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Bildung

Münnerstadt: Wenn die Glocke zweimal läutet

Mit einer beeindruckenden Feier verabschiedet die Schulfamilie des Schönborn-Gymnasiums Schulleiter Joachim Schwigon. Jetzt genießt er seinen Ruhestand.
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Nachdem er es  1974 als Abiturient schon einmal getan hatte, darf Schulleiter Joachim Schwigon bei seiner Verabschiedung zum zweiten Mal die Glocke läuten. Thomas Malz
Nachdem er es 1974 als Abiturient schon einmal getan hatte, darf Schulleiter Joachim Schwigon bei seiner Verabschiedung zum zweiten Mal die Glocke läuten. Thomas Malz
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"Glöcklesläuten 2.0": Das Motto der Verabschiedungsfeier für Joachim Schwigon beschreibt ein Ereignis, das nur sehr wenigen Menschen vergönnt ist. Mit dem Abitur in der Tasche durfte er im Jahr 1974 nach uralter Tradition die Glocke am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium läuten. Nun verlässt er das Gymnasium wieder. Als scheidender Schulleiter läutete er am Ende einer sehr herzlichen und emotionalen Verabschiedungsfeier die Glocke ein zweites und damit letztes Mal.

Stellvertretender Schulleiter Jens Hupfer begrüßte die zahlreichen Gäste in der voll besetzten Aula, zu denen unter anderem die beiden Vorgänger Joachim Schwigons, Gerd Weiß und Hans Dietrich Unger, sowie sein Nachfolger Peter Rottmann gehörten. Er erinnerte an den wichtigsten Maßstab, den Joachim Schwigon gesetzt hatte, als er 2011 als Schulleiter ans Gymnasium kam: "Entscheidend für den Ruf eines Gymnasiums ist die Qualität des Unterrichts." Denn einziger Zweck eines Gymnasiums sei es, Schüler zu fördern und zu fordern. Jens Hupfer bedankte sich für eine Zusammenarbeit, die stets offen und ehrlich gewesen sei.

Es gehöre zu ihren Dienstaufgaben, Schulleiter zu verabschieden, sagte die Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken, Monika Zeyer-Müller. "Ich sehe das weniger als Aufgabe als vielmehr als Ehre an", betonte sie und ging kurz auf den Lebenslauf vom Joachim Schwigon ein. 1955 in Münnerstadt geboren, besuchte er die Grundschule in Gerolzhofen, ging dann ans Schönborn-Gymnasium, wo er 1974 das Abitur ablegte. Es folgte ein Studium der Mathematik und Physik auf Lehramt.

Weil er nur einen Zeitvertrag bekommen sollte, entschied er sich 1984 in die Wirtschaft zu wechseln. Vier Jahre lang arbeitete er in einem Autohaus, das er dann vier weitere Jahre leitete. 1992 kehrte er in seinen alten Beruf zurück und kam schließlich 2011 als Schulleiter ans Schönborn-Gymnasium. Schnell spielte er in der John-Philipp-Bigband mit und war auch sonst außerhalb des Unterrichts sehr aktiv. Monika Zeyer-Müller trug einen Satz vor, den Joachim Schwigon einmal über sich selbst gesagt hatte: "Ich habe gemerkt, dass ich nicht nein sagen kann, wenn es darum geht, auch außerhalb des Unterrichts mit Schülern zu arbeiten."

Die Leitende Oberstudiendirektorin ging auch auf den guten Ruf des Schönborn-Gymnasiums ein und die Vorreiterrolle, die es oft gespielt hat. Das könne man in aller Bescheidenheit als Beispiel gebend bezeichnen. Sie wisse auch um die Bescheidenheit des Schulleiters, der sicher sagen würde, dass es ja der Erfolg des gesamten Teams sei. Die große Kunst sei es, das Kollegium zu motivieren. "Und das ist ausschließlich Ihr Verdienst."

