Münnerstadt
Jungunternehmer

Münnerstädter Abiturient vermarktet Geschäftsidee ums stille Örtchen

Klowagen auf Festlichkeiten wirken nicht selten schmuddelig. Deshalb hatte Tizian Gebert vor vier Jahren die Idee, einen hochwertigen VIP-Wagen zu bauen.
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Tizian Gebert überprüft vor der Vermietung, ob alle Installationen bei dem VIP-Toilettenwagen funktionieren. Heike Beudert
Tizian Gebert überprüft vor der Vermietung, ob alle Installationen bei dem VIP-Toilettenwagen funktionieren. Heike Beudert
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Tizian Gebert ist 18 Jahre alt, Abiturient und seit wenigen Tagen auch Jungunternehmer. Er hat ein Gewerbe angemeldet mit einer Idee, die er schon mit 14 Jahren gemeinsam mit seinem Vater Udo Gebert umgesetzt hat: Die Vermietung von VIP-Toilettenwagen. Das Besondere ist: Tizian und sein Vater haben diese Toilettenanhänger selbst geplant und auch komplett gebaut.
Das Know-how ist natürlich in der Familie Gebert vorhanden. Denn Udo Gebert ist in Münnerstadt der Inhaber des Heizungs- und Installationsfachbetriebs "Gebert-Bäder und Wärme". Die Wagen jedoch entstanden in Eigenarbeit. "Wir bauen sie in der Freizeit aus", erklärt der 18-jährige Tizian.
Auf einer Fachmesse hatte die Familie 2014 erstmals einen ähnlichen, komfortabel ausgestatteten Toilettenwagen gesehen. Obwohl Tizian damals gerade erst 14 Jahre alt war, überzeugte er seinen Vater davon, dass man selbst einen solchen konstruieren könnte. Dass daraus aber ein Geschäft werden könnte, daran hatte Tizian zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht. "Er war ursprünglich als Werbung gedacht", betont der 18-jährige.
In der vergangenen Woche hat jetzt der dritte VIP-Toilettenwagen aus der Gebert'schen Werkstatt den TÜV erhalten. Seit März hatten Tizian und sein Vater wieder viele Samstage an dem neuen Anhänger geschraubt. Die VIP-Toilettenwagen sind innen mit hochwertiger Sanitärausstattung und winterfest gebaut. Gerne werden sie deshalb auch für Hochzeiten oder Firmenveranstaltungen gemietet, erklärt Udo Gebert. Auch der gerade fertiggestellte Anhänger ist schon seit dieser Woche auf Tour.
Seit wenigen Tagen ist nun Tizian Gebert als Jungunternehmer eigenverantwortlich für die Vermietung der Wagen. Seine Eltern Anke und Udo Gebert stehen ihm allerdings mit Rat zur Seite, wenn es beispielsweise um steuerliche Angelegenheiten geht. Die Vermarktung läuft von Anfang an übers Internet. Aber auch die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert gut.

Was es heißt, unternehmerisches Risiko zu tragen, hat Tizian Gebert allerdings schon kennengelernt, ehe seine Geschäftsidee in seine Hände überging. Denn ein VIP-Toilettenwagen der Geberts hat sich seit vergangenem Herbst sprichwörtlich in Luft aufgelöst. Wie bereits im Mai berichtet, war der Anhänger nach einer längeren Vermietung in Weimar im November 2918 nicht mehr zurückgebracht worden. Er ist spurlos verschwunden. Die Geberts haben Strafanzeige gestellt. Das Verschwinden ihres Wagens hat die Familie mittlerweile sogar ins Fernsehen und in die Bildzeitung gebracht. Für die Geberts besonders ärgerlich: Bei einem klassischen Diebstahl wäre der 35 000 Euro teure Toilettenanhänger versichert gewesen. In diesem besonderen Fall geht die Rechtsprechung aber von einer Unterschlagung aus. Da zahle die Versicherung nicht, erklärt Udo Gebert.


Vandalismus kein Problem

Dass so etwas passiert, damit hätten die Geberts nie gerechnet. Ihre Sorgen waren ursprünglich ganz andere: "Wir hatten Bedenken wegen Zigarettenkippen auf dem Boden gehabt", sagt Anke Gebert. Vandalismus war jedoch bislang kein Thema. Ein kaputter Klodeckel war der einzige Schaden an der Inneneinrichtung.
Ob er Angst hat, dass sich der Toilettenwagen-Klau wiederholt? Tizian Gebert und auch seine Eltern hoffen nicht, überlegen aber derzeit, wie die beiden verbliebenen Wagen besser vor einem solchen Fall geschützt werden können.
Ob der Anhänger je wieder auftaucht, wissen die Geberts nicht. Sie fürchten, dass der Mieter, zu dem jeglicher Kontakt abgerissen ist, diesen aus Geldnöten illegal weiterverkauft hat. Auch die Polizei sei nicht weitergekommen.
So hofft Tizian Gebert, dass sein kleines Unternehmen künftig nur noch auf ehrliche Mieter trifft. Denn bis auf diesen einen Fall waren die Erfahrungen ja auch immer gut.
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