Münnerstadt
Attentate

Münnerstädter in Neuseeland: "Wir sind geschockt"

Albrecht von Wallmoden lebt seit 2002 in Neuseeland mit seiner Familie. Er erzählt, wie die Anschläge von Christchurch das Land verändert haben.
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Albrecht von Wallmoden mit seiner Frau Justine. Foto: privat
Albrecht von Wallmoden mit seiner Frau Justine. Foto: privat
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In Münnerstadt ist der Name von Wallmoden unvergessen, auch wenn es die dazugehörende Brauerei schon lange nicht mehr gibt. Von 1978 bis 1995 hat Jasper von Wallmoden hier unter anderem den berühmten Urstoff gebraut, ein besonderes Märzen, das heute in der Rother Bräu in der Rhön hergestellt wird. Zur Familie von Wallmoden gehört auch Sohn Albrecht, heute 52 Jahre alt. In Münnerstadt lebt er schon lange nicht mehr, seit 2002 ist Auckland in Neuseeland seine Heimat. Die Anschläge, bei denen 50 Menschen in Moscheen ermordet wurden, haben ihn und seine Familie geschockt.

Herr von Wallmoden, wie geht es Ihnen vier Tage nach den Anschlägen?

Albrecht von Wallmoden: Es ist noch immer so, dass wir geschockt sind. Einen derartigen Anschlag hätte sich niemand in Neuseeland vorstellen können.

Warum nicht? Der Terrorismus ist überall auf der Welt angekommen.

In Neuseeland ist das Lebensgefühl ein anderes. Es ist ein sehr gastfreundliches Land. Hier redet jeder mit jedem, es ist ein Land der Urlauber - jeden interessiert es, woher der Fremde kommt, was er macht, ob er sich in Neuseeland wohlfühlt. Der Neuseeländer an sich ist sehr entspannt und nimmt sich selbst nicht zu ernst.

Stichwort Offenheit: Gilt die auch für muslimische Einwohner?

Absolut! Religion spielt hier in Neuseeland eine kleine Rolle. Die Toleranz und Akzeptanz zwischen den Religionen ist hier sehr groß. Schauen Sie: Als ich 2002 in die Heimat meiner Frau Justine zog, hatte Neuseeland vier Millionen Einwohner, in den 80ern waren es nur drei Millionen. Jetzt sind es fast fünf Millionen, wir sind ein absolutes Einwanderungsland. Jeder kommt von wo anders her, so ist es für uns ganz normal, dass wir andere Religionen kennenlernen und jede neben der anderen existieren kann. Das bemerke ich vor allem auch in meinem Beruf.

Was machen Sie?

Ich bin Manager einer Importfirma und importiere Gewürze, Trockengemüse und auch Hopfen aus Deutschland nach Neuseeland.

Hopfen - damit knüpfen Sie ja an Ihre Wurzeln in Münnerstadt an.

Ja und sogar noch mehr: Nebenbei habe ich eine kleine Brauerei und unterstütze andere Menschen, die Brauereien eröffnen wollen. Ja, ich führe schon die Familientradition fort, wobei meine Kinder Anastasia (18), Gabriele (16) und Sascha (13) später werden können, was sie mögen. Bis jetzt hat sich noch keiner fürs Bierbrauen interessiert - aber das kann sich ja noch ändern.

Über Bier zu plaudern wäre jetzt amüsanter, aber hat das Attentat Neuseeland verändert?

Ja, weil sich die Neuseeländer jetzt bemühen, noch enger mit Muslimen zusammenzuleben. Das ist wie ein Zeichen der Solidarität. Unsere Premierministerin hat es ja vorgemacht, als sie mit Kopftuch zu den Trauerenden ging, um sie zu trösten. Aber das ist ja das Kuriose: Wir hatten ja nie Probleme miteinander - aber es ist jetzt wichtig, die Solidarität zu zeigen.

Der IS hat Vergeltung für die Attentate angekündigt. Bekommen Sie jetzt ein mulmiges Gefühl, weil der Terror eben auch nach Neuseeland gekommen ist?

Nein, ganz und gar nicht. Früher dachten wir zwar, das geht uns alles nichts an, es ist zu weit weg, und hier passiere das garantiert nicht. Die Polizisten auf der Straße sind ja nicht mal bewaffnet, weil wir eine sehr geringe Kriminalitätsrate haben. Aber auch durch die Anschläge jetzt sollten wir unser Leben, unser freies Leben, nicht ändern - sonst hätte der Terrorismus gesiegt.

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