"Immer, wenn es um neue Schulentwicklungen ging, waren Sie da", sagte Landrat Thomas Bold (CSU) als Vertreter des Sachaufwandsträgers. Er attestierte dem Schulleiter logisches Denkvermögen. "Das kann im Leben nicht von Nachteil sein." Zweimal Chef zu werden in einem gelernten Beruf und in einem ungelernten, das sei schon bemerkenswert. Joachim Schwigon sei kein Schulleiter gewesen, der ständig angerufen habe oder "auf der Matte gestanden" sei. Allerdings habe er genau gewusst, was man tun muss, um etwas zu erreichen. "Ich habe auch gemerkt, wie herzlich das Klima war zum Kollegium und zu den Schülern", so der Landrat. "Das spricht für Sie als Mensch."

Bürgermeister Helmut Blank (CSU) dankte Joachim Schwigon für sein erfolgreiches Wirken. Allen könne man es nicht recht machen. "Aber man kann vieles richtig machen. Und das haben Sie getan", sagte er. Das Schönborn-Gymnasium sei ein Aushängeschild für Münnerstadt. Helmut Blank erinnerte daran, das Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) die Stadt sogar als "Bildungshochburg" bezeichnet hat. Joachim Schwigon sei für das Gymnasium ein Hauptgewinn gewesen und natürlich auch für Münnerstadt. Der Bürgermeister verwies auf sein erstes Gespräch mit dem Schuleiter. "Danach hätte ich mir beinahe einen Audi gekauft."

Nach einem Tanz der "Destiny Queens" verabschiedeten sich Pia Hein und Frederick Dürr im Namen der Schüler von Joachim Schwigon. Anhand der Buchstaben seines Namens zeigten sie seine Eigenschaften auf. Für die Eltern dankte Petra Heil. Die John-Philipps-Bigband unter der Leitung von Thomas Reuß spielte dann "Music" - ein Stück, das sich Joachim Schwigon einmal zum Abschied gewünscht hatte. Nachdem sich Philippa Schmidt für das Kollegium von ihm verabschiedet hatte, bekam der Schulleiter noch einen Wunsch erfüllt. Bigband, Lehrer und die Stadt hatten zusammengelegt und spendierten Joachim Schwigon ein Jahr Unterricht im Fach Tuba an der Städtischen Musikschule. Dieses Instrument will er noch lernen.

"The Parting Glass" (Claudia Dunkelberg, Michaela Hügel und Ralf Hartmann) sangen Joachim Schwigon noch ein Ständchen, dann war es an ihm, Dankesworte zu sagen. Er gab zu, dass er sehr nah am Wasser gebaut sei. Das sei aber kein Ausdruck von Trauer, sondern er sei überwältigt vom Glücksgefühl. Er verteidigte seine Auffassung, dass man Fehler vergeben und vergessen sollte. Allerdings dürfe ein Fehler auch nur einmal gemacht werden. Er dankte schließlich Kerstin Vonderau, die ihn als Stellvertreterin unterstützt hatte, seinem jetzigen Stellvertreter Jens Hupfer und dem Mitglied der Schulleitung Andreas Keim. "Mit Euch hat das super funktioniert."

Anhand des Alphabets dankte er allen Menschen und Institutionen, die ihn unterstützt haben. "Ihr seid das beste Sekretariat, das man sich wünschen kann", betonte er, als er beim "S" angekommen war und schloss das Hausmeisterehepaar gleich mit ein. Denn: "Die beste Philosophie des Schulleiters wirkt nicht, wenn das Sekretariat und die Hausmeister das nicht wollen." Besonders würdigte er seine Ehefrau Ursula, die ihn die ganzen Jahre unterstützt hatte. Jetzt will er sich mehr der Familie widmen.

Mit "Adiemus", dem Lied, mit dem Joachim Schwigon 2001 von Chor und Orchester des Schönborn-Gymnasiums begrüßt worden war, klang die Verabschiedungsfeier aus. Dann ging es zum Glöcklesläuten.

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