligen Gebäudes kümmert. Diese hat Pate für die Namensgebung der Münnerstädter Helfer gestanden. Wenn vielleicht nicht ganz so gigantisch wie in Ulm, so stehen aber den Münnerstädter Helfern doch große Aufgaben bevor. Mit der Erlaubnis des "vorzeitigen Maßnahmenbeginns", wie es im Amtsdeutsch heißt, können die freiwilligen Helfer beginnen. Sie bereiten jetzt die eigentliche Sanierung vor. Dann werden der Keller stabilisiert, die Fachwerkkonstruktion wieder vervollständigt und natürlich das Dach hergerichtet. Als Architekten konnten die Vereinsmitglieder wieder Eduard Knoll gewinnen, der bereits für die Sanierung des Heimatspielhauses tätig war.

Die Städtebauförderung, der Bezirk Unterfranken, die Bayerische Landesstiftung und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz - sie haben wieder ihre finanzielle Unterstützung des Projekts in Aussicht gestellt, wofür die Verantwortlichen sehr dankbar sind. Trotz aller Förderung bleibt ein Eigenanteil in Höhe von bis zu zehn Prozent der Gesamtkosten. "Ein Beitrag, den wir leisten müssen und auch wollen", betont Susanne Stäblein. Dieser Anteil müsse durch Eigenleistung und Spendengelder erbracht werden. Da setzen die Vorstandsmitglieder wieder auf die ragenden Säulen des Vereins, nämlich den Flohmarkt, die Bauhütte, auf Veranstaltungen im Haus sowie auf Sponsoren, Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Künftig kann bei Familienfeiern oder ähnlichen Veranstaltungen auch der Hof des Heimatspielhauses gemietet werden. Bei schlechtem Wetter können sich die Gäste dann in die Tenne zurückziehen, ein Raum im Erdgeschoss der neu gestalteten Scheune. Dort wird auch eine Theke eingebaut, die für die Innen- und Außenbewirtschaftung nutzbar ist. Außerdem wird es einen behindertengerechten Zugang zu einer Toilette geben, die Küche im Erdgeschoss des Heimatspielhauses ist dann ebenfalls barrierefrei nutzbar. Im Obergeschoss der Scheune entsteht ein 55 Quadratmeter großer Raum, der über eine Außentreppe zugänglich ist. Über dessen künftige Nutzung ist noch nicht endgültig entschieden worden. Ideen gibt es aber schon mehrere. Prinzipiell wird die Scheune nur in den warmen Monaten nutzbar sein, eine Heizung beispielsweise ist nicht vorgesehen.

Heimatspielhausfreunde brauchen Unterstützung

Dank der Spendenbereitschaft vieler Menschen, denen das Heimatspielhaus am Herzen liegt, konnte das historische Gebäude vom Verein gekauft und saniert werden. Und auch jetzt ist die Mithilfe gefragt. Eine der größten Einnahmequellen ist der Flohmarkt in der Marienanstalt, der regelmäßig an den Marktsonntagen geöffnet ist. Es wird ein Helfer gesucht, der sich um die Bücher kümmert, außerdem werden Sachspenden aller Art angenommen. Die Dinge können entweder bei Susanne Stäblein in der Marienapotheke oder bei Christine Schikora im Schikora-Haus neben dem Heimatspielhaus abgegeben werden.

Zu den Spenden, die der Verein "Zukunft für das Heimatspielhaus " bekommen hat, zählt ein alter Rhöner Pflug. Noch konnte das Flohmarktteam keinen Interessenten dafür finden. Gegen eine Spende wird der Pflug abgegeben.

Über Verstärkung würde sich die Bauhütte freuen. In der Sommerzeit finden die regelmäßigen Arbeitseinsätze immer am Donnerstag von 18 bis 20 Uhr statt. Dringend benötigt werden auch Werkzeugspenden. "Alles, was ein Zimmermann, Schreiner, Maler und Maurer so braucht", sagt Roman Jonas, Chef der Bauhütte. Auch Elektrowerkzeuge sind sehr willkommen.

Schon vor einiger Zeit hat der frühere Münnerstädter Norbert Balling ein Aquarell vom Heimatspiel vor dem Heimatspielhaus gemalt und es dem Verein geschenkt. "Es hängt im Obergeschoss", sagt Vorsitzender Martin Kuchler. Jetzt kam plötzlich ein Paket mit 500 Postkarten von diesem Bild, die Norbert Balling wieder dem Verein kostenfrei zur Verfügung stellt. Die Postkarten können erworben werden in der Marien-Apotheke oder bei Grafik Design Schikora.

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