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Münnerstadt:Vorbereitungen für Abriss laufen

Einen Tag nach den Bürgerentscheiden gab es ein Treffen der Verwaltung mit den beteiligten Ingenieurbüros. Wahrscheinlich ab April 2020 wird das Hallenbad abgerissen.
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"Das Ergebnis ist in dieser Form zu akzeptieren", sagt Bürgermeister Helmut Blank (CSU). Er verweist darauf, dass nach dem letzten Bürgerentscheid zum Kostenvergleiche ein Arbeitskreis gegründet und - wie gewünscht - ein Gutachten erstellt wurde. "Wir sind froh, dass die Leute zur Wahl gegangen sind", sagt er. Denn normalerweise würden in solchen Fällen hauptsächlich die zur Wahlurne gehen, die ein Interesse daran haben, in diesem Fall also die Hallenbadfreunde. "Sonst gewinnen meist die Bürgerbegehren", sagt er. Beim Hallenbad war es anders.

Allerdings waren es nach dem vorläufigen Ergebnis lediglich 57 Stimmen, die die Entscheidung bei der Stichfrage herbeiführten. 1608 Münnerstädter wollten, dass das Ratsbegehren (Abriss) gilt, 1551 Bürger, dass das Bürgerbegehren (Sanierung) gilt. Zum Tragen kam die Stichwahl, weil beide Bürgerentscheide mit "Ja" beantwortet wurden. Bürgermeister Helmut Blank verweist aber auf einen Unterschied. Beim Abriss stimmten 55,26 Prozent der Wähler für "Ja", bei der Sanierung waren es nur 51,92 Prozent. Damit sieht er das Endergebnis bestätigt. Als Grund dafür, dass beide Entscheide mit "Ja" beantwortet wurden, nennt er, dass viele Wähler nur eine Frage mit "Ja" beantwortet haben, bei der anderen gar kein Kreuz gemacht haben. Helmut Blank ist mit dem Ausgang zufrieden.

Es sei schon vor einiger Zeit ein Gutachten wegen der Schadstoffbelastung in Auftrag gegeben worden. "Das ist nötig geworden, weil sich die Parameter verschärft haben", sagt Helmut Blank. Er rechnet damit, dass das Ergebnis in den nächsten Tagen vorliegt. Allerdings werden sich die Abrisskosten nach den neuen Parametern erhöhen, befürchtet er. "Das Hallenbad wird jeden Tag teurer, auch wenn es nur steht." Ab April könne das Bad voraussichtlich abgerissen werden, sagt er. Die Ausschreibung dauere eine Weile. "Wir müssen ja alles neu machen." Helmut Blank erinnert daran, dass die Verwaltung schon einmal kurz vor der Vergabe war. "Dann kam das Bürgerbegehren."

Nach dem vorläufigen Ergebnis lag die Wahlbeteiligung bei knapp 51 Prozent. 6295 Münnerstädter waren zur Wahlurne gerufen worden, 3210 folgten dem Ruf. Weil 833 Bürger per Briefwahl abgestimmt haben, ist eine Zuordnung der Ergebnisse auf die einzelnen Wahlbezirke schwierig. Es gibt aber durchaus Auffälligkeiten.So war die Wahlbeteiligung in Brünn mit knapp 59 Prozent (plus evt. Briefwähler) extrem hoch. Fridritt lag knapp über 50 Prozent, Großwenkheim knapp darunter. In Münnerstadt selbst und in Reichenbach gingen die wenigsten Bürger zur Wahlurne (wieder Briefwähler nicht eingerechnet).

Was die Beantwortung der Fragen angeht, ist klar zu erkennen: Die Bewohner Münnerstadts haben sich deutlich für die Sanierung ausgesprochen, die Bürger der Stadtteile deutlich für den Abriss. In der Stadt stimmten über 70 Prozent für "Nein" beim Abriss, auf der Zent waren es sogar über 77 Prozent. Dagegen waren mehr als 91 Prozent der Seubrigshäuser für den Abriss, in Großwenkheim waren es knapp 91 Prozent. Ein genau umgekehrtes Bild ergibt sich bei der Frage nach der Sanierung. Auffällig: In den stadtnahem Orten Brünn, Althausen und Burghausen stimmten die Wähler mehrheitlich für den Abriss, aber bei weitem nicht so deutlich wie in den äußeren Stadtteilen und Reichenbach. Interessant ist noch die Zahl der ungültigen Stimmen (kein Kreuz oder zwei Kreuze bei einer Frage). Bei der Frage nach dem Abriss gab es 266 ungültige Stimmen, bei der Frage nach der Sanierung 207 und bei der Stichfrage waren es 51.

"Die Entscheidung der Bürger für den Abriss ist für mich und meine Fraktion eine Bestätigung, aber kein Grund zum Jubel", sagt Michael Kastl (CSU) zu dem Ergebnis. Er hatte den Antrag für das Ratsbegehren auf Abriss gestellt. "Anders als von einigen Unverbesserlichen immer wieder behauptet, ist keiner von uns gegen das Schwimmbad oder gegen das Schwimmen an sich", betont er. "Wir waren und sind lediglich davon überzeugt, dass sich die Stadt Münnerstadt die Generalsanierung des ehemaligen Hallenbades und vor allem den Betrieb nicht leisten kann. Glücklicherweise sieht das die Mehrheit der Bürger genauso."

"Wir von ,Neue Wege' sind erstmal froh, dass jetzt alles endgültig entschieden ist und man sich endlich wieder anderen, für die Stadt zukunftsweisenden Themen zuwenden kann", meint Klaus Schebler dazu. Er hatte den ersten Antrag auf Abriss des Hallenbades gestellt. " Auch die Verwaltung, die durch das Bürgerbegehren übermäßig beansprucht wurde, ist aus unserer Sicht jetzt wieder im Stande, sich dem Tagesgeschäft zu widmen und die bereits getätigten Beschlüsse umzusetzen", so Klaus Schebler. "Wir bedanken uns in diesem Zusammenhang recht herzlich für ihre nicht einfache Arbeit." Natürlich sei er und seine Mitstreiter mit dem Ergebnis, das Hallenbad abzureißen, zufrieden. "Wir hoffen, dass hiermit ein Schlussstrich zum Thema Hallenbad gezogen ist."

Wolfgang Blümlein, Vorsitzender des Vereins "Bürgerbad Münnerstadt", wollte sich einen Tag nach der Entscheidung nicht zu dem Ergebnis äußern. Das müsse er erst mit seinen Vorstandskollegen besprechen, sagte er.

"Mit großem Bedauern muss ich zur Kenntnis nehmen, das eine Mehrheit der Münnerstädter Bürger sich gegen ein Hallenbad entschieden hat", sagt Dritter Bürgermeister Axel Knauff (SPD) dazu. Er hatte sich vehement für den Erhalt eingesetzt und auch den Arbeitskreis "Hallenbad" geleitet, der nach dem gewonnen Bürgerentscheid zum Kostenvergleich Abriss/Sanierung gegründet worden war. "Ich hätte mir gewünscht, dass sich mehr Münnerstädter zu Münnerstadt als Stadt bekannt hätte", sagt er.

"Als Demokrat respektiere ich selbstverständlich das Ergebnis."

